Familienhunde

„Familienhund"Haustiere sind in der heutigen Zeit wichtige Familienmitglieder. Sie nehmen einen anderen Stellenwert ein als zu Zeiten, in denen sie ihren Beitrag zur Ernährung oder zum Schutz der Familie leisten mussten. Heute tragen sie zur körperlichen Auslastung des Menschen und zu seiner seelischen Entspannung bei, allen voran der Hund. Im Gegensatz zur Katze fügt er sich gut in das Familienbild ein, weil sich sein Charakter formen lässt. Der Familienhund ist über viele Jahre ein treuer Begleiter. Dennoch sollte seine Anschaffung wohl überlegt sein. Der nachfolgende Artikel soll bei der Entscheidungsfindung helfen.

Passen Familienhunde und Kinder zusammen?

Viele Kinder wollen ihre Eltern zur Anschaffung eines Familienhundes überreden. Einige Erwachsene wehren bei diesem Thema sofort ab, weil die Versorgung und die Erziehung des Hundes viel Zeit im ohnehin stressigen Alltag in Anspruch nehmen würden. Doch ist das die richtige Entscheidung? Ursächlich für die Bitte des Kindes kann gerade die mangelnde Zeit der Eltern sein. Wie lange haben Eltern denn an den Arbeitstagen Zeit, um mit dem Kind zu toben? Eine viertel Stunde vielleicht oder eine halbe? Mit dem Familienhund können sich die Kleinen stundenlang beschäftigen. Je länger sie sich kennen, desto mehr wachsen sie zu einer Einheit zusammen. Das liegt daran, dass sie einander verstehen lernen. Kinder und Hunde agieren häufiger als Erwachsene mit Gebärden.
Kinder und Hunde sind bewegungsfreudig und beschäftigen sich gern, während die Eltern sich darüber freuen, wenn sie am Abend die Füße hochlegen können.

Familienhunde nehmen die Stellung von engen Vertrauten bei den Kindern ein. Wenn die Kleinen traurig sind, wird dies besonders deutlich. Allein wenn das Kind seine Arme um den starken Hals des Hundes legt, sein Gesicht in dessen weichem Fell vergräbt, spürt es die Zuneigung des Vierbeiners. Das gibt seelischen Halt. Wenngleich Familienhunde anderen Menschen gegenüber nicht aggressiv sein dürfen, füllen sie die Beschützerrolle aus. Familienhunde besitzen ein Gespür dafür, wenn sich Kinder in riskante Situationen begeben. Sie machen nicht selten andere Familienmitglieder auf die Gefahr aufmerksam. Der Familienhund kann das Selbstvertrauen des Kindes bedeutend stärken. Ein Kind, das für seinen Vierbeiner verantwortlich ist, fühlt sich mutiger, sicherer und stolz. Vieles spricht also für die Anschaffung eines Familienhundes, wenn Kinder in der Familie leben.

Dennoch soll nicht verschwiegen werden, dass es jedes Jahr Beißunfälle mit Hunden gibt, an denen Kinder und Jugendliche beteiligt sind. Deren Ursachen sind oft in der mangelhaften Anleitung der Kinder und der Hunde im Umgang miteinander geschuldet. Oft fehlt es an gegenseitigem Respekt oder am Verständnis für die Körpersprache des Gegenübers. Es liegt an den Eltern, die Kinder und den Familienhund auf das Zusammenleben vorzubereiten und für eine entsprechende Aufsicht zu sorgen.

Der richtige Zeitpunkt für den Familienhund

Lebt der Hund vor der Geburt des Kindes in der Familie, braucht über den richtigen Zeitpunkt für seine Anschaffung nicht nachgedacht werden. Sofern die Erwachsenen den Hund nicht vernachlässigen, nimmt der Säugling bei ihm eine ähnliche Stellung ein wie der eigene Nachwuchs. Es ist also ganz normal, dass sich der Hund in der Rangordnung auf die höhere Stufe begibt und sich für das Kind verantwortlich fühlt. Spätestens, wenn das Kind zu laufen beginnt, müssen die Eltern dem Hund klar machen, dass dieser seine Position nicht halten kann, sondern ans Ende der Rangfolge rutscht. Bis das Kind etwa drei Jahre alt ist, versucht der Vierbeiner immer wieder, die alte Hierarchie herzustellen. Eltern müssen dann besonders wachsam sein. Überragt das Kind den Hund später in der Größe und benimmt es sich weniger unbeholfen, ist es für den Hund einfacher, das Kind als Respektperson zu akzeptieren.

Ist das Kind vor dem Hund im Haus, wird es sich vermutlich im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren einen Hund wünschen. In dieser Zeit gelingt es den Erwachsenen vergleichsweise leicht, den Hund als Mitglied ins Menschenrudel einzuführen. Wer die Wahl hat, sollte diesen Zeitpunkt abwarten und den Hund nicht zu zeitig anschaffen. Bei der Auswahl spielen unterschiedliche Aspekte eine Rolle. Das Aussehen der Rasse sollte eher an untergeordneter Position stehen. Der Familienhund muss Charaktereigenschaften besitzen, die ihn für den Umgang mit Kindern geeignet machen. Auf kinderfreundliche Hunderassen wird später genauer eingegangen.

Auswahl der Familienhunde nach dem Energielevel wichtig

Hunde für Familien sollten grundsätzlich ein Energielevel besitzen, das zu dem der Familie passt. Dabei ist sich nach dem zurückhaltendsten Familienmitglied zu richten. Ruhigere Familien profitieren von einem gemächlichen Hund. Bei aktiven Familien darf das Energiepotential des Hundes höher sein. Wichtig ist nämlich, dem Vierbeiner körperlich und psychisch gewachsen zu sein, um ihn auslasten und führen zu können. Sonst leidet das Zusammenleben.

Rassetypische Eigenschaften berücksichtigen und Charakterzüge des Hundes erkennen

Ursprünglich wurden Hunde für bestimmte Arbeiten gezüchtet, beispielsweise zum Jagen, Treiben, Hüten, Wachen oder als Begleit- beziehungsweise Gesellschaftshunde. Gerade einmal Letzteren liegt das Zusammenleben mit den Menschen von Anfang an im Blut, während alle anderen Rassen sich an die modernen Wünsche ihrer Besitzer erst gewöhnen mussten. Anstelle von Jägern, Treibern, Hütern oder Wächtern sind sie heute Familienmitglieder.

Einstmals ausgeprägte rassetypische Triebe lassen sich jedoch selbst durch die gezielte Verpaarung von Hunden nicht vollständig auslöschen. Ein Hovawart bleibt immer ein Wachhund. Ein Dackel jagt für sein Leben gern. Sobald er einen Hasen wittert, rät ihm sein Instinkt, diesen zu verfolgen. Da kann der Mensch noch so laut nach ihm rufen, von Natur aus ist dieser Trieb stärker. Möchte die Familie ihren kleinen Jäger trotzdem unbedenklich ohne Leine laufen lassen, erfordert dies im Vorfeld viel Arbeit. Der Hund muss so erzogen werden, dass er seinen Besitzern gehorcht. Das gelingt durch das gezielte Umlenken seiner Triebe. Dazu ist ein geduldiges Training erforderlich, dessen sollte sich die Familie bewusst sein. Entscheidet sie sich für eine Rasse, die einen solchen Jagdtrieb kaum oder gar nicht besitzt, erspart sie sich diese Mühen. Dafür wird der Auserwählte andere rassetypische Instinkte besitzen, die seine Leute ebenfalls vor besondere Aufgaben stellen. Einige Rassen gelten als besonders faul, andere als außerordentlich bewegungsfreudig. Wiederum gibt es solche, die schnell lernen und auch etwas Begriffsstutzigere. Es lohnt sich also, bei der Auswahl von Hunden für Familien auf diese Besonderheiten zu achten, um vor Enttäuschungen bewahrt zu bleiben.

Darüber hinaus sollten die potentiellen Hundebesitzer bedenken, dass es „den“ Hund mit seinen rassetypischen Eigenschaften nicht gibt. Neben dem Rassehund präsentiert er sich als Individuum mit einem eigenen Charakter. Zu einem Teil sind es genetische Veranlagungen, die das individuelle Verhalten des Hundes prägen. Zu einem gewissen Prozentsatz formen die Erfahrungen das Gemüt des Hundes. Dazu gehören auch solche, die der Vierbeiner bis zu seiner Übernahme durch die Familie gemacht hat. So unterscheidet man beispielsweise

  • nervöse und ausgeglichene Hunde
  • kinderliebe Hunde und solche, die lieber mit Erwachsenen zusammen sind
  • souveräne und ängstliche Hunde
  • und solche mit einer hohen beziehungsweise einer niedrigen Hemmschwelle.

Diese individuellen Wesenseigenschaften entscheiden ebenso wie die rassetypischen Eigenarten darüber, zu welcher Familie der Hund passt.

Merkmale, die Familienhunde besitzen sollten

Leben Hunde mit nur einer Person zusammen und tritt diese souverän auf, braucht die Rangfolge im Mini-Rudel nicht lang ausgefochten zu werden. Die Vierbeiner genießen es, von ihrem Besitzer angeleitet und geführt zu werden. Nichts liegt ihnen ferner, als den Chef zu spielen, denn damit würde eine unnötige Verantwortung auf sie zukommen. Hunde lieben einen geregelten Tagesablauf mit klaren Strukturen. Die sind im Singlehaushalt leicht gegeben. In der Familie sieht das anders aus. Hier setzt sich das Rudel aus verschiedenen menschlichen Charakteren zusammen. Allen muss der Hund den Vorrang einräumen, auch den verunsicherten, ängstlichen, kleineren, lauteren oder trägen Personen. Das liegt nicht in seiner Natur. Wenn es nach ihm ginge, hätte er sich vor die devoten Menschen gestellt. Als Familienhund muss er sich als letzter ins Glied einfügen. Außerdem muss er es ertragen, dass jeder auf seine Weise mit ihm umgeht. Das fordert ihm eine hohe Flexibilität ab.

Während es im Hunderudel größtenteils gesittet zugeht und kleinere Streitereien allein durch die hundetypische Körpersprache ausgetragen werden, kommt es in Familien schon mal zu längerfristigen Stimmungsschwankungen. Die Harmonie kann durch unterschiedliche Auslöser gestört sein. Die Prioritäten können sich ändern, weil die Kinder heranwachsen und mehr Zeit von ihren Eltern einfordern. Die Erwachsenen tragen ihren beruflichen Stress nach Hause, womöglich wechseln sie ihre Jobs, müssen anders planen. All diese Veränderungen gehen an den Familienhunden nicht spurlos vorbei. Wenngleich sie die Situation inhaltlich nicht verstehen, spüren sie die Umbrüche. Dennoch setzt man bei ihnen voraus, dass sie weiterhin entspannt am Familienleben teilhaben und sich unterordnen. Oft müssen Hunde innerhalb der Familie ähnliche Aufgaben wie Menschen übernehmen, beispielsweise sich die Leidensgeschichten von Familienmitgliedern anhören. Dabei können sie mit der menschlichen Sprache nicht viel anfangen. Trotzdem ist ihre Zuneigung erwünscht. An Hunderassen für Familien werden besondere Anforderungen gestellt. Sie zeichnen sich aus durch

  • Nervenstärke
  • Souveränität
  • Treue
  • Ausgeglichenheit
  • Freundlichkeit
  • Toleranz
  • und nicht zuletzt durch eine hohe Intelligenz.

Letztere ist erforderlich, da Familienhunde schnell und viel lernen müssen, sei es der Umgang mit anderen Menschen, bestimmte Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen oder diverse Aufgaben und Tricks, die dem Vierbeiner abverlangt werden. Darüber hinaus müssen Familienhunde geduldig sein. Ein Beispiel: Wenn ein Familienmitglied für den geplanten Familienausflug nach der Hundeleine greift, stellt sich beim Hund die Vorfreude ein. Sein Gehirn hat das Signal erhalten: Jetzt geht es los! Der Rest der Familie muss längst noch nicht zum Ausgehen bereit sein. Vielleicht steht noch ein Toilettengang an, jemand findet die Jacke nicht, ein anderer sucht nach dem Autoschlüssel. Es dauert für den Hund gefühlte Ewigkeiten, bis seine Bedürfnisse erfüllt werden. Dennoch soll er sich besonnen verhalten.

Familienhunderassen erkennt man auch an ihrer Geselligkeit. In Familien gehen häufiger Fremde ein und aus als in Singlehaushalten. Das muss der Hund akzeptieren. Bestimmte Rassen besitzen von Natur aus eine hohe Wachsamkeit, die sie zum Bellen und Knurren veranlasst. Sie ist eher unerwünscht, weil sie Gäste abschrecken könnte. Erwartet wird von Familienhunderassen, dass sie allen Menschen gleich freundlich gesinnt sind. Hunderassen für Familien müssen robust sein, das gilt insbesondere bei der Anwesenheit von kleinen Kindern. Kinderfreundliche Hunderassen nehmen es nicht übel, wenn beim Spiel mal an ihren Haaren gezogen oder ihnen versehentlich auf die Füße getreten wird, wenngleich die Erwachsenen ihren Kindern frühzeitig beibringen müssen, dass der Hund pfleglich und mit Respekt zu behandeln ist. Dennoch kann es passieren, dass es gelegentlich einen unbeabsichtigten Knuff gibt. Übermäßig sensible Rassen würden dies als Beleidigung empfinden und den Verantwortlichen die Demütigung lange nachtragen.

Auch hinsichtlich seiner Äußerlichkeiten haben Familien bestimmte Vorstellungen von ihrem Hund. Familienhunde dürfen gern mit einem Fell ausgestattet sein, an dem Schmutz wenig anhaftet. Die Fellpflege nimmt weniger Zeit in Anspruch. Das Hundehaar soll nach einem Regenguss schnell abtrocknen, das schont den Teppichboden. Der Familienhund soll möglichst wenig haaren, damit die Polster sauber bleiben. Gleichzeitig möchte man den engen Kontakt mit dem Vierbeiner am Abend auf dem Sofa genießen und sich in ein flauschiges Hundefell kuscheln. Der Hund soll einen freundlichen Gesichtsausdruck besitzen, um auf den ersten Blick auch Besuchern zu gefallen. Familienhunde müssen Multitalente sein.

Rassen, die für Familien mit Kindern besonders geeignet sind

Kinder besitzen normalerweise einen hohen Bewegungsdrang, doch es gibt auch ruhige Kinder. Auch bei den Erwachsenen gibt es hinsichtlich der Unternehmungslust große Unterschiede. Einige Familien verbringen ihre Freizeit überwiegend daheim in der Wohnung, andere sind viel im Freien unterwegs, fahren Rad, spielen Ball, laufen oder toben im Garten. Entsprechend dieser Vorlieben sollten die Rassen der Familienhunde ausgewählt werden. Nachfolgend wird auf einige Beispiele näher eingegangen.

Der Pudel zählt zu den Familienhunderassen mit überwiegend positiven Eigenschaften. Er haart nicht, worüber sich diejenigen freuen, die für die Reinigung der Wohnung verantwortlich sind. Er besitzt einen geringen Jagdtrieb, so dass er im Wald und auf Feldwegen auch gut ohne Leine mitgenommen werden kann. Gegenüber Fremden zeigt sich der Pudel freundlich. Das ist wichtig, wenn häufig Besuch ins Haus kommt. Der Pudel lernt schnell und ist in der Lage, sich unterschiedlichen Situationen anzupassen. Sein Charakter lässt sich als fröhlich beschreiben. Gern unternimmt der Pudel verschiedene Aktivitäten mit seiner Familie. Er wurde in drei Ausführungen gezüchtet: Der Zwergpudel ist ein ausdauernder Spring-ins-Feld, der sich stundenlang mit den Kindern auf dem Spielplatz vergnügen kann. Aufgrund seiner geringen Größe lässt er sich auch in der Stadtwohnung halten. Der Kleinpudel begleitet seine Leute gern beim Stadtbummel sowie auf Spaziergängen. Das Wetter ist ihm dabei beinahe egal. Am Rad oder beim Joggen kann der Großpudel mitgeführt werden. Nach der körperlichen Verausgabung bevorzugt er eine Verschnaufpause, bei der er das ausgiebige Kraulen durch seine Familie genießt. Der einzige Nachteil bei diesen Familienhunden besteht darin, dass sie regelmäßig dem Hundefriseur vorgestellt werden müssen.

Ebenfalls zu den familienfreundlichen Hunderassen zählt der Golden Retriever. Er ist ein großer Hund, der viel Auslauf benötigt. Gern ist er in der freien Natur unterwegs. Wasser und schmuddeliges Wetter schrecken ihn nicht ab. Wenn er ausreichend ausgelastet wird, ist er Fremden gegenüber freundlich. Beim Spielen mit den Kindern zeigt er sich nervenstark und belastbar. Er zählt zu den Hunderassen für Familien, die gern überall dabei sind. Da sich der Golden Retriever bei guter Erziehung zu benehmen weiß, lässt er sich ohne Probleme zu Freunden und Veranstaltungen mitnehmen. Der Nachteil bei diesen Hunden für Familien besteht darin, dass er ohne körperliche Auslastung und bei nur mäßiger Erziehung schlecht gelaunt reagieren kann und einen Eigensinn entwickelt. Wird der Golden Retriever in der Wohnung gehalten, ist die ausgiebige Reinigung seines Fells nach dem Spaziergang ein Muss. Sonst leidet der Teppichboden.

Zu den kinderfreundlichen Hunderassen, die eher ruhig sind, zählt der Berner Sennenhund. Er ist ein großer Hund, der das Haus und den Garten beschützt. Das Spielen mit den Kindern macht ihm Spaß. Er benimmt sich dabei souverän. Ein kleiner Rempler kann ihn nicht aus der Ruhe bringen. Auf langen Spaziergängen begleitet er seine Leute bei Wind und Wetter, sein dichtes Unterfell schützt ihn gegen Kälte. In der Stadt ist er allerdings nicht so gern unterwegs, dort geht es ihm zu hektisch zu. Ist die Familie außer Haus, verbringt der Berner Sennenhund die Zeit mit geduldigem Warten. Der Nachteil bei diesen kinderlieben Hunde besteht darin, dass sie sehr groß werden, so dass ihnen der Platz in der Stadtwohnung nicht ausreicht. Ohnehin wäre ihm das regelmäßige Treppensteigen nicht zu empfehlen, denn insbesondere seine Hüft- und Kniegelenke sind für Erkrankungen recht anfällig.

Als Grobmotoriker wird der Deutsche Boxer häufig beschrieben. Doch er kann der beste Familienhund sein. Solange sich die Kinder im Krabbelalter befinden, sieht man den Hund gern mit ihnen über den Boden robben. Dabei schiebt er sich mit den Vorderbeinen vorwärts und schleift den restlichen Körper nach. Keine Angst, er leidet nicht unter einem Bandscheibenvorfall. Den tollpatschigen Kleinen sieht er neugierig beim Spielen zu und weiß sich zu beherrschen, wenn es darum geht, den rollenden Ball ausschließlich mit den Augen zu verfolgen. Man könnte fast behaupten, der kräftige und ängstlichen Menschen gefährlich erscheinende Vierbeiner geht in der Mutterrolle voll auf. Er setzt seine breite Schnauze erstaunlich sanft ein, ohne mit den Zähnen zuzubeißen. Sind die Kinder etwas größer und entdecken das wilde Spiel, scheint auch der Deutsche Boxer „den Schalter“ zugunsten seiner körperlichen Aktivitäten umzulegen. Dann nämlich dreht er ordentlich auf. Leider unterschätzt er sich beim betriebsamen Spiel manchmal, so dass er von den Erwachsenen häufiger in die Bahnen gewiesen werden muss. Mit standfesten Kindern hat der Deutsche Boxer keinerlei Probleme, er ist für manchen Schabernack zu haben. Sein Bewegungsdrang ist vergleichsweise hoch, allerdings hält er nicht lange an. Das ist seiner kurzen Nase geschuldet, die seine Atmung beeinträchtigt. Nach dem Spiel oder Spaziergang benötigt der Boxer eine Regenerationsphase, die er gern mit seiner Familie auf dem Sofa verbringt. Nachteilig kann sich eine mangelnde Erziehung auswirken. Dann nämlich entwickelt der Deutsche Boxer einen übermäßigen Beschützerinstinkt für seine Leute. Dieser muss unterbunden werden, sonst wird der Hund besitzergreifend.

Der Border Collie ist einer der Familienhunde, die gefordert sein wollen. Für aktive Familien kann er ein zuverlässiger Partner sein. Zu den Hunderassen für Kinder zählt der Border Collie allemal, weil er ihre Stimmungsschwankungen sensibel aufnimmt und sich diesen anpasst. Seine Intelligenz befähigt ihn eigentlich zum Hüten und Leiten von Schafherden. Doch diese Tätigkeit ist im Familienalltag eher nicht gefragt. Deshalb benötigt er Alternativen, beispielsweise erlernt der Border Collie gern Tricks, begeistert sich fürs Hunde-Agility-Training und löst Denksportaufgaben. Gegenüber Besuchern verhält sich der Border Collie distanziert, aggressiv empfängt er sie aber nicht, weil sein Wachtrieb nicht sehr stark ausgeprägt ist.

Bei der Auswahl von Familienhunden steht der Labrador Retriever ganz oben auf der Liste. Er zeigt sich geduldig und freundlich. Die Zusammenarbeit mit seinen Menschen liegt ihm im Blut. Familienfreundliche Hunderassen wie er sind zutraulich und folgsam. Der Labrador Retriever besitzt viele Talente, so dass man ihn vielseitig beschäftigen kann. Such- und Apportierspiele beherrscht er ebenso wie den Umgang mit dem Ball oder einem anderen Hundespielzeug. Außerdem ist er ein begabter Sportler, der die Familie am Rad, beim Joggen oder beim Aufenthalt im kühlen Nass gern begleitet. Zwischen seinen Zehen besitzt er Schwimmhäute, so dass er auch im Wasser schnell unterwegs ist. Dieser Hund führt nicht umsonst seit Jahren bei unterschiedlichen Bewertungen die Rangliste als „Bester Familienhund“ an. Das liegt daran, dass sein Fell pflegeleicht ist, er ein freundlicher Gastgeber ist, schon im jungen Alter viel lernt, souverän auftritt und nur dann bellt, wenn es unbedingt notwendig ist. Ein Nachteil bei diesen Familienhunden besteht darin, dass sie nicht gern allein sind. Wo sich die Möglichkeit bietet, sollten sie auch zur Arbeit mitgenommen werden. Auch dort führen sie sich vorbildlich auf. Ein weiteres Manko kann sein hoher Jagdtrieb sein, der sich durch eine gute Erziehung aber beherrschen lässt.

Bisher war von mittelgroßen bis großen Familienhunden die Rede. Doch manchmal sind kleine kinderliebe Hunde die bessere Wahl. Dann nämlich, wenn die Familie räumlich beschränkt ist, wenn sie häufig verreist und im Auto kein Platz für eine große Rasse ist. Zu den familienfreundlichen Hunderassen zählt beispielsweise der Zwergschnauzer. Er haart nicht und verliert nicht einmal Hautschüppchen. Will die Familie auf Reisen gehen, verstaut sie ihn in einer Transporttasche, die sich über die Schulter hängen lässt oder im Auto auf dem Rücksitz neben den Kindern ihren Platz findet. Der Schnauzer genießt es, von Kindern umgeben zu sein und auch mal im Mittelpunkt zu stehen. Er gilt als verspielt und äußerst lebhaft. Wer einen Schnauzer besitzt, wird sich nie langweilen. Der einzige Nachteil bei diesem Energiebündel ist, dass er regelmäßig dem Hundefriseur vorgestellt werden sollte, damit sein raues Fell gepflegt erscheint.

Zu den Hunderassen für Kinder gehört der Coton de Tuléar, der auch in der Wohnung gehalten werden kann. Diese kleinen Familienhunde besitzen einen munteren Charakter und eine hohe Intelligenz, was das Einstudieren von Tricks sehr einfach macht. Der Coton de Tuléar liebt Trubel um sich herum, selbst andere Haustiere findet er wunderbar. Aufgrund seines geringen Gewichts von nicht einmal vier Kilogramm kann der kleine Vierbeiner auch von Kindern gut an der Leine geführt werden. Soll der Coton der Tuléar gepflegt aussehen, muss man ihm eine regelmäßige Fellpflege angedeihen lassen. Eine ruhige Familie könnte mit seinem Temperament überfordert sein.

Als fügsam und gelehrig zeigt sich der Chihuahua. Auch er zählt zu den Familienhunden. Der gerade einmal 20 Zentimeter hohe Hund ist in der Fellpflege unproblematisch, ebenso wie im Umgang mit Kindern. In der kleinen Stadtwohnung kann er gut beschäftigt werden, doch ein Haus mit Garten sind ideal. Beim Versteckspiel verliert er regelmäßig, denn wenn er aufgeregt ist, bellt er recht häufig und gibt seinen Unterschlupf somit vorzeitig preis – zur Freunde der Kinder. Der Chihuahua trippelt auf Spaziergängen an der Leine zuverlässig mit. Für längere Ausfahrten mit dem Rad empfiehlt es sich, ihn im Hunde-Fahrradkorb unterzubringen. Das ist aufgrund seiner Größe kein Problem. Der einzige Nachteil bei dieser kleinen Rasse der Familienhunde ist seine Neigung zu Zahnproblemen, denen sich durch eine gute Pflege jedoch vorbeugen lässt.

Rassen, die für Familien nicht geeignet sind

In den vorherigen Abschnitten wurden besonders kinderfreundliche Hunderassen vorgestellt. Im Gegensatz dazu gibt es Hunderassen, die als Familienhunde weniger geeignet sind. Laien könnten davon ausgehen, dass es sich bei ihnen um die sogenannten Listenhunde handelt. Das trifft auf sie aber nur bedingt zu. Zwar besitzen sie eine durchschnittlich niedrigere Hemmschwelle als andere Rassen, doch überwiegend liegt die ihnen fälschlicherweise nachgesagte Aggressivität an einer falschen Erziehung. Pitbull Terrier und Bulldoggen können hervorragend mit Kindern auskommen, wenn sie richtig angeleitet werden.

Eher ungeeignet für die Familie sind Rassen, die in der freien Natur als Einzelgänger unterwegs sind wie der Akita Inu. Diese Rasse bevorzugt eine Bezugsperson und akzeptiert auch nur diese. Auch der Chow Chow mag den Trubel in der Familie nicht. Darüber hinaus ist von der Anschaffung eines Herdenschutzhundes für die Familie abzuraten. Diese Vierbeiner sind für das eigenständige Arbeiten gezüchtet worden. Sie lassen sich nicht gern etwas vorschreiben. Um ihre Herde vor Feinden zu schützen, präsentieren sie sich dominant und stellen sich zwischen beide Parteien. Dieses Verhalten dürfte schwierig werden, wenn sich in der Familie Besuch einstellt. Bei den Herdenschutzhunden handelt es sich um große und robuste Rassen wie den Pyrenäen-Berghund, den Kangal und den Bouvier de Flandres.

Zusammenfassung

Der passende Familienhund bereichert das Familienleben. Insbesondere für Kinder ist er ein Partner, der beschützt, tröstet und zur Verantwortung erzieht. Der Familienhund stärkt das Selbstvertrauen von schüchternen Menschen, sorgt für den seelischen Ausgleich und fordert zur körperlichen Aktivität heraus. Damit es im Zusammenleben mit seiner Familie harmonisch zugeht, sollte er hinsichtlich seines Energielevels, seiner Ansprüche an den Platz und die Bewegungsfreude sowie seiner Kinderfreundlichkeit ausgewählt werden.

 

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