Warum lecken Hunde alles ab?

Warum lecken Hunde alles abEs ist nicht wirklich ein Rätsel: Mit dem Abschlecken zeigen Hunde ihren Menschen innige Zuneigung. „Du bist die Sonne und der Mond,“ lässt ihre seidig Zunge Herrchen oder Frauchen wissen. „Und außerdem – du schmeckst auch sehr gut! “

Erweiterte Wahrnehmung durch Belecken

Genau so wie das Bellen ist auch das Lecken ein Werkzeug, das viele Rollen in Hundeverhalten spielt und folglich verschiedene Interpretationen erlaubt.

Hier ist eine kleine Aufzählung, die wir als Homo sapiens zusammengestellt haben, um diese uns kulturell fremde Art der tierischen Kommunikation zu verstehen:

● Lecken ist ein natürlicher Instinkt der Caniden. Wenn eine Mutter ihre Welpen leckt und die Neugeborenen sich im Laufe der Pflege und anderen sozialen Interaktionen gegenseitig ablecken, beobachten wir die wichtigste Angewohnheit der Tierart „Hund“.

In der Tat dient dieses Verhalten als ein Startsignal für alle weiteren Befindlichkeiten, die ein Hund seinen Mitgeschöpfen anzeigen kann („Mama leckte mich, jetzt lecke ich dich …“).

● Lecken kann eine Rolle bei der Einholung von Ressourcen spielen, wenn die Welpen beginnen, ihre Mutter als Vorstufe zu einer Fütterung abzulecken. Auch in späteren Lebensabschnitten lecken untergeordnete Rudelmitglieder den höher stehenden Geschwistern den Mund, in der Hoffnung, eine Erlaubnis zum gemeinsamen Verspeisen der Beute zu erhalten.

● Es ist nur eins von den Sinneswerkzeugen, bemerken Wissenschaftler lapidar. Lecken und Schmecken ist wie die Hand auszustrecken, um etwas zu berühren – Hunde entdecken und lernen ihre Umwelt zusätzlich mithilfe des Schleckerns kennen – kleine Kinder stecken ja auch alles in den Mund.

● Lecken kann eine Art Spiel sein. Viele Besitzer berichten von ihren Hunden, bei spielerischen Kämpfen wird übermäßiges Leckverhalten als Ersatzhandlung für ernsthaftes Zubeißen mit den Zähnen eingesetzt.

● In vielen Fällen ist Lecken ein erlerntes Verhalten. Hunde setzten es bewusst ein, um von ihren Besitzern mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie gewöhnen sich an, das Lecken bei jeder Gelegenheit in den Tagesablauf zu integrieren.

Wo beginnt das Übermaß?

Die Neigung zu andauerndem Lecken ist dem Hund selbst nicht bewusst, sondern liegt eher in der Sichtweise des menschlichen Betrachters. Alle unerwünschten Aufforderungen nach Aufmerksamkeit – seien es auch nur ein paar höfliche Zungenschlecker – können bereits als übertrieben angesehen werden. In diesen Fällen hat wohl eher der Mensch ein Problem und nicht das Tier. Doch das Lecken liegt einfach in der Natur der Hunde.

Ursachensuche und Therapie

Natürlich gibt es Situationen, in denen das Lecken als abnormal eingestuft wird. So gibt es Hunde, die unter bestimmte Arten von Zwangsverhalten leiden und diese in exzessivem Lecken manifestieren. Typischerweise wenden sich durch diese Verhaltensstörungen betroffene Hunde einem Objekt (Spielzeug, Liegedecke) zu – doch häufiger belecken sie sich selbst und produzieren die gefürchteten Hotspots (blutig geleckte Stellen). Vielleicht hat der Hund durch das Lecken auch nur versucht, ein Steinchen oder einen eingetretenen Dorn zwischen den Ballen zu entfernen oder Hautparasiten haben ihn gequält. Zwangshandlungen, wie übermäßiges Lecken, können ebenso gut tödlicher Langeweile entspringen.
Daher sollte sich der Halter selbst eine ehrliche Antwort geben, ob er sich ausreichend mit dem Hund beschäftigt und wie lange das Tier allein zu Hause ist.

Körper und Geist im Einklang

Alle Hundebesitzer, die ein so ein auffälliges Verhalten beobachten, sollten einen Tierarzt oder Tierpsychologen um Hilfe bitten. Viele mental angeschlagenen Patienten können erfolgreich behandelt werden, sodass ihr Lebensinhalt mehr einschließt als das, was sie möglicherweise am Ende ihrer Zunge finden. Daneben bieten spezialisierte Hundeschulen Kurse an, die einen klaren Beziehungsaufbau und Lösungswege bei Problemen zwischen Mensch und Tier vermitteln.

 

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