Deutscher Boxer

„DeutscherDer Deutsche Boxer gehört zu den vielseitigsten Hunderassen überhaupt. Er besticht einerseits als überaus freundlicher Familienhund, andererseits weist er hervorragende Qualitäten als Behördenhund, als Wachhund oder beim Hundesport auf. Sanftmut und Dynamik verschmelzen in einer imposanten Rasse mit majestätischer Erscheinung.

Die Herkunft der Boxer

Im Mittelalter hielten Adelige in ganz Europa Hundemeuten zur Jagd auf wehrsames Wild an ihren Höfen. Molossoide Rassen mit den typischen Gesichtszügen – zurückliegenden Nasen und dominanten Unterkiefern – sind die Ahnen der späteren Boxer. Bulldoggen, Mastiffs, Bordeauxdoggen und ähnliche Schläge wurden vor dem Einsatz bei der Jagd als Kriegshunde eingesetzt und bis zum gesetzlichen Verbot leider auch für grausame Hundekämpfe missbraucht.
Schon seit jeher fokussierten die Jäger ihre Zuchtauslese auf ein möglichst breites Maul mit ebenso breitem Zahnstand, denn die Aufgabe der Molosser war es, das von den Hetzhunden aufgestöberte Wild bis zum Eintreffen des Jägers festzuhalten.Mit dem Aufkommen von Schusswaffen änderte sich die Jagdtechnik jedoch grundlegend und die treuen Arbeitshunde wurden überflüssig: Diese Rassen fanden fortan als unbestechliche Wachhunde ihre neuen Aufgaben.


Die Reinzucht beginnt in München

In Deutschland erwachte zum Ende des 19. Jahrhunderts erneut das Interesse an den eleganten, athletischen Molossern. Zwei Züchter schwärmten von ihren Tieren: „Bullenbeißer sind starke, imposante Hunde und unter den Doggen die intelligentesten„. Ab 1894 begannen die deutschen Pioniere R. Höppner, E. König und Friedrich Robert durch Einkreuzen Englischer und Deutscher Doggen mit dem Verfeinern der Bullenbeißer. Zur gleichen Zeit erfuhr auch ein Dr. Tönnissen in München von diesen Hunden. Er kreuzte seinen weißen English Bulldog-Rüden Tom mit einer kleineren, gescheckten Brabanter Bullenbeißer-Hündin. Der Wurf brachte außergewöhnliche Welpen von seltener Qualität hervor, so auch die Hündinnen Blanka vom Angertor und ihre Tochter Meta von der Passage, den direkten Vorläufern der späteren Rasse Deutscher Boxer. Fast alle Stammbäume gehen auf die Nachkommen von Meta v.d. Passage mit den Rüden Flock St. Salvador und Wotan zurück. Die Reinzucht beginnt im 1895 mit der Gründung Boxer-Klub e.V. in München, wo 1904 der erste Standard festgelegt und von der FCI übernommen wurde. Den wohl wichtigsten Einfluss verdankt die Entwicklung der Rasse den Zuchtbemühungen der Bildhauerin Friederun Stockmann. Ein Stipendium führte die gebürtige Ostpreußin nach München, wo sie 1911 ihren Boxerrüden Pluto vom Dom beim BK München registrierte. Seine Nachkommenschaft brachte später hervorragende Tiere von Weltruhm hervor, darunter der Rüde Lustig vom Dom, dem anerkannten Stammvater der Rasse Deutscher Boxer.

Wie kam der Boxer zu seinem Namen?

Den Zwingernamen „vom Dom“ wählte Frau Stockmann, da sich Pluto in seinem Revier rund um den Mainzer Dom durch wilde Jagd auf Katzen und häufige Raufereien mit anderen Hunden einen speziellen Ruhm erwarb.
In der Münchner Umgangssprache wurden diese Hunde ursprünglich „Bierboxer“ genannt, weil viele Gastwirte und Metzger Exemplare in ihren Geschäften hielten. Seit der Anerkennung als Rasse lautet der einheitliche Name „Deutscher Boxer„. Seine Art mit den Vorderpfoten zu kämpfen – er springt seinen Gegner an und wirft ihn um – erinnert an den Boxsport der Menschen.

Die Geschichte wiederholt sich

Bereits im Mittelalter als Kriegshunde berühmt-berüchtigt, dienten vor allem Frau Stockmanns Boxer in zwei Weltkriegen an der Front. Um in diesen schweren Zeiten das Fortbestehen zu sichern, entschloss sich die Züchterin, ihre besten Tiere nach Amerika und Kanada zu verkaufen. Assistiert von der Tochter bildete sie ihre Boxer aus, Nachrichten von A nach B zu bringen, Gerüche zu unterscheiden, Fährten zu verfolgen und Feinde zu stellen. Am Beispiel des Rüden Roll von Vogelsberg spiegelt sich ebenso die Ära der einstigen Jagdhunde. Seine Fähigkeiten waren legendär: Er stellte ganze Banden von Schmugglern und Scharfschützen oder fing geworfene Handgranaten mit dem Maul aus der Luft. Er lebte und überlebte den Ersten Weltkrieg, was für seine Intelligenz und die Intuition spricht, Situationen richtig einzuschätzen und selbstständig zu handeln: All das sind Eigenschaften, die auch den heutigen Boxer in friedlichem Umfeld charakterisieren.

Körperbau und Haarkleid

Der Kopf sollte vom Ganzen her ein harmonisches Größenverhältnis zum muskulösen Körper aufweisen, wobei der leicht gewölbte Oberkopf möglichst kantig und schlank erscheint. Mittelgroße, hoch angesetzte Hängeohren liegen im Ruhezustand an den Backen an, bei Aufmerksamkeit stellen sie sich mit einer deutlichen Falte nach vorn. Dunkle, nicht hervortretende Augen erhalten durch die ebenso dunkle Umrandung einen freundlichen, intelligenten Blick. Vom deutlichen Stopp führt der gerade verlaufende Nasenrücken zu einem großen, leicht aufgestülpten Nasenschwamm. Der mächtige Fang erhält durch die weit auseinanderstehenden Fangzähne und die trockenen Lefzen seine quadratische Form. Die Zahnreihe des Unterkiefers muss bei geschlossenem Fang komplett bedeckt sein. Die obere Linie verläuft in leichtem Bogen von einem kräftigen, runden Hals über den geraden Rücken bis zur leicht geneigten Kruppe mit eher hoch angesetzter Rute. Der tiefe Brustkorb mit weit nach hinten reichenden Rippen und leicht aufgezogenem Bauch kennzeichnet die untere Linie. Die Gliedmaßen sind ebenfalls stark bemuskelt und gerade. Das Haarkleid ist anliegend, kurz, glänzend und hart. Laut FCI-Standard sollte die Farbe gestromt oder gelb (braun) ausfallen. Nuancen von hellgelb bis dunkelkirschrot sind erlaubt. Gestromte Fellfarben erscheinen mit schwarzen oder dunklen, deutlich abgesetzten Streifen in Richtung Rippen auf gelber Grundfarbe. Bei den braunen Varietäten kommt eine schwarze Maske hinzu. Weiße Abzeichen bis zu 30% der Grundfarbe sind erlaubt. Andersfarbige, schwarze, reinweiße oder Boxer mit flächigen, unschönen weißen Platten werden nicht zur Zucht zugelassen. Das Kupieren von Rute und Ohren ist in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern seit 1987/1989 laut Tierschutzgesetz verboten.

Wesen und Charakter der Boxer

Den Boxer trifft man heute hauptsächlich als Begleithund an. Sein ausgeglichenes Wesen prädestiniert ihn zum zuverlässigen Umgang mit Kindern, doch es muss sichergestellt sein, dass er „hört“, also sich den Familienmitgliedern unterordnet, denn in brenzligen Situationen kommt sofort der Beschützerinstinkt des furchtlosen Wachhundes hervor – schließlich stammen Boxer direkt von den kampferprobten Bullenbeißern ab. Ein Haus mit Freilauf im Garten wäre ideal, doch ebenso ist die Wohnungshaltung möglich, wenn für ausreichende Beschäftigung und mehrmals tägliche Spaziergänge genug Zeit sind . Da diese Hunde zu Hause ruhige Mitbewohner sind, doch im Freien ihre große Energie in Bewegung umsetzen möchten, sind sie mit ihrer enormen Ausdauer als sportlichen Begleiter aktiver Hundehalter bestens aufgehoben. Eine liebevolle, aber konsequente Erziehung ist bei so einem Kraftpaket bereits frühzeitig nötig: Der Besuch einer Hundeschule kann hier unterstützen und weiterführend lässt mancher Besitzer seinen Boxer die Schutzhundeprüfung ablegen. Durch diese Ausbildung erlernt die sehr selbstbewusste Rasse, Kommandos genau zu befolgen und sie erwirbt sichere Reflexe. Besonders beim Zusammentreffen mit anderen Hunden wird der Boxer nach der Ausbildung sein Temperament besser beherrschen. Dank ihres ausgezeichneten Geruchssinns und ihrer Souveränität werden diese Hunde auch als Blindenführhunde sowie als Polizei- und Rettungshunde eingesetzt.

Die Gesundheit

Verantwortungsvolle Züchter verpaaren ausschließlich Boxer, die auf vererbbare Herzkrankheiten, Hüftgelenksdysplasie und Spondylose, eine arthritische Wirbelsäulenerkrankung, untersucht wurden. Neben dem körperlichen Erscheinungsbild ist auch ein bestandener Wesenstest Pflicht. Bei Boxern soll ein erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen (Mastzellentumore, Boxerulcus) bestehen. Die Haltung ist dafür unkompliziert: Er liebt Apportieren, Ballspiele und neben dem Fahrrad herlaufen – einzig auf zu starke Hitze oder Kälte reagiert er empfindlich. Entsprechend seiner unermüdlichen Dynamik hat der Boxer entsprechenden Energiebedarf und enormen Appetit. Im Schnitt benötigt ein erwachsenes Tier täglich ca. 450 g Fleisch, 335 g Gemüse sowie 225g Reis oder die entsprechende Menge Fertignahrung.

 

Der Deutsche Boxer im Überblick
    • Herkunft: Deutschland
    • FCI Standard Nr. 144, Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer,Molossoide,Schweizer Sennenhunde Sektion Molossoide, 2.1 Doggenartige Hunde
    • Widerristhöhe: Rüden ca. 57 – 63 cm, Hündinnen ca. 53 – 59 cm
    • Gewicht: Rüde 30 – 32 kg, Hündinnen um die 25 – 27 kg
    • Haarkleid: kurzes, glänzendes, hartes Haar
    • Fellfarbe: gemäß FCI: Gelb und gestromt. Andere Standars erlauben Weiß, Gescheckt, Schwarz
    • Augen: dunkelbraun mit dunkler Umrandung
    • Ohren: mittelgroß, anliegend, hängend
    • Körperbau: kurzes, quadratisches Gebäude mit stämmigem Körperbau
    • Einsatz: Begleithund, Schutz- und Diensthund
    • Charakter: selbstbewusst, anhänglich, aufmerksam, gutartig
    • Gesundheitsrisiken: HD, Nerven- und Herzerkrankungen, Boxerulcus (Hornhautgeschwür), Spondylose (degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule)
    • Lebenserwartung: ca. 10 – 12 Jahre

 

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