Chihuahua

„Chihuahua"Der Chihuahua hat einen kleinen Körper, aber ein großes Herz. So oder ähnlich lauten die Beschreibungen der kleinsten Hunderasse, deren Jahrtausende alte Beliebtheit bis heute ungebrochen ist. Er ist ein verspielter, treuer und aktiver Hund, der nicht in würdelose Anzüge gesteckt und in Taschen herumgetragen werden möchte.

Die Herkunft des Chihuahua

Diese Rasse trägt den Namen der größten Provinz Mexikos, als Zeichen ihres Ursprungs – so erklärt es die bekannteste Theorie. Es gibt jedoch noch andere und ältere Belege über eine mögliche Herkunft der Chihuahuas, doch dazu später.Im mexikanischen Hochtal lebten in der Zeit von 900 bis 700 v.Chr. die Tolteken, ein kriegerischer Volksstamm. Bei religiösen Festen wurden Blutopfer gebracht, bei denen sogenannte Techichi ihr Leben lassen mussten. Ob es sich bei diesen Tieren um die Vorläufer des Chihuahua handelte, ist nicht sicher.
Selbst nachdem die Azteken die Herrschaft über das Reich der Tolteken eroberten, erfuhren die Zwerghunde weiterhin hohe Verehrung als besonderes Haustier. Verstarb eine Person, so wurde diese mitsamt deren Habseligkeiten und ihrem Hund verbrannt. Die Azteken glaubten, dass der Chihuahua seinem Herrn mit seinen großen Augen sicher den langen und schwierigen Weg ins Totenreich zeige. Dazu war der kleine Hund allerdings nur bereit, wenn er zeitlebens gut behandelt wurde. Dieses Bestattungs-Zeremoniell war in Zeiten, wo es nur wenige Hunde gab, nur Häuptlingen und ranghohen Persönlichkeiten vorbehalten, die ihren Chihuahuas das bestmögliche Leben boten, um sie zur Ausführung der wichtigsten Aufgabe zu bewegen. Zahlreiche Ausgrabungsfunde aus der Zeit um 300 v. stellen Plastiken kleiner dicker Hunde mit kurzen Beinen und riesigen Ohren dar, die vom Aussehen her Vorläufer der Chihuahuas sein könnten. Auch die einfachen Leute mochten den kleinen Hund im wahrsten Sinne des Wortes gern, denn er war eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan.


Neue Erkenntnisse

In ägyptischen Gräbern aus der Zeit des Römischen Reiches haben Archäologen mumifizierte kleine Hunde mit einer Schädelfontanelle gefunden. Dieses besondere Merkmal tritt nur beim Chihuahua auf. Miss Goodchild, eine der ersten Chihuahua-Züchterinnen Großbritanniens, stellte Ende der 1960er Jahre einen aufsehenerregenden Bericht mehrjähriger Forschungsarbeiten vor. Demnach sollen im 7. Jahrhundert vor Christus Hunde dieser Rasse von Ägypten ins nahe Malta übergesiedelt sein. Dahin gehend existiert eine auf 55 v.Chr. datierte eine Tontafel mit der eindeutigen Darstellung kurzhaariger Zwerghunde an der Leine, die runde Köpfe, Stupsnasen und die typischen Fledermausohren aufweisen. Die Inschrift der Tafel lautet „Ein Mann mit zwei Malteser-Hunden„. Die regionale Rasse lebt bis heute noch auf Malta. Um 1570 wurden bereits erste Chihuahua Hunde nach Großbritannien gebracht, doch aufgrund des feuchtkalten Wetters gingen alle Tiere ein. In den 1960er Jahren wurden erneut diese Doppelgänger aus Malta nach Großbritannien gebracht und auch anstandslos vom Kennel Club als Chihuahua akzeptiert. Eine weitere interessante Begebenheit ist das Abbild eines Chihuahuas auf einem Fresko in der Sixtinischen Kapelle. Botticelli schuf sein Werk 1482, das ist zehn Jahre früher als die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus! Eines haben alle historischen Abbildungen gemeinsam, sie zeigen ausnahmslos den Kurzhaar-Schlag. Das heißt, die langhaarige Art ist erst in jüngster Vergangenheit durch Einkreuzen anderer Rassen entstanden.

Die kleinste Hunderasse der Welt

Ab 1850 begannen amerikanische Reisende, von den Einheimischen aus Mexiko kleine Hunde als Souvenir mitzunehmen. Erstmals wurde 1904 ein Chihuahua registriert, die Eröffnung eines Zuchtbuches mit entsprechendem Rassestandard wurde für den damals schon sehr populären Hund 1923 eröffnet. Um die Jahrhundertwende begann die weltweite Verbreitung der Mini-Hunde von den USA aus nach Großbritannien und Europa. In Deutschland erfolgte die erste Registrierung 1956. Eine bedenkliche Tendenz zu immer kleiner gezüchteten Chihuahuas ist in den letzten Jahren zu sehen. Bezeichnungen wie Mini-Chihuahua oder Teacup-Chihuahua versprechen wahre Winzlinge von Hunden. Das Zulassungsgewicht, vom Dachverband der Deutschen Hundezüchter FCI festgelegt, beträgt 500g. Dubiose Angebote klein bleibender Welpen überschwemmen momentan das Internet, obwohl niemand voraussagen kann, welches Endgewicht mit 18 Monaten erreicht wird. Dem Kaufinteressenten wird oftmals ein höheres Alter des Welpen gesagt, um ihn „kleiner“ zu machen und dazu noch eine Gewichtstabelle präsentiert, die allerdings wenig Aussagekraft hat, wenn gemogelt wird. Wichtiges Indiz sind die Ohren, die sich erst zwischen der 6. und 8. Lebenswoche aufstellen. Teacup-Chihuahuas sind wohl die Allerkleinsten, die von extrem leichten Hündinnen unter 1,5 kg Gewicht oder noch weniger geboren werden. Allerdings ist die Vererbung nicht so einfach, dass kleine Eltern auch kleinen Nachwuchs produzieren. Das Leben der Muttertiere wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Daneben benutzen unseriöse Züchter auf die Frage nach Papieren oftmals Ausreden, was letztendlich oft bedeutet, dass die Hündinnen aufgrund des kleinen Gewichts vom Veterinär oder vom Verein gar nicht zur Zucht zugelassen wurden und das tatsächliche Geburtsdatum des Welpen oder genetisch bedingte Erkrankungen, wie beispielsweise ein Wasserkopf, vertuscht werden. Seriöse Verkäufer stellen für das Tier einen Kaufvertrag oder zumindest eine Quittung aus.

Körperbau und Haarkleid

Abgesehen von seinem Format ist das hervorstechende Merkmal des Chihuahuas die Form seines Kopfes. Er ist so rund und so groß wie ein kleiner Apfel, mit ausgeprägtem Stop und weit auseinanderliegende runde Augen, die je nach Fellfarbe rubinrot, braun, blau oder fast schwarz sein können. Große, spitz zulaufende Ohren stehen in der Ruhe im 45-Grad-Winkel, bei Aufmerksamkeit kerzengerade hoch. Der leicht spitz zulaufende Nasenrücken geht in einen kurzen Fang mit einem kompletten Scherengebiss über. Der Körper ist länger als hoch mit absolut geradem Rücken, wobei es beim Chihuahua zwei Grundtypen gibt: den zierlichen, hochläufigen „Deer-Typ“ und den kräftigen, gedrungenen „Cobby-Typ„. Bei beiden Arten stehen die Vorderläufe parallel und gerade, die gut ausgeprägte Hinterhand ist muskulös. Die mittellange Rute wird säbelartig gebogen über dem Rücken getragen. Das Fell weist zwei Varietäten auf: dicht, glänzend und kurzhaarig oder lang, glatt und seidig. Beim Langhaar-Schlag sind die Rückseiten der Beine, die Ohren und die Rute fransig befedert, Brust und Hals ziert ein üppiger Kragen. Alle Fellfarben sowie gestromte und gescheckte Mischungen sind erlaubt. Als Ausnahme verbietet das Tierschutzgesetz die Verpaarung zweier Merleträger, die zu blinden, tauben und missgebildeten Welpen führt.

Der Charakter des Chihuahua

Der Chihuahua ist ein vollwertiger Hund, der gerne läuft, Sport betreibt oder ins Wasser geht. Das Herumtragen in Taschen sollte sich auf Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln beschränken, auch das ganzjährige Anziehen von Pullovern oder Kleidchen ist unnötig. Bei ausreichender Bewegung friert der Chihuahua nicht, außerdem möchte er wie jeder andere Hund am Wegesrand die „Hundezeitung lesen“ und soziale Kontakte mit Artgenossen pflegen. Für die Wohnungshaltung ist er gut geeignet, der Umgang mit kleinen Kindern ist allerdings kritisch, da diese den kleinen Hund als Spielzeug sehen und ihn zu grob anfassen könnten. Anders herum könnte ein bedrängter Chihuahua blitzschnell zuschnappen. Sein Charakter ist sonnig, lebhaft und bei gegebenem Anlass temperamentvoll – dieser Hund fühlt sich zu einer Person besonders hingezogen, er verlangt ungeteilte Zuneigung. Die Vergesellschaftung mit anderen Tieren im Haushalt, auch Katzen, geht bei früher Gewöhnung problemlos vor sich. Als sehr aufmerksamer Wachhund meldet er jeden Besuch durch aufgeregtes Bellen an, mitgebrachte andere Vierbeiner können fast hysterische Eifersuchtsattacken auslösen. Auch beim Gassigehen zeigt der Chihuahua vor großen Hunden keinen Respekt, sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein macht daher eine frühzeitige, strenge Erziehung nötig. Das Alleinsein verträgt er nicht gut, das sollten berufstätige Halter zum Wohle des Tieres schon vor der Anschaffung berücksichtigen.

Die Gesundheit

Der Chihuahua benötigt sehr wenig, aber hochwertiges Futter zur nachhaltigen Unterstützung des Körpers und des fragilen Knochenbaus. Allerdings kann er ein mäkeliger Fresser sein, der am liebsten weiche Nahrung zu sich nimmt. Das kann auf Dauer zu Zahnstein führen. Auch die Zahnstellung sollte schon beim Welpen ebenfalls kontrolliert werden, da ein zu kleiner Kiefer Fehlstellungen oder das Heranwachsen der bleibenden Zähne in einer zweiten Zahnreihe begünstigt. Ferner wird die Patellaluxation beobachtet, eine Verschiebung der Kniescheibe. Bei Aufregung geben viele Chihuahuas grunzende, röchelnde Geräusche von sich, die von zu engen Atemwegen herrühren können. Legt man eine Hand auf seinen Kopf, beruhigt er sich schnell wieder. Besondere Aufmerksamkeit sollte den großen Augen zuteil kommen, da sie bei Zugluft und trockener Raumluft von Heizung oder Klimaanlagen zum Tränen neigen (für ausreichende Luftbefeuchtung sorgen). Tägliche Reinigung der Augenumgebung mit lauwarmem Wasser beseitigt hart gewordenes Sekret.

 

Der Chihuahua im Überblick
    • Herkunft: Mexiko
    • FCI Rasse-Standard-Nr.218, Gruppe 9, Sektion 6: Gesellschafts- und Begleithunde
    • Größe: klein
    • Widerristhöhe: 16 – 20 cm
    • Gewicht: 0,5 – 3 kg
    • Fellfarbe: Alle Farben sowie gestromt und gescheckt sind erlaubt
    • Augenfarben: Dunkelbraun, haselnussbraun, blau, rubinrot
    • Einsatz: Begleithund
    • Charakter: temperamentvoll, wachsam, mutig, besitzergreifen
    • Gesundheitsrisiken: empfindliche Augen, Patellaluxation, Zähne
    • Lebenserwartung: ca. 12 – 16 Jahre

 

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