Boston Terrier

„BostonDen Boston Terrier könnte man leicht mit einer Französischen Bulldogge verwechseln, doch handelt es sich hier um eine eigenständige Rasse. Mit seinem ausgewogenen, anhänglichen Wesen passt sich der Boston Terrier seinen Menschen mühelos an, mag gern Kinder und akzeptiert Besuch ohne großes Kläffen. Er fühlt sich in einer Stadtwohnung wohl und ist mit den täglichen Gassirunden durch den Park zufrieden, doch er sollte auch Gelegenheit erhalten, seine enorme Vitälität auf langen Spaziergängen im Gelände auszuleben. In Europa ist die Rasse weniger verbreitet, der amerikanische Bundesstaat Massachusetts hingegen würdigt den Boston Terrier seit 1979 als offiziellen State Dog.

Die Herkunft der Boston Terrier

Der Namenszusatz weist auf die Wiege des Boston Terriers, die amerikanische Stadt Boston hin. Seine Geschichte begann jedoch schon früher im England des späten 19. Jahrhunderts, als in Züchter einen inzwischen ausgestorbenen weißen Terrier mit einer englischen Bulldogge kreuzte. Der Wurf brachte unter anderem einen hochläufigen Welpen von 14,5 Kilo mit dem Aussehen einer Bulldogge hervor.
Dieser Hund wurde nach Boston verkauft, wo er wiederum den Besitzer wechselte. Die Verpaarung mit einer niederläufigen, stämmigen Hündin brachte den Rüden Well´s Ephy hervor, der als Stammvater der Rasse Boston Terrier angesehen wird. Seine Bestimmung war, an den damals populären Hundekämpfen teilzunehmen. Viele Jahre vergingen, bis aus dem massigen, untersetzten Bulldog ein leichter, kurznasiger Hund mit elegantem Erscheinungsbild gezüchtet wurde.


Eine schwierige Namensfindung

Etwa 40 Züchter schlossen sich zum ersten American Bull Terrier Club zusammen. Um die neue Rasse zu verbessern und das Einkreuzen fremder Rassen auszuschließen, wurden über alle Zuchtaktivitäten Buch geführt. Die Anerkennung beim American Kennel Club (AKC) im Jahr 1891 stieß jedoch auf erbitterten Widerstand aus dem Züchterlager der Bullterrier-Rassen. Die neue Rasse wären keine Bull Terrier und würden dem Ruf der Englischen Bulldogge schaden, hieß es. Gerichtsurteile kamen zu dem Schluss, dass die Rasse noch zu ungleichmäßig ausfalle und noch nicht reif sei für eine Anerkennung. Die Namensgebung war ein weiter Streitpunkt, der nach langem Hin und Her durch die weise Entscheidung „Boston“ Terrier beigelegt werden konnte. Dementsprechend änderte der Züchterverein seinen Namen in Boston Terrier Club of America und man begann mit der Festlegung eines einheitlichen Rassestandards. Diese Aufgabe entpuppte sich als schwieriges und zeitraubendes Unterfangen, da die einzelnen Züchter hartnäckig versuchten, die jeweils eigenen Hunde als Vorbild für den Standard durchzusetzen. Schließlich kam doch die Einigung zustande, und dieser Standard gilt bis auf einige kleine Ergänzungen noch heute. Im zweiten Anlauf 1893 klappte dann auch der Antrag auf Anerkennung der Rasse beim AKC, denn die Abstammung der inzwischen rund 75 Tiere konnte lückenlos über mindestens 3 Generationen in den Zuchtbüchern zurückverfolgt werden.
Die Beliebtheit des Boston Terrier wuchs schnell über die regionale Bekanntheit hinaus. Bis heute zählt der Boston Terrier Club of America mehr als 30 Zuchtvereine. In Kanada erfolgte 1908 die Gründung des Boston Terrier Club of Kanada, der bereits ein Jahr später seine Hunde auf einer Schau präsentierte. Die Anzahl kanadischer Clubs stieg in Folge rasant an und sie trugen alle maßgebend zur Entwicklung und dem inzwischen klassischen Erscheinungsbild der Rasse bei.

Körperbau und Haarkleid

Der markante Kopf des Boston Terrier ist quadratisch mit steil abfallender Stirn, gut ausgeprägtem Stopp und flachem Oberkopf. Die Ohren werden aufrecht getragen und große runde, dunkle Augen sollten mit den äußeren Augenwinkeln parallel zu den Wangenknochen liegen. Das kurze Vorgesicht ist faltenfrei und tiefen, doch nicht lose herabhängende Lefzen bedecken das breite Zangengebiss, die der Schnauze die charakteristische viereckige Form verleihen. Eine gut sichtbare Linie zwischen den Nasenlöchern kennzeichnet den breiten, stets schwarzen Nasenschwamm. Ein eher kurzer, leicht gewölbter Hals bildet einen harmonischen Übergang zu den gut zurückliegenden Schultern. Der kompakte Körperbau wirkt durch den tiefen, breiten Brustkorb athletisch, geradem Rücken und leicht abfallender Kruppe. Die kurze gerade oder schraubenförmige Rute ist tief angesetzt und darf nur unterhalb der Waagrechten getragen werden. Gerade und mäßig weit auseinanderstehend sind die Vorderläufe, die Hinterhand ist gut bemuskelt, wobei die Sprunggelenke nicht nach innen oder außen zeigen. Das kurzhaarige Fell ist fein, glänzend und seidig. Jeweils mit weißer Zeichnung sind die Farben schwarz, gestromt oder „seal“ ( bei Sonnenlicht rötlich schimmerndes Schwarz) erlaubt. Der Standard verlangt weiße Zeichnung am Fang, als Blesse zwischen den Augen und an der Vorderbrust. Zuchtausschließende Fehler sind beispielsweise blaue Augen, eine heller Nasenschwamm, Kreuzbiss oder eine Fellfarbe ohne die weißen Markierungen. Die Widerristhöhe ist variabel, da die Rasse in drei Größenklassen kategorisiert ist.

Der Charakter der Boston Terrier

Ein hervorragender Zuchterfolg ist das friedfertige Wesen der Boston Terrier – vor allem die Einkreuzung der Französischen Bulldogge sorgte für positive Veränderungen sowohl beim Körperbau als auch bei seinem Charakter. Der neuen Rasse wurde erfolgreich die Aggressivität genommen, welche seit dem Verbot von Hundekämpfen unerwünscht war. Auch der Jagdtrieb, ein typisches Terrierverhalten, fehlt meist. Dafür besitzt er einen ausgeprägten Wach- und Schutztrieb, den er als äußerst loyaler Familienhund im Kontakt mit fremden Hunden zeigt (… und dabei manchmal sein Potenzial eindeutig überschätzt). Mit diesen Merkmalen prädestinierte sich der Boston Terrier als beliebter Begleithund, aber das soll nicht heißen, er wäre langweilig. Ganz im Gegenteil, ihm wohnt ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und sprühendes Temperament inne, dass der Boston Terrier am besten bei anspruchsvollen Hundesportarten wie Agility oder Dog Dancing in Bewegungsenergie umsetzt. Als Mitglied seines Familienrudels fühlt er sich wohl, denn ein aktives Umfeld bietet auch der geistigen Auslastung des Boston Terrier die richtige Grundlage.

Die Gesundheit

Aufgrund der Beschaffenheit der Ohren neigen Boston Terrier zur schmerzhaften Entzündung des äußeren Ohres (externe Otitis), die durch Parasiten, Hefen oder Bakterien verursacht wird und unbehandelt zu Taubheit führen kann. Ursache dafür ist unter anderem falsche Ernährung. Anzeichen der Erkrankung sind häufiges Kopfschütteln und die Bildung von schlecht riechendem, schwarzen Ohrenschmalz bis hin zu Blut und Eiter. Die Therapie beim Tierarzt ist unumgänglich, genau so, wenn eine Dermatitis auftritt. Dabei handelt es sich um Störungen an Fell und Haut, wobei Juckreiz, Schuppenbildung, Fellausfall auftritt. Ferner ist der Boston Terrier, wie andere Rassen mit vorstehenden Augen auch, anfällig für Bindehautentzündungen. Relativ verbreitet ist ein schnorchelndes Atemgeräusch und Schnarchen, das besonders bei brachymorphen Rassen hauptsächlich auf die Kopfform und einer Instabilität bzw. Überstehen des weichen Gaumens über dem Kehldeckel zurückzuführen ist.

 

Der Boston Terrier im Überblick
    • Herkunft: USA
    • FCI Klassifikation Gruppe 9 Gesellschafts- und Begleithunde Sektion 11: kleine doggenartige Hunde
    • Größe: mittel
    • Widerristhöhe: nicht festgelegt
    • Gewicht:Größenklassen unter 6,8 kg, 6,8 kg – 9 kg und 9 kg – 11,3 kg.
    • Fellfarbe:schwarz, gestromt oder seal mit jeweils weißen Markierungen
    • Augen: dunkel, groß, rund
    • Nase: schwarz
    • Ohren: stehend
    • Körperbau: kompakt, kraftvoll
    • Einsatz: Begleithund, Familienhund
    • Charakter: lebhaft, intelligent, unkompliziert
    • Gesundheitsrisiken: Atemprobleme, Taubheit, hitzeempfindlich, Katarakt, Dermatitis
    • Lebenserwartung: 13 – 15 Jahre

 

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