Wenn Hunde beißen

Wenn Hunde beißenWenn Hunde aufgeregt, sauer oder verärgert sind, rufen sie nicht ihren Anwalt an, sondern beißen. Die Hälfte aller Hunde haben in ihrem Leben mindestens eine aggressive Begegnung und für uns alle ist ein Hundebiss das Schreckgespenst schlechthin.

Den richtigen Umgang mit fremden Hunden lernen

Die Statistiken zu Hundebissen sind alarmierend. Hundehalter und Trainer müssen mehr dazu beitragen, Beißvorfälle mit fremden oder eigenen Tieren zu vermeiden und lernen, richtig zu reagieren, bevor es zu Verletzungen kommt.

Die Teilnahme an Workshops ist empfehlenswert für potenziell gefährdete Personen wie Postzusteller, Lieferanten, Ableser oder Tierschützer. Um das Entgleisen der Situation zu verdeutlichen, spielen die Kursleiter den Teilnehmern typische Abläufe vor: Ein freundlicher, gut gelaunter Vierbeiner wird mit den Testpersonen bekannt gemacht und sie freunden sich an. Dann ändert die Testperson ihr Benehmen. Sich ducken, hektische Bewegungen, versuchen, den Hund am Kopf anzufassen und eine ängstliche Körperhaltung machen aus einem gutmütigen Tier einen rasenden Verrückten.
Diese nachgestellten Verhaltensweisen sieht man oft bei etwas größeren Kindern, die sich so fremden Tieren annähern. Die Kleinen benehmen sich wirklich so, als wenn sie es darauf anlegen, gebissen zu werden. Und dann ist es kein Wunder, wenn es tatsächlich passiert. So ist Lektion Nummer eins: Erwachsene, nicht nur Hundehalter, sollten dem Nachwuchs beibringen, wie man es richtig macht (und selbst geht man mit gutem Beispiel voran).


Kinder mit Hunden bekannt machen

Zunächst einmal sollten die Kleinen lernen, sich fremden Hunden überhaupt nicht zu nähern. Basta. Wenn das Tier auch den Eltern unbekannt ist, kann alles passieren.
Wenn der Besitzer dabei ist, und sagt, es ist ok, dann soll das Kind immer noch stehen bleiben und dem Hund erlaubt man, sich zu nähern. Jahrelange Erfahrungen von Hundetrainern haben gezeigt, dass man abwarten soll, bis der Vierbeiner als Erster aktiv wird und auf den Menschen zukommt. Das ist übrigens auch eine gute Methode, höfliche Leute zu erkennen! Wenn das Tier dann kommt und keine Scheu zeigt, darf das Kind in ruhiger Bewegung seine Faust vorstrecken, damit der Hund daran schnüffeln kann. Manche Vierbeiner haben Angst vor ausgestreckten, sich bewegenden Fingern. Der Nachwuchs sollte ausdrücklich angewiesen werden, fremden Hunden nicht oben auf den Kopf zu klopfen und mit dem Gesicht nicht zu nahe herangehen, etwa, um ein Küsschen zu geben. Die meisten Haustiere hassen das sowieso und verstehen es meist als Angriffs-Signal. Vorwitzige Rangen strecken gern ihre Arme aus und ziehen sie dann wieder zurück, als der Hund gerade die Hand inspizieren wollte. Dies ist der schnellste Weg, einen Hundebiss zu provozieren. Besser bringt man Sohn oder Tochter bei, nur unter Aufsicht eines Erwachsenen den Hund vorsichtig unter dem Kinn zu streicheln.

Die erste Begegnung

Die beste Vorgehensweise beim Kennenlernen von Hunden ist die Annäherung in halb abgewandter Position, denn eine seitliche Haltung erscheint dem körperlich viel kleineren Individuum weniger bedrohlich. Wichtig ist, direkten Blickkontakt zu vermeiden. Man kann den Kopf abwenden oder auf den Boden schauen und so tun, als wenn man komplett desinteressiert ist. Dies ist in der Hundekommunikation ein Beschwichtigungs-Signal. Es vermittelt ein Bild von einem Wesen, das nicht versucht, ihn zu jagen, zu packen oder zu verletzten. Wenn die Menschen Ruhe ausstrahlen, werden die Tiere ebenso entspannt reagieren. Andere beruhigende Signale sind die Annäherung zu Fuß in einem Bogen ( auf diese Art begrüßen sich freundliche Hunde einander), sitzende oder hockende Haltung, die Lippen lecken oder schmatzen, gähnen und schnüffeln (wir Menschen beschnüffeln normalerweise keine Dinge, so kann man ersatzweise einen Grashalm oder einen Kugelschreiber in die Hand nehmen und den untersuchen). Grundsätzlich wird der Hund fast vollständig ignoriert. Er versteht es non-verbal und die ganze Sache bleibt für ihn überschaubar.

Eine lehrreiche Begebenheit

Wie vorher beschrieben, wird die Begegnung mit friedlichen Hunden gut verlaufen. Doch was ist zu tun, wenn man plötzlich mit einem Exemplar konfrontiert wird, das sein Revier beschützen will oder aus einem anderen Grund sein Gegenüber einschüchtert oder sogar Anstalten macht, offensiv anzugreifen? Der erste menschliche Instinkt ist das Wegrennen. Aber gerade das ist das denkbar schlechteste Auftreten, was man zeigen sollte. Wenn es einen sicheren Ratschlag gibt, ist es der, niemals vor Hunden wegzulaufen.
Es kommt zu Hundebissen, weil die Wächter von Haus und Hof ihren Job ernst nehmen. Sie wollen nicht, dass eine Person in ihre Nähe kommt oder weil sie erzogen wurden, den heimischen Bereich zu beschützen. Hundebisse können ebenso aus Furcht oder Erschrecken passieren. Der vorwiegende Grund dafür ist: Der Hund will eine sichere Distanzzone zwischen sich und der Person aufrechterhalten. Falls ein ängstlicher Vierbeiner sich nicht durch Flucht ausreichend entfernen kann, wird er versuchen, die Person aggressiv anzugehen und so für angemessenen Abstand zu sorgen. Die nachfolgende Reaktion entscheidet dann, ob man gebissen wird oder nicht. Ein Workshop-Teilnehmer erzählte von einem Vorfall, der sich viele Jahre früher ereignete, als ein Mann vorbei kam, der von Tür zu Tür Äpfel verkaufte. „Als der Händler beim Weggehen die Apfelkiste auf seine Schulter schwang, ging mein Dobermann in ernsthaften Alarm-Modus. Er entschied, dass der Kerl böse Absichten hätte. Mein braves Haustier ist, wie die meisten Dobis, eigentlich nur ein großer Kuschelschoßhund,“ sagte ich dem Verkäufer. „Ach, stampfen Sie nur kräftig mit Ihrem Fuß auf, dann wird er schon weggehen.“ – Falscher Ratschlag! „Unser Haushund drehte fast durch und wir hatten großes Glück, dass er nicht zugebissen hat! So etwas hatten wir noch nie erlebt, dass er sich so benimmt – da fühlt man sich als Hundehalter ziemlich unbehaglich“, resümierte der Kursteilnehmer.

Fazit: Man sollte nie versuchen, Einschüchterung zu verwenden, um einen gereizten Hund zu verjagen, wenn man nicht sicher weiß, dass dieser gewöhnlich ängstlich ist. Ein unsicherer Vierbeiner respektiert und hält sich fern von „stärkeren Wesen“, während er allerdings sofort versucht, jemanden, der wegläuft, zu beißen. Erste Wahl der Verteidigung wäre es, die beruhigenden Signale anzuwenden, während man sich langsam seitwärts zurückzieht.

In akuter Gefahr

Wenn es wirklich brenzlig wird, sollte man wissen, dass das Muskelgewebe auf den Außenseiten unseres Körpers (Hüfte, äußere Oberschenkel, Waden und die Oberseiten der Arme) härter ist als die Innenseiten dieser Körperteile. Wenn man dort gebissen wird, fallen die Verletzungen geringer aus. Ein Arzt sollte die Wunde schnellstens versorgen und sicherstellen, dass bei den Verletzungen keine Krankheit übertragen wurde. Tollwut ist zwar in Mitteleuropa so gut wie ausgestorben, doch falls der Hundebiss von einem Streuner stammte, muss man auf Nummer sicher gehen.
Was kann man tun, wenn man als Erwachsener mit einer Attacke eines unfreundlichen Tieres rechnen muss, und all die anderen Sachen nicht funktioniert haben? Die Nerven behalten und sich kerzengerade (und seitlich) vor dem Hund aufbauen und dann aus tiefster Brust, so laut es geht, einen gewaltigen Urschrei loslassen: „NEEEIIIN!!!“ , gerade dann, wenn der Abstand sich bereits auf Schlagdistanz verkürzt hat. Dies trifft den Vierbeiner unvorbereitet, da er wohl, wie die meisten auffälligen Hunde, vorher mit diesem Wort (leider) nicht ermahnt wurde. Sehr effektiv wirkt auch ein automatischer Taschenschirm, den man genau vor dem Gesicht des Angreifers aufschnappen lässt. Wenn es doch zu einem Hundebiss oder einem anderen Schaden, wie zerissener Kleidung kam, ist es in jeden Fall vorteilhaft, Zeugen zu finden, die bei der Polizei zu dem Vorfall eine Aussage machen. Der behandelnde Arzt verfasst ebenfalls ein Protokoll über die erlittenen Verletzungen, wonach der Anspruch auf eventuellen Schadensersatz und Schmerzensgeld berechnet wird.

Wo passieren wohl die meisten Hundebisse?

Richtig, in unseren Häusern. Rocky beißt den kleinen Sohn aus Angst um sein Leben (denn der Filius hat ihn heimlich andauernd tracktiert). Oder Fifi beißt jeden, der zu dicht an seinen Futternapf kommt (weil es ihm erlaubt wurde, Ressourcen zu schützen). Diese alltäglichen Beispiele kann man als eine Art von Umweltproblemen bezeichnen. Sie können mit ein wenig Mühe alle ausgebügelt werden, denn der Hund ist nicht wirklich bösartig – er ist nur nicht ordnungsgemäß erzogen und / oder sein Umfeld ist unfähig. Es ist bedauerlich, dass 80% der sogenannten Familienhunde aufgrund von Verhaltensproblemen schnurstracks ins Tierheim abgeschoben werden. Danach schaffen sich die gleichen Menschen sofort einen neuen Welpen an und lehren auch diesen, der Chef zu sein. Und sie werden dann noch einmal durch die gleiche Sache gehen. Wenn diese Leute mehr über Hundeverhalten wüssten, produzierten sie wohl nicht diese kleinen „Monster“. Und, wenn sie bereit wären, sich eine gute Hundeschule zu suchen, könnten alle Probleme mit professioneller Hilfe grundlegend aufgearbeitet werden.

Um Hundebisse im Hause zu vermeiden, können Hundehalter folgendes tun

Stichwort Sozialisierung
Man kann es gar nicht genug betonen. Vor dem Alter von 16 Wochen sollen Welpen all den Dingen begegnen, die sie in ihrem erwachsenen Leben täglich sehen werden. Wenn ein Jungtier das nicht erfährt, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach später Angst vor diesen Dingen haben. Man stellt ihm Erwachsene, Kinder, alte Menschen, Jugendliche mit blauen Haaren, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Bärten, Hüten, Glatzen, abnormalen Gangarten, Krücken, Stöcken und komischen Angewohnheiten vor. Weiter geht es mit dem Kennenlernen von Autos, Fahrrädern, Tierärzten, lauten Geräuschen, anderen Tieren, Babys, Treppen, Wasser, Staubsauger, Männer in Gorillakostümen und anderen seltsamen Dingen. Wenn der Welpe keine Angst vor dem Treiben in seiner Umwelt hat, wird er später nicht versuchen, in alltäglichen Situationen plötzlich anzugreifen oder sich zu verteidigen. Ein gut integrierter Hund ist nicht schwierig. Hundehalter haben allerdings nur ein 8-Wochen-Fenster zur Verfügung, um ihren Hausgenossen so zu prägen, dass er nicht willkürlich beißen wird.

Den Kindern beibringen, andere Lebewesen zu respektieren
Eltern zeigen ihrem Nachwuchs, wie man das Haustier richtig berührt und den Hund behandelt. Kleinen Kindern sollte nicht erlaubt werden, Welpen zu tragen. Sie wollen das tun, weil sie es bei den Großen sehen, aber sie wissen noch nicht die Handhabung, und es fehlt ihnen an Geschick, den kleinen Körper nicht fallen zu lassen. Dies verschreckt den tierischen Freund und begleitet ihn während des Heranwachsens als eine schlechte Erfahrung. Er wird denken „Wenn ich meine richtigen Zähne habe, Kevin, gehört deine Wade mir!“ Wenn Kevin weiterhin den Familienhund auf diese Weise missbrauchen darf, ist das absolut keine gute Idee! Er soll verstehen, das sein Umgang auf diese Weise sehr unangenehm für den Junghund ist und er darf auch nicht versuchen, das Haustier zu verletzen, der ja auch ein lebendes, atmendes, liebevolles Lebewesen ist. Statistiken belegen einen direkten Zusammenhang zwischen Kindern, die Tiere quälen und den gleichen Kindern im Erwachsenenalter, die andere Menschen missbrauchen oder töten. Erziehung bedeutet Verantwortung und liegt allein in elterlicher Hand.

Kinder und Hunde niemals alleine lassen
Ganz gleich, ob Eltern glauben, dass ihr Nachwuchs gut erzogen sei: Wenn kein Erwachsener in der Nähe ist, wird er alle die Dinge tun, die ihm sonst verboten wurden. „Dann wollen wir mal sehen, was wirklich passiert, wenn ich dem Rocky an den Ohren ziehe oder ihm mit dem Buntstift ins Auge steche“. Die jüngsten Kinder stehen in der Regel hinter ihren größeren Geschwistern auf dem untersten Rang in der Familienhierarchie. Erlangen die Kleinen die Kontrolle über das Haustier, haben sie das Gefühl, weniger machtlos zu sein. Eltern können oft nicht erkennen, dass gerade ihr Nesthäkchen das Haustier drangsaliert, bis es eines Tages mit blutender Nase angelaufen kommt und weint „Rocky hat gebissen“. An dieser Stelle bekommt jemand arge Schwierigkeiten, und das ist in den meisten Fällen der Hund! Er kann sich nicht verteidigen und er hatte keine Zeugen. Darum wird jetzt sofort die zusammengerollte Zeitung geholt und sich selbst ein paar Mal auf den Kopf geschlagen: „Schlechte Mutter! Schlechter Vater! Schlechter Hundebesitzer!“

Eine Rückzugsmöglichkeit für den Hund schaffen
Praktisch sind Babyabsperrungen oder Ähnliches, die der Hund überwinden kann, das Kind aber nicht. Wenn der Vierbeiner seine Ruhe vor dem Krabbelkind möchte, wird er sich an seinen sicheren Ort retten und alles wird gut. Wenn er allerdings nicht in der Lage ist, sich von dem Ding, was ihm zusetzt, ausreichend zu entfernen, wird er versuchen, diesen Störenfried von sich wegbekommen. Dies beinhaltet alle angemessenen sozialen Signale der Hundekommunikation, um REALE Aggression zu vermeiden: die Lippe heben, knurren, schnappen oder leicht zwicken bedeutet, dass der Hund in Ruhe gelassen werden möchte. Allerdings sind Menschenkinder anders als Welpen und sie verstehen die Sprache des Tieres auch nicht. Darum ist es wichtig, dem Haustier einen Platz zu gehen, wohin ihm das Kind absolut nicht folgen kann.

Vorsicht vor angebundenen Hunden
Kettenhunde sind frustrierte Hunde. Weil sie den ganzen Tag lang diese Barriere ertragen müssen, werden sie oft hyper-gereizt. Ein ahnungsloses Kind, das in den Kettenradius hereingeht, kann von dem meist großen Tier leicht umgestoßen oder sogar angefallen werden. Falls in der Nachbarschaft ein angebundener Wachhund lebt, sollte man die Kinder nicht in deren Nähe gehen lassen. Hier ist ein Hundebiss und ein Besuch beim Anwalt vorprogrammiert. Erlittene Verletzungen ziehen finanzielle Forderungen für Schmerzensgeld und Schadensersatz nach sich, ganz abgesehen von dem seelischen Schaden des Opfers, das vielleicht lange Zeit Medikamente nehmen muss und lebenslang durch Narben entstellt ist.

Keine „Idioten-Spielchen“ auf Kosten des Hundes
Einige Leute denken, es ist niedlich, Hunde zu reizen, indem man vor ihrer Nase zum Schein ein anderes Familienmitglied verprügelt oder mit dem arglosen Geschöpf „Ohrfeigen-Klatschen“ spielt. Diese geistlosen Arten, unschuldige Tiere zu quälen, sind nicht produktiv. So werden zwangsläufig Hunde, egal welcher Rasse sie angehören, zu unberechenbaren Sicherheitsrisiken gemacht oder ihnen wird beigebracht, nach Händen zu schnappen. Jugendliche sind in der Regel die Schuldigen in diesem Szenario. Sie sind Kinder in erwachsenen Körpern, und das macht die Teenager-Jahre vor allem für die betroffenen jungen Leute schwierig. Sie fühlen sich alle „erwachsen“, und doch sind sie gezwungen, noch weiterhin im heimischen „Nest“ zu leben und von anderen Erwachsenen die ganze Zeit herumkommandiert zu werden. Manchmal ist unter ihnen in der Rangordnung einzig der Familienhund. Das ist ein erschreckender Gedanke. Von Anfang an sollten daher die Erziehungsberechtigten (und auch Kindergärtner, Tagesmütter und Lehrer) den Nachwuchs ermutigen, sich selbst einmal an die Stelle des Hundes zu versetzen. Wurde das Haustier mit der Liebe, die es verdient, behandelt, gibt es wohl später keine Probleme, wenn das Kind erwachsen wird.

Home-Obedience für Hund und Familie
Ein Obedience-Kurs für zu Hause wird dazu beitragen, den Menschen in seiner Führungsrolle zu etablieren und und dem Hund einen Job zu erledigen geben. Wenn der Vierbeiner weiß, wie man ein paar einfache Kommandos auf ein Stichwort durchführt, kann man ihn beispielsweise „geh auf dein Kissen“ oder „Platz“ machen lassen, wenn Besuch eintrifft. So werden überdrehtes Bellen und wildes Hochspringen ausbleiben, denn der Vierbeiner kann sich nicht hinlegen und zugleich dem Briefträger gefährlich werden. Mit diesem Ablenkungsmanöver wurden produktive Verhaltensweisen eingesetzt, um unproduktiven Verhaltensweisen zu begegnen. In so einem Seminar werden grundlegende Regeln des Zusammenlebens gelehrt und auch gezeigt, wie ein blitzschneller Hundebiss vermieden wird. Der Vierbeiner lernt nachhaltig, dass solche Aktionen jenseits seiner Grenzen liegen.

Futterneid abbauen
Beginnt ein Hund damit, sein Futter zu bewachen, wird es höchste Zeit, professionelle Hilfe zu suchen. Hundebesitzer dürfen diese Angewohnheiten nicht weiterhin zulassen, da sie oft in völlig überraschenden Hundebissen eskalieren. Futterneid bedeutet, dass der Hund zu knurren beginnt, wenn jemand zu nahe an seinem Futternapf vorbeigeht oder wenn man ihm vorsichtig den Knochen wegnehmen möchte, den er mitten auf dem Wohnzimmerteppich verspeisen möchte. Unter das Stichwort „Futterneid“ fällt sogar sein Frauchen, das er beschützen will, damit andere Personen auf Distanz bleiben sollen. In der Hundeschule werden spezielle Trainingsprogramme angeboten, dass den Vierbeiner gegenüber den „Auslösern“ seiner Eifersucht auf eine höhere Reizschwelle bringt, als es sein momentanes Verhalten zulässt.

Früh an Körperkontakt gewöhnen
Hunde benötigen eine Menge Pflege und Fürsorge während ihrer gesamten Lebensdauer, die allesamt mit berühren, streicheln, hochheben oder stillhalten zu tun haben. Wenn es der Hund nicht zulässt, ihn in gewisser Weise oder an bestimmten Stellen zu berühren, muss dieses Problem angegangen werden. Er kann als Vorwarnung vorerst knurren, aber irgendwann einmal ist es an der Zeit, seine Nägel zu schneiden, ihm Medikamente zu geben oder ihn anderweitig festzuhalten – wenn es ihm zuviel wird, beißt der Hund zu. Daher sollten Hundebesitzer, direkt wenn sie den Welpen bekommen, ihr Haustier an Berührungen gewöhnen. Dadurch lernt der Hund, dass dieser Kontakt nicht bedrohlich und nicht schädlich ist. Er wird es vertrauensvoll akzeptieren. Erste Eindrücke sind wichtig, und sie sollten angenehm sein. Bevor man beispielsweise tatsächlich Nägel des Hundes kürzen möchte, nimmt man die Pfoten in die Hand, massiert die Ballen und hält zur Übung die Nagelschere an die Krallen. Genau so geht es mit der Fellpflege, wobei der Hund nach ausgiebigem Beschnüffeln der Pflegeutensilien am ganzen Körper gekämmt und gebürstet wird. Hält der Hund bei der Behandlung still, fällt auch für ihn das Risiko, Verletzungen durch Messer und Scheren davonzutragen, gering aus.
Unterwegs
Bei der Gassirunde auf beliebten Spazierwegen sollte man den Hund an der Leine lassen, so wie es die Hundegesetze vorsehen. Während der gut erzogene eigene Hund normalerweise auch ohne Leine in der Nachbarschaft frei laufen darf, kann man nie wissen, wie andere Tiere sich verhalten, die nähern. Auf der sicheren Seite bei einem Hundebiss des eigenen Tieres ist man mit dem Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung, die üblicherweise die Zahlung von Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz übernimmt. Der Hundebiss eines Artgenossen kann möglicherweise außer Tollwut noch so manche andere Krankheit übertragen, die sich über eine infizierte Wunde im Organismus ausbreiten. Empfehlenswert ist daher eine zusätzliche Hunde-Op-Versicherung. Inzwischen gibt es so viele Vorfälle, dass betroffene Menschen einen speziellen Anwalt für Tierrecht aufsuchen können, der den Anspruch auf Schmerzensgeld, Schadensersatz oder kosmetische Behandlung zurückgebliebener Narben durchsetzt .

Wenn der Besitzer seinen Hund auf eine neue Situation einstellt, sollte dies langsam geschehen und Anzeichen von Unbehagen und Angst nicht zu erkennen sein. Wenn eine bestimmte Situation in dem Hund Angst auslöst, versucht man diese möglichst ganz zu vermeiden.
Es ist hilfreich, die Körpersprache, Persönlichkeit und Verhalten des Hundes zu kennen. So kann man Anzeichen von Unwohlsein und Aggression im Auge behalten und die Entwicklung neuer Angewohnheiten beobachten. Ein gut ausgebildeter Hund wird auch in einer gefährlichen Situation seinem Besitzer vertrauen und dessen Kommandos folgen.

Signale vor einem möglichen Hundebiss

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