Warum leckt ein Hund die Schnauze eines Artgenossen?

SchnauzenkontaktWas könnte niedlicher sein, als wenn ein Hund seinem Freund einen Kuss auf die Nase drückt? Das stimmt wirklich, doch kann ein Hund wirklich so etwas wie küssen, und was bezweckt er damit?

Was der Hund möchte

Während sich zwei Hunde kennenlernen, wird ein schüchterner und niedriger im Rang stehender Hund den Kopf senken, direkten Blickkontakt vermeiden und vorsichtig beginnen, mit seiner Zunge den dominanteren, selbstbewussteren und ranghöheren am Maul zu lecken.

Damit bestätigt der erste Hund, dass er in Frieden kommt. Man kann es mit dem sozial gerichteten, menschlichen Bussi-Bussi zur Begrüßung vergleichen.
Hunde, die schon Freunde sind, tauschen als Zeichen der Zuneigung Küsse aus und geben sich der gegenseitigen Fellpflege hin. In diesem Szenario ist die soziale Hundehierarchie kein Thema.
Diese Hunde kennen und vertrauen sich einander. Sie kümmern sich um den anderen: Ein Hund, der übermäßig das Maul seines Hundefreundes leckt, könnte dies tun, weil der andere einen Tumor, eine Verletzung oder andere Erkrankung hat, die Aufmerksamkeit und Behandlung erfordert.


Hungrige Junghunde

Welpen „küssen“ ebenfalls ihre Mütter, aber das ist keine Geste der Zuneigung. Wenn junge Hunde sich im Übergang von Milch zu halbfester Nahrung entwickeln, beginnen sie heftig die Schnauze ihrer Mutter zu belecken, in der Hoffnung, dass sie etwas halb verdaute Nahrung ausbringt. Wenn die eigene Hündin gerade einen Wurf hat, empfiehlt es sich den Leitlinien des Tierarztes zu folgen, um sicherzustellen, dass die Welpen optimal ernährt werden und damit man den richtigen Zeitpunkt bestimmt, wann und wie die Umstellung von der Muttermilch auf Welpenfutter erfolgt.

Die Sozialisierung richtig fördern

Als Besitzer kann man seinem Hund helfen, Freundschaften zu begründen: Dazu sucht man sorgfältig zuversichtliche, aber freundliche und geduldige Vierbeiner aus, die dem eigenen schüchternen Hund helfen, seine sozialen Fähigkeiten zu verbessern. Zusätzliche Unterstützung bieten Hundeschulen: In positiven Trainingstechniken und Praktiken ausgebildete Hundetrainer bieten Kurse an, die sich auf Sozialisation konzentrieren.
Wenn zwei Hunde kurz miteinander Bussi-Bussi spielen, sollte man sich nicht einmischen, sondern diesen Ausdruck von Hunde-Freundschaft genießen. Später kann man die beiden rufen, „sitz“ machen lassen und diesen freundschaftlichen Umgang miteinander mit einem Leckerli belohnen. Doch aufgepasst, sehr gern versucht ein Hunde auch seinen Menschen mit der Zunge im Gesicht zu erwischen!

Wenn in der Nachbarschaft drei oder mehr Hunde wohnen, stellt man am besten die Tiere eins nach dem anderen vor. Vielleicht kommt dabei sogar das eine oder andere Mal natürliches Maul-Lecken vor. Die erste Bekanntschaft macht der freundlichste Hund mit der höchsten Reizschwelle. Niemals darf eine Begegnung zwischen den Hunden erzwungen werden, weil dies die Unterwürfigkeit des unsicheren Hundes vertiefen kann oder die unfreiwillige, aufdringliche Nähe blitzschnell einen Kampf provoziert.

 

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