Fress-Störungen bei Hunden

„Fress-StörungenEssstörungen bei Menschen sind bekannt, doch können auch Haustiere darunter leiden? Wenn Hunde und Katzen Auffälligkeiten bei ihren Fressgewohhneiten zeigen, haben deren Probleme parallel dazu nicht immer die gleichen Ursachen, die häufig bei Menschen auftreten. Zusätzlich kann die Diagnose einer Essstörung bei einem Tier mit der zusätzlichen Einschränkung verbunden sein: Es ist schwierig zu bestimmen, ob die Ursache vom Verhalten her resultiert, eine medizinische oder sogar eine Frage der aktuellen Ernährung ist.
Schauen Sie sich die folgenden sechs bizarren und doch klassischen Eskapaden an, die häufig bei vierbeinigen Familienmitgliedern beobachtet werden.

Die übermäßigen Fresser

Bei der Mehrheit von Tieren, die zu viel essen, ist es eher eine Fütterungs-Störung und nicht eine Essstörung. Die Eigentümer gehen davon aus, wenn ihr Hund bettelt, bedeutet das, er hat Hunger. Aber Hunde fressen weniger um Hunger zu stillen, sondern mehr, weil die Suche nach Nahrung ein normales Hundeverhalten ist. Es ist ein gut erhaltenes evolutionäres Merkmal. Wenn wilde Hunde gejagt haben, gab es ein Festmahl, ansonsten war es eine Hungerperiode.
„Hunde sind gefräßig, opportunistische Vielfraße – sie sind in der Lage, 16 Prozent ihres Körpergewichts in einer Sitzung zu fressen, und sie hören nicht auf, wenn sie voll sind. Und während Katzen auch für die Jagd geboren sind, sieht man selten eine dicke Bauernhofkatze.“ Katzen jagen vielleicht exzessiv, aber in der Regel essen sie nicht übermäßig. Fettleibigkeit tritt bei Welpen auf, die keinen Jagd-Job, aber dafür eine Nahrungsquelle haben, die jederzeit verfügbar ist.

Natürlich kann man nicht von vornherein sagen, ob Verhaltensstörungen und unerkannte medizinische Probleme zu übermäßigem Essen führen. Bestimmte Medikamente können Appetit auslösen. Übermäßiges Essen kann auch ein Zeichen einer zugrunde liegenden Erkrankung, einschließlich Hyperthyreose, Diabetes, Morbus Cushing und Magen-Darm-Erkrankungen sein. Manche Hunde werden verschroben und reizbar, wenn sie das geringste bisschen hungrig sind und stürzen sich mit entblößten Zähnen und Klauen auf ihre Besitzer. In solchen Fällen sollte der Besuch in einer Hundeschule das Verhalten ändern. Es ist ebenso wichtig, zusätzliches Gewicht zu vermeiden und gegebenenfalls die Ernährung des Hundes in Absprache mit einem Tierarzt einzustellen.

Die Futter-Verweigerer

Während ein Hund pro Tag eine oder zwei Mahlzeiten auslassen kann, kann jeder längere Zeitraum ohne Essen für Katzen katastrophal sein. Es kann sich Leber-Lipidose entwickeln, auch bekannt als Fettleber. In den meisten Fällen kann kein Anlocken oder Spielen diese Katzen anregen zu essen, und sie werden buchstäblich versuchen, sich zu Tode zu hungern. Magersucht ist oft das erste Anzeichen einer Krankheit. Die Wurzeln können auch in der Psyche liegen: Nach dem Verlust eines Familienmitglieds, ob es ein weiteres Haustier oder eine Person ist, können Haustiere Anzeichen zeigen, die mit Depressionen vergleichbar sind, einschließlich sozialem Rückzug und Appetitverlust.

Liebeskranke Rüden

Wird die Hündin in der Nachbarschaft läufig, ist womöglich gerade in der deckungsbereiten Phase, kann es durchaus vorkommen, dass verliebte Rüden vor lauter Liebeskummer das Fressen einstellen. Hier müssen Sie nicht direkt zum Tierarzt. Dieses Verhalten geht so schnell wieder vorbei wie es gekommen ist. Als Tipp: Beobachten Sie Ihren Hund: Möchte er nur noch raus? Sitzt er womöglich winselnd an der Haustür? Läuft er draußen wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend? Dies sind klare Zeichen für eine läufige Hündin in der Nachbarschaft. Die Futterverweigerung kommt dann nur noch dazu und ist nicht sofort ein Hinweis auf ein medizinisches Problem.

Die Zufalls-Objekt-Esser

Die Liste der Non-Food-Objekte, die Tierärzte aus den Verdauungstrakten von Haustieren herausoperiert haben, ist wirklich sehr erstaunlich: Papier, Plastikteile, Einmalrasierer, Kinderspielzeug, Nägel, Socken, Geld und sogar Steinbrocken. Die Aufnahme von ungenießbaren Non-Food-Artikeln, eine Essstörung namens Pica, wird mehr bei Hunden als bei Katzen bemerkt. Unter Anämie leidende Katzen fressen die mineralische Streu aus der Katzentoilette, Hunde lecken mit Kalkfarbe gestrichene Wände ab.

Die Textilien-Fresser

In einer anderen Pica-Variante kauen und verschlucken Hunde und Katzen sogar Teile aus Wolldecken, Pullovern oder Socken. Dazu gibt es eine genetische Verbindung bei orientalischen Katzen, doch das Problem kann auch bei Hunden mit einer Verhaltensstörung sowie Ernährungs- oder Magen-Darm-Problemen in Zusammenhang stehen.

Der Kot-Fresser

Nur wenige Dinge stören Tierbesitzer mehr als einen Hund, der fremde Kothaufen essen will. Leider ist dieses Verhalten, auch als Koprophagie bekannt, häufig bei Hunden vorzufinden. Viele Menschen möchten für dieses widerliche Verhalten Ernährungsmängel verantwortlich machen, doch das ist einfach nicht der Fall. Da oft Hunde den Kot ihrer neu geborenen Welpen zwecks Reinigung fressen, ist es später nur eine Verirrung des normalen Verhaltens, eine schlechte Angewohnheit, die sie anscheinend genießen.
Wurmkur

Wenn Sie einen Hund haben, der draußen nichts liegen lässt, sollten Sie auf eine regelmäßige Wurmkur Wert legen. Alle 2-3 Monate könnten Sie Ihrem Hund vorsorglich Entwurmungstabletten geben. Dies stellt allerdings auch eine kurzzeitige Belastung dar: Oft bekommen Hunde leichten Durchfall von diesen Tabletten. Als Alternative können Sie auch regelmäßig Kotproben beim Tierarzt zur Untersuchung abgeben.

Es gibt dieses Verhalten ebenso bei bestimmter Angst. Hunde, die für „Unfälle“ im Haus bestraft werden, essen manchmal ihren eigenen Kot, um die Beweise zu verstecken. Und andere tun es vielleicht, weil es eine sichere Methode ist, wenn sie auch negativ ist – um von ihren Besitzern Aufmerksamkeit zu bekommen.

Der soziale Fresser

Manche Tiere bevorzugen einfach, in Gesellschaft zu speisen. Bestimmte Hunde fressen nicht, wenn sie allein sind und unter Trennungsangst leiden, während andere von ihren Besitzern erzogen wurden, sich so zu verhalten. Hunde, die mehr Aufmerksamkeit bei Futterverweigerung als fürs Fressen bekommen, werden dazu neigen, in einen Hungerstreik treten.

Fazit: Ob Ihr Haustier den gefüllten Futternapf stehen lässt oder um einen zusätzlichen Nachschlag bettelt – wenn Sie bei Ihrem Hund eine Änderung bei den Fressgewohnheiten bemerken, ist es Zeit, Ihren Tierarzt zu sehen.

 

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