Ängstlicher Hund – Was tun?

Ängstlicher HundManche Hunde gehen unerschrocken durchs Hundeleben, andere Hunde sind eher vorsichtig, manchmal sogar ängstlich gegenüber Personen, Objekten oder anderen Hunden. Solche Hunde durchleben in diesen Situationen häufig unangenehme Gemütszustände, die die Psyche des Hundes stark belasten können. Daher sollte man als Halter eines ängstlichen Hundes Bescheid wissen, wovor der Hund Angst hat und, noch viel wichtiger, wie man dem ängstlichen Hund in der Situation helfen kann.

Woran erkennt man einen ängstlichen Hund?

Unsichere oder ängstliche Hunde sind meist grundsätzlich vorsichtiger und skeptisch. Häufig fällt dieses Verhalten im Vergleich zu anderen Hunden in der Nachbarschaft oder Hundeschule auf: Während andere Hunde unerschrocken, neugierig und freundlich auf andere Hunde oder Personen zulaufen, bleibt der eigene Hund beim Halter oder reagiert stark verunsichert, wenn eine Konfrontation mit einem Hund und/oder Menschen unvermeidbar wird. Ängstliche Hunde benötigen viel Zeit, um Vertrauen zu fassen. Sie gehören meist nicht zu den Hunden, die direkt zu Beginn mit über die Wiese toben und jeden Neuankömmling freudig und stürmisch begrüßen.
Die Körpersprache des Hundes ist in solchen Situationen eindeutig. Eine hängende oder gar zwischen den Beinen eingeklemmte Rute ist ein sicheres Zeichen dafür, dass dem Hund die gegenwärtige Situation nicht geheuer ist.
Manche Hunde fangen auch an zu zittern oder versuchen sich hinter den Beinen des Besitzers zu verstecken. Sie möchten am liebsten aus der Situation heraus und weichen Kontaktversuchen von anderen Hunden aus. Sollte die Situation für den ängstlichen Hund zu lange andauern, können sich auch aggressive Verhaltensweisen zeigen, mit denen andere Hunde auf Distanz gehalten werden sollen.


Ursachen von Angst beim Hund

Angst ist eine Reaktion des vegetativen Nervensystems, welches unwillkürliche Handlungen steuert. Diese Reaktion kann auch als körpereigenes Alarmsystem bezeichnet werden, welches den Hund in die Lage versetzt, aufgrund einer akuten Bedrohung schnell handeln zu können.
Doch wieso haben Hunde in bestimmten Situationen Angst? Und wieso unterscheiden sich diese Situationen von Hund zu Hund? Das liegt daran, dass auch Angst das Ergebnis eines Lernprozesses ist. Dieser Lernprozess ist lebenswichtig für Hunde, ist aber leider auch sehr anfällig für „Störungen“. In der Psychologie wird diese Art des Lernens auch als klassische Konditionierung bezeichnet. Bezogen auf Angstsituationen bedeutet dies nun, dass ein Hund in einer bestimmten Situation ein negatives, quälendes Gefühl hatte, weshalb er die Situation mit „Angst“ verbindet.

Diese Verknüpfung kann übrigens sehr schnell geschehen, da negative Gefühle und Reaktionen die Psyche stärker und damit nachhaltiger beeinflussen als Positive. Besonders ängstliche Hunde können daher bereits im Welpenalter „schlechte Erfahrungen“ gemacht haben, die ihr Verhalten nachhaltig geprägt haben. Und natürlich gibt es auch bei Hunden unterschiedliche Persönlichkeiten. Genau wie es auch extrovertierte bzw. introvertierte Menschen gibt, sind diese Charaktereigenschaften auch bei Hunden wiederzufinden. Manche Hunde sind grundsätzlich eher vorsichtig und fassen nicht so schnell Vertrauen wie ihre Artgenossen. Schränkt dies den Hund im Alltag und im Kontakt zu Menschen und Hunden nicht ein und zeigt er auch keine Angstaggressionen, ist es auch ok, dass ein vorsichtiger Hund für immer vorsichtig bleibt. Solche Hunde sollte man nicht zu irgendwelchen Menschen- oder Hund-Kontakten zwingen.


Ängstlicher Hund: Erste-Hilfe-Maßnahmen

Sollte eine Situation einen ängstlichen Hund überfordern und man sieht, dass sich der Hund zunehmend unwohl fühlt, kann man ihm natürlich helfen, diese Situation besser auszuhalten. Je nachdem wie stark die Beziehung zwischen Hund und Halter ist und wie der Hund sonst so gestrickt ist, funktionieren verschiedene Maßnahmen unterschiedlich gut. Will heißen: Was dem Bekannten und seinem ängstlichen Hund geholfen hat, muss bei Ihnen nicht auch anschlagen. Am besten probiert man nach und nach alle Möglichkeiten aus, dann wird man relativ schnell feststellen, was dem Hund hilft.

Hund ablenken

Eine gute Methode ist, den ängstlichen Hund abzulenken. Am einfachsten ist es, eine kleine Übungssituation hervorzurufen, indem man dem Hund ein paar Kommandos gibt. Dies hat den Effekt, dass der Hund seine Aufmerksamkeit umlenkt, weg vom angstauslösenden Objekt. Er konzentriert sich auf seinen Halter, dem er vertraut und führt die Kommandos aus. Hier sollte man nur Kommandos abverlangen, die der Hund auch richtig gut beherrscht, damit man nicht beim Fehlverhalten des Hundes korrigierend eingreifen muss. Denn das würde wiederum Druck und Stress in die Situation bringen, was man ja gerade versucht zu verringern. Daher zögern Sie nicht und lassen den Hund 10- oder 20-mal Sitz und Platz abwechseln machen. Oder andere Tricks, die Ihr Hund beherrscht. Es sollte eine rasche Besserung eintreten, da sich der Hund nun auf etwas Positives (Sie, das Ausführen des Tricks & anschließende Belohnung) konzentriert und die angstauslösende Situation in den Hintergrund gerät.

Angstauslösende Objekte: Gemeinsam erkunden

Manchmal sind Hunde gegenüber Objekten sehr skeptisch. Häufig sind es einfache Alltagsgegenstände, die für den Menschen nicht ansatzweise angsteinflößend sind. Hier bietet es sich an, gemeinsam mit dem Hund dieses „gefährliche“ Objekt zu erkunden. Dafür hockt sich der Mensch am besten neben das Objekt, oder, je nach Größe, nimmt es in die Hand. Nun tut der Mensch so, als sei dieses Objekt hochinteressant. Man kann in dieser Situation ruhig die Verhaltensweisen des Hundes nachahmen und das Objekt beschnüffeln und von allen Seiten aus ansehen. Parallel kann man dem Hund ermutigend zureden. Bei einer guten Beziehung zwischen Hund und Herrchen bzw. Frauchen wird jeder Hund irgendwann sich herantrauen. Jeder Schritt auf das „gefährliche“ Objekt zu sollte mit einem Lob begleitet werden, sodass der Hund in seinem Handeln bestärkt wird. Je näher der Hund dem Objekt ist, desto mehr sollte man darauf achten, dass nun keine hektischen Bewegungen oder Geräusche entstehen. Diese könnten den Hund direkt wieder verschrecken und den kompletten Prozess zunichtemachen. Sollte der Hund tatsächlich an dem Objekt ankommen und mutig daran schnuppern, sollte man den Hund mit Lob überschütten und auch gern einen körperlichen Kontakt herstellen. Streicheln Sie Ihren Hund und reden Sie ihm gut zu. Die meisten Hunde freuen sich dann über die Situation, dass sie sich überwunden haben, gemeinsam mit Herrchen bzw. Frauchen konnte dieses „gefährliche“ Objekt erkundet werden. Der Hund lernt, dass er vor dem Objekt keine Angst mehr haben muss und die Beziehung zwischen Hund und Halter wird gleichzeitig gefestigt.

Entspannende Massage

Eine andere Möglichkeit, um dem ängstlichen Hund zu helfen, ist eine Massage. Am besten hockt sich der Mensch dazu hin und nimmt den Hund unter sich zwischen die Beine. Hier empfinden die meisten Hunde Schutz. Nun kann man beginnen, den Hund an seinen Lieblingsstellen zu massieren. Keine Angst vor zu viel Druck: mehr Druck ist im Zweifel immer besser als zu wenig! Massieren Sie Ihren Hund so, wie er es mag. Druck erzeugt Entspannung. So kann die Massage dem Hund helfen sich zu entspannen und die „gefährliche“ Situation besser auszuhalten.

Aktivität gegen Angst und Stress

Während der eine Hund gut mit einer Massage klarkommt, macht dies einen anderen Hund umso nervöser. Manche Hunde sind eher aktiv. Hier kann man dem Hund helfen, indem man ihn „aktiviert“. Entweder probiert man es mit ein paar Kommandos und lenkt den Hund mit einer Übungseinheit ab oder aber man bewegt sich mit dem Hund. So kann er quasi seinen Stress und seine Unsicherheit „ablaufen“.

Langfristige Methoden, um dem ängstlichen Hund zu helfen

Grundsätzlich eigenen sich die vorgestellten Maßnahmen zur kurzfristigen Angstbewältigung. Langfristig sollte man die Objekte oder Situationen, die dem Hund unheimlich vorkommen, analysieren und sich überlegen, wie man diesen Dingen in Zukunft anders begegnen kann, damit sie den Hund nicht immer wieder vor eine Angstsituation stellen. Ist klar, wann und weshalb der Hund ängstlich reagiert, kann man nach und nach in diesen Situationen trainieren. Je öfter der Hund mit der Situation konfrontiert wird und lernt, dass er hier nichts zu befürchten hat, desto weniger wird er mit der Zeit ängstlich reagieren. Während des Trainings sind allerdings hektische, laute oder impulsive Aktionen zu vermeiden, um den Hund nicht zu verschrecken. Anfang kann man auch zur Unterstützung Nahrungsergänzungsmittel geben, die den Hund schon im Vorfeld entspannen und ihn grundsätzlich ruhiger mit der „gefährlichen“ Situation umgehen lassen. Insgesamt ist dies ein Lernprozess, der unterschiedlich lang dauern kann, je nachdem wie stark sich die Angst in der Situation zeigt. Aber es ist definitiv machbar, dass der Hund lernt, vor bestimmten Dingen keine Angst zu haben. So wird er viel entspannter und ruhiger durch den Alltag gehen und zu einem souveränen Hund werden. Und sollte man trotzdem kurzfristig vor einer schwierigen Situation stehen wird, wie beispielsweise ein Tierarztbesuch, helfen natürliche Nahrungsergänzungsmittel durch verschiedene Kräuter und deren Wirkstoffe auch schnell und einfach, dass der Hund sich gar nicht erst so aufregt und insgesamt etwas entspannter in die Situation geht. Dies ist besonders dann praktisch, wenn man in dieser Situation noch nicht viel oder noch gar nicht üben konnte.

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