Schwangerschaft bei Hunden

TrächtigkeitEine Schwangerschaft bei Hunden sollte im besten Fall geplant gewesen sein. Auch wenn die Vorstellung von vielen kleinen tapsigen Welpen schön ist, vorher wartet die Schwangerschaft und Geburt auf Hündin und Halter. Hier gibt es einiges zu beachten. Wobei gesagt werden muss, dass Schwangerschaft und Geburt bei Hunden meist unkompliziert und ohne große Komplikationen ablaufen. Dennoch sollte man auf alle Eventualitäten eingestellt sein, um möglichst schnell helfen bzw. um die Anzeichen deuten zu können und um den Tierarzt alsbald zu informieren.

Läufigkeit

Bevor die Hündin überhaupt Jungen bekommen kann, muss sie geschlechtsreif sein. Die Geschlechtsreife der Hündin setzt mit der ersten Läufigkeit ein. In der Regel sind Hündinnen 21 Tage läufig. Die Duldungsphase, in der sie deck- und aufnahmebereit sind, dauert meist nur fünf oder sechs Tage, der Beginn der Phase ist aber von Hündin zu Hündin verschieden. Die „heißen“ Tage kann man anhand des Ausflusses bestimmen. Genaue Informationen zur Läufigkeit bei der Hündin haben wir in unserem Ratgeber zusammengestellt. Lesen Sie hier weiter.

Die Läufigkeitsintervalle weisen teils große rassespezifische Unterschiede auf. Hündinnen größerer Rassen haben oft einen Zyklus zwischen acht und elf Monaten, wohingegen der Zyklus kleinerer Rassen meist zwischen fünf und sieben Monaten liegt. Die Länge der Zyklen und die Intervalle dazwischen bleiben das ganze Leben lang gleich. Ändert sich hier etwas oder fällt eine Läufigkeit aus, ist etwas nicht in Ordnung, und Sie sollten unbedingt zum Tierarzt.
Allerdings sollte man nie direkt bei der ersten Läufigkeit die Hündin von einem Rüden decken lassen, da die meisten Hündinnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht körperlich und geistig komplett ausgereift sind. Als ungefährer Orientierungswert wird häufig empfohlen, die Hündin frühestens in einem Alter von zwei Jahren decken zu lassen. Allerdings hängtdies auch immer von der individuellen Entwicklung der Hündin ab. Daher sollte man bei solchen Plänen in jedem Fall mit dem Tierarzt des Vertrauens darüber sprechen und dessen Empfehlungen Folge leisten, gerade dann, wenn dieser von einem Decken abrät.
 

Deckakt

Für den Deckakt sollten Hündin und Rüde an einem stressfreien, geschützten und ruhigen Ort zusammengebracht werden. Jegliche Hektik sollte vermieden werden. Bevor es losgeht, haben auch Hunde ein Vorspiel. Hier beschnuppern sich die Hunde, besteigen sich gegenseitig von allen Seiten und lernen sich erst einmal besser kennen. Je nach Temperament der Liebenden kann dies auch etwas länger dauern.
Hilfestellung nötig!
  • Häufig bei unerfahrenen Hündinnen / Rüden nötig
  • Hunde beim Deckakt unterstützen, sodass sie ruhig bleiben – ansonsten besteht große Verletzungsgefahr!
  • Beim Hängen dabei bleiben und die Hunde, wenn nötig, beruhigen
  • Ist die Hündin bereit, legt sie ihre Rute zur Seite und präsentiert dem Rüden so ihr Hinterteil. Nun klettert der Rüde von hinten auf die Hündin rauf und hält sich mit den Vorderpfoten an ihren Lenden fest. Ist der Rüde in die Hündin eingedrungen, schwellen bei beiden die Geschlechtsteile vollends an. Hündin und Rüde sind nun miteinander verbunden. Man darf Hunde in diesem Stadium auf keinen Fall trennen! Unschöne Verletzungen wären die Folge. Wenn der Rüde sein Ejakulat in die Hündin abgegeben hat, steigt er von ihr herunter und dreht sich mit seinem Hinterteil zu ihrem. Nun setzt das sogenannte „Hängen“ ein. Die Geschlechtsteile müssen nun erst einmal wieder abschwellen, bevor sich die Hunde trennen können. Vor allem unerfahrene Hündinnen können mitten im Deckakt nervös werden oder sogar Angst bekommen und flüchten wollen. Dies wäre für beide Hunde fatal. Vor allem kann der Knochen, der sich im Geschlechtsteil des Rüden befindet, brechen. Manchmal knicken die Hündinnen während des Deckaktes auch nach vorn weg, da sie die Situation unangenehm finden. Hier sollte der Mensch helfend eingreifen, um schlimme Verletzungen zu vermeiden. Häufig werden die Hündinnen, besonders wenn sie zum ersten Mal gedeckt werden, festgehalten, sodass der Rüde ruhig in sie eindringen kann. Eine zweite Person kann auch den Rüden beim Deckakt stabilisieren. Beim Hängen sollte man da sein, um die Hunde gegebenenfalls zu beruhigen.
     

    Anzeichen einer Schwangerschaft

    Nach dem Deckakt heißt es nun erst einmal: Warten. Nach etwa einem Monat kann man einen durchsichtigen schleimigen Ausfluss bei der Hündin feststellen. Außerdem schwellen meist die Zitzen zu diesem Zeitpunkt an und erscheinen dunkler, da sie besser durchblutet werden.
    Unterschied schwanger / trächtig

    Trächtig = Ein Junges austragen (bei allen Säugetieren)
     
    Schwanger = Ein Kind austragen (nur beim Menschen)

    Auch gesteigerte Müdigkeit oder Übelkeit sind Indizien für eine Trächtigkeit. Ab dem 40. Tag nach dem Deckakt wird der Bauchumfang der Hündin nach und nach zunehmen. Ebenso wird die Hündin nun mehr auf die Waage bringen. Hündinnen können bis zum Ende der Trächtigkeit bis zu doppelt so viel wie vorher wiegen!
     

    Die Hündin ist trächtig!

    Ob die Hündin tatsächlich erfolgreich gedeckt wurde, wird meist per Ultraschall beim Tierarzt festgestellt. Ist das Ergebnis positiv, kann man sich schon in ein paar Wochen auf einige kleine Welpen freuen. Aber bis dahin ist der Weg für die werdende Hunde-Mama noch lang und beschwerlich. In der zweiten Hälfte der Trächtigkeit wird die Hündin gesteigerten Appetit haben. Hier sollte man die täglichen Rationen an den Bedarf anpassen. Ansonsten verläuft die Trächtigkeit bei Hunden meist problemlos und unkompliziert. Die Trächtigkeit dauert übrigens zwischen 61 und 65 Tagen an.

    Ernährung während der Trächtigkeit

    Auf die Ernährung sollte während der Trächtigkeit viel Wert gelegt werden. Hündinnen haben vor allem im letzten Drittel der Trächtigkeit einen erhöhten Nährstoffbedarf. Der steigende Appetit hängt natürlich mit der fortschreitenden Entwicklung der Welpen zusammen. Schwierig wird es nun, da die größer werdenden Welpen viel Platz benötigen, weshalb die Hündin ihren Hunger mit vielen kleinen Portionen über den Tag verteilt stillen muss. Auch Trockenfutter sollte nicht mehr nur ausschließlich gegeben werden, da dieses im Magen noch aufquillt. Hochwertiges Nassfutter ist die beste Möglichkeit eine werdende Hunde-Mama zu versorgen. Auch einige Nahrungsergänzungsmittel sind für eine trächtige Hündin sinnvoll, um den erhöhten Nährstoffbedarf decken zu können. Solche Präparate machen vor allem dann Sinn, wenn die Hündin nicht so viel essen kann, wie sie eigentlich sollte, damit keine Unterversorgung aufkommt. Bei Unsicherheiten fragen Sie bitte unbedingt Ihren Tierarzt!

    Geburt

    Gegen Ende der Trächtigkeit sucht sich die Hündin meist einen ruhigen Ort, um ihre Welpen auf die Welt zu bringen. Man kann sie dabei unterstützen, indem man an dem ausgewählten Ort eine Wurfbox errichtet. Kurz vor der Geburt wird die Hündin zunehmend unruhig und rastlos. Meist scharren sie auf dem Boden oder in ihrem Hundebett. Manche Hündinnen verlegen nun das Wurflager noch einmal kurzfristig. Hier sollte man die Hündin machen lassen und ihr den neu ausgesuchten Ort so schön wie möglich gestalten.
    Das eindeutige Indiz, dass es bald ernst wird, ist die Körpertemperatur der Hündin. Diese sollte in der letzten Woche vor dem errechneten Geburtstermin täglich morgens und abends rektal gemessen werden. Ist dies für die Hündin unangenehm, dann lassen sie es. Stress kann die Hündin nun nicht gebrauchen. Stellen Sie aber einen Abfall der Temperatur um etwas mehr als 1 Grad fest, sollte man sich wappnen: Innerhalb der nächsten 12 bis 24 Stunden  wird die Geburt beginnen. Die Geburt verläuft in drei Phasen und dauert normalerweise zwischen 3 und 12 Stunden.

    Phase 1
    Die Gebärmutter stellt sich auf die Geburt ein und beginnt zu kontrahieren. Dies ist von außen nicht erkennbar. Setzen die Wehen ein, kann es sein, dass die Hündin anfängt zu zittern und zu hecheln. Dies ist normal und kein Grund zur Sorge. Die Vulva der Hündin schwillt an.
    Phase 2
    Die zweite Phase umfasst die tatsächliche Geburt der Welpen. Ein schleimiger Ausfluss ist meist das Zeichen, dass die Fruchtblase geplatzt ist und die Geburt des ersten Welpen kurz bevorsteht: Innerhalb der nächsten 20 bis 30 Minuten können Sie den ersten Welpen im Leben begrüßen! Die Welpen kommen in der Regel in einem Abstand von 20 Minuten zur Welt, aber oft ruht sich das Muttertier zwischen zwei Welpen aus. Daher kann es passieren, dass Ihre Hündin bis zu zwei Stunden lang nicht wieder presst. Sollte dies länger als zwei Stunden dauert, kontaktieren Sie Ihren Tierarzt, wenn er nicht vor Ort ist, um unmittelbar zu helfen.

    Es kann sein, dass die Welpen mit dem Schwanz zuerst auf die Welt kommen. Dies ist vollkommen in Ordnung und kein Grund zur Sorge. Auf keinen Fall darf man die Welpen aus der Hündin beim Pressen herausziehen! In der Regel ist es die Mutter, die Fruchtblase und Nabelschnur der Welpen durchbeißt und die Welpen dann putzt. Ein grün-bräunlicher Ausfluss deutet darauf hin, dass sich eine Plazenta abgelöst hat. Der nächste Welpe sollte nun innerhalb der nächsten zwei bis vier Stunden eintreffen.

    Wenn die Geburt sehr lange dauert, wird Ihre Hündin zwischen der Ankunft der einzelnen Welpen ihr Geschäft erledigen müssen. Beobachten Sie sie dabei genau, falls sie zur selben Zeit einen weiteren Welpen zur Welt bringt. Im ersten Moment hört sich so eine Geburt unglaublich kompliziert und risikobehaftet an. In den meisten Fällen verläuft die Geburt aber reibungslos und die Welpen sind wohlauf. Dennoch sollte man sich auf alle Eventualitäten einstellen.

    Phase 3
    Zählen Sie die Plazenten. Es müssen genauso viele wie Welpen sein. Merken Sie sich auch, wenn Ihre Hündin einige Plazenten frisst! Dies machen die Hündinnen, um sich während der Geburt zu stärken. Später erbrechen Sie die Plazenten wieder. Fehlen welche, sollte man den Tierarzt umgehend kontaktieren!

    Erste Hilfe

    Meist geht alles gut und der Mensch muss bei der Geburt nicht eingreifen. Dennoch gibt es Situationen, in denen man der werdenden Hunde-Mama helfen sollte. Folgen zwei Welpen relativ schnell aufeinander, hat die Hündin womöglich den einen Welpen noch nicht aus seiner Fruchtblase befreit und die Nabelschnur durchgebissen. Entfernen Sie die Fruchtblase und reiben den Welpen mit einem sauberen Lappen schnell gegen den Strich des Fells trocken. Die Nabelschnur kann mit Fäden und einer sauberen, scharfen Schere entfernt werden. Binden Sie hierzu die Nabelschnur mit einem Faden ungefähr 2,5 cm vom Körper des Welpen entfernt ab. Knoten Sie einen weiteren Faden etwa 5 cm vom Körper entfernt ab und schneiden Sie die Nabelschnur dazwischen mit der Schere durch. Hat die Hündin den Welpen noch nicht geputzt, könnte sich noch etwas Schleim in seinen Atemwegen befinden. Stecken Sie Ihren sauberen kleinen Finger in sein Maul und säubern Sie es. Wischen Sie auch über seine Nase. Reiben Sie ihn mit einem Handtuch, damit er Laut gibt – auch das entfernt Flüssigkeit, die er geschluckt haben könnte. Achten Sie darauf, dass der kleine Welpe nicht auskühlt!

    Nach der Geburt

    Ist alles gut gelaufen, sollten Sie der frischgebackenen Hunde-Mutter Ruhe und Erholung gönnen. Bieten Sie ihr etwas zu trinken und zu essen an. Eventuell möchte sie raus und ihr Geschäft verrichten. Gehen Sie mit, denn so kurz nach der Geburt kann es sein, dass sie damit noch ein paar Probleme hat. Die Wurfbox sollte nach der Geburt von allen dreckigen Laken befreit werden. Neu bezogen können sich Hündin und Welpen nun ausruhen. Etwa eine Stunde nach der Geburt sollten die Welpen beginnen zu saugen. Wenn dies nicht geschieht, legen Sie die Welpen an. Sind mehr Welpen als Zitzen da, muss man am Anfang darauf achten, dass jeder ausreichend versorgt wird. WurfgrößeAuch Welpen müssen Teilen erst einmal lernen. Sollte sich die Hündin in irgendeiner Weise komisch verhalten, rufen Sie den Tierarzt.

    Wurfgröße

    Die Wurfgröße ist stark abhängig von der Größe der Hündin. Aber auch hier lassen sich keine pauschalen Aussagen treffen. Hunde bekommen zwischen einem und bis zu zwölf Welpen. Egal wie groß sie sind. Bei besonders großen Rassen sind auch Würfe mit 20 Welpen vorgekommen. Im Schnitt sind es aber meist vier bis sechs Hundebabys.

    Scheinträchtigkeit

    Von einer Scheinträchtigkeit oder Scheinschwangerschaft spricht man, wenn sich die Hormonlage einer Hündin nach der Läufigkeit so verändert, als wäre sie trächtig – auch wenn sie nicht gedeckt und damit nicht „richtig trächtig“ ist. Eine Scheinträchtigkeit kommt durch den Einfluss bestimmter Hormone zustande. Gegen Ende der Läufigkeit produziert der Körper der Hündin weniger Progesteron (Gelbkörper-Hormon). Dadurch steigt die Prolaktin-Konzentration im Blut. Das Hormon Prolaktin sorgt unter anderem dafür, dass das Drüsengewebe des Gesäuges wächst. Zudem regt es die Milchbildung an. Grundsätzlich gilt: Je steiler der Progesteron-Spiegel der Hündin abfällt, desto höher ist die Konzentration von Prolaktin und desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit für eine Scheinträchtigkeit.
    In diesem Zustand leiden die Hündinnen körperlich und seelisch. Scheinträchtige Hündinnen verhalten sich genau wie wirklich trächtige Hündinnen. Etwa 9 Wochen nach der Läufigkeit, also zu dem Zeitpunkt, wenn nach erfolgreichem Deckakt auch die Welpen auf die Welt kommen würden, beginnen scheinträchtige Hündinnen verschiedene Dinge (Kuscheltiere, Spielzeug) in ein von ihnen gebautes Nest zu tragen. Diese Gegenstände, die Ersatzwelpen, werden auch bemuttert und beschützt wie echte Welpen. Auch das Gesäuge schwillt an, mitunter beginnt der Milchfluss. Bei starker Milchproduktion besteht die Gefahr eines Milchstaus mit daraus resultierender Gesäugeentzündung. Das Gesäuge ist dann stark geschwollen, warm und sehr schmerzhaft. Im Durchschnitt dauert die Scheinträchtigkeit 2 – 3 Wochen. Bis zu einem gewissen Grad ist eine Scheinträchtigkeit normal. Doch steigert sich die Hündin so sehr in ihre Mutterrolle hinein, sollte man zunächst versuchen sie abzulenken. Meist ist die Scheinträchtigkeit dann auch bald vorbei. Ist die Hündin allerdings stark aggressiv, apathisch und bildet sehr viel Milch, sollte man den Tierarzt aufsuchen. Hier hilft meist nur eine medikamentöse Behandlung. Bei manchen Hündinnen kann es auch besser sein, sie zu kastrieren, sollte die Scheinträchtigkeit regelmäßig nach jeder Läufigkeit derart stark ausgeprägt eintreten.

     

     

    Bild: © Depositphotos.com / willeecole / VGeorgiev

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