Kennen Hunde Rache?

Kennen Hunde Rache?Mein Hund „macht“ im Haus, weil er den ganzen Tag allein ist. Er pinkelt aus Rache.
Mein Hund „macht“ im Haus, weil ich weggehe, ohne ihn mitzunehmen. Er pinkelt aus Rache.

Welche der oben genannten Aussagen sind richtig?

Beide Antworten sind FALSCH. Wenn ein Hund uriniert oder Kot hinterlässt, wo er es nicht sollte, kann es dafür eine Vielzahl von Gründen geben. Aber Rache, Trotz, oder die Absicht, seinen Besitzer zu ärgern, stehen garantiert nicht auf dieser Liste.

Hunde reagieren auf uns

Es ist nicht angenehm, in eine durchnässte Stelle im Teppich hineinzutreten oder gar eine Hinterlassenschaft im Bett zu finden. Eine typische Reaktion darauf ist wahrscheinlich „Pfui Sammy, was hast du da getan?“
Anschreien, ausschimpfen oder gar eine „Bestrafung“ des Vierbeiners für sein Verhalten wird so einen Unfall in Zukunft nicht verhindern.
Ein Hund, der sich unter dem Zornesausbruch seines Halters zusammenkauert, sich verstecken möchte, mit traurigen Augen blickt und den Kopf senkt, lernt daraus nur eins: Angst zu haben. So schlau, wie die meisten Vierbeiner sind, bringen sie es mental nicht fertig, sich aus eigener Genugtuung eine Rache auszudenken: Das ist eine rein menschliche Eigenschaft.


Dogshaming – an den Pranger gestellt

Neue Websiten, Bücher und Internet Meme, die den Begriff „dogshaming“ aufgebaut haben, gibt es inzwischen in Hülle und Fülle. Wir kennen alle die online gestellten Bilder oder im Video vorgeführten Unglücksraben mit großen Zetteln, worauf ihre Schandtaten zu lesen sind. Der reuevolle Blick bedeutet aber kein wirkliches Schämen oder Bedauern, denn für den Betroffenen besteht aus seiner Sicht kein Zusammenhang mit seiner Tat – Memes sind reiner Humor und sollen die Leser zum Lachen bringen – Racheakte sind einfach keine Verhaltensmuster von Hunden.

Tierische Denkmuster

Hunde leben im Moment, das wissen wir. Und sie müssen auch nicht darüber nachdenken, was in den nächsten fünf Minuten passiert oder ganz zu schweigen, was passieren könnte, wenn ihre Eltern sie morgen verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Vierbeiner können jedoch anhand von sich wiederholenden Abläufen ein Ereignis vorwegnehmen. Die Abreise beispielsweise registriert er mit dem bekannten Schlüsselklimpern und wenn Herrchen oder Frauchen sich Schuhe anziehen. Manche Vierbeiner freuen sich auf einen Ausflug, andere hassen diese Vorzeichen. Hunde besitzen nicht die Weitsicht, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen und demnach mit entsprechenden Emotionen auf ihre Menschen zu reagieren.

Können Hunde vorausplanen?

Stellen Sie sich einmal vor, es steht ein feierlicher Anlass in der Familie an. Plant ein Hund dafür etwas im Voraus, wird er sich besonders nett benehmen oder ändert er auf andere Weise seinen Tagesablauf für einen ganz besonderen Tag? Nein.
Ein glücklicher Hund ist genau das: Er zeigt sein freudiges Gemüt, weil er nichts mehr liebt, als mit seiner Familie oder seinem alleinstehenden Menschen zusammenzusein, ganz gleich, welcher Tag ist. Es sei denn, es gibt jemanden, der sich an dem Hund stört, das Tier krank ist oder in seinem Hundeleben ist etwas Einschneidendes passierte. Haustiere haben keinen Terminplaner, Emotionen zeigen sie jedoch mit ihrer Körpersprache, mit ihrem Verhalten und dem typischen „für diesen Moment“-Denken.
Obwohl auf dem Grundstück Gelegenheit wäre, die Absicht zu fassen, im Haus zu urinieren , nicht zu wissen wann Sie es herausfinden und dann schon erwarten, das sein Mensch zornig wird und anfängt zu schreien und schimpfen: Nun, dazu braucht es eine ganze Menge Schlussfolgerungen und berechnendes Denken. Von allen Gedankengängen, die ein Hund haben kann, gehören diese gerade genannten auf keinen Fall dazu.

Warum werden Hunde unsauber?

Es gibt kein Konzept, wonach Hunde aus Berechnung handeln. Wir übertragen menschliche Gefühle und Verhaltensweisen auf ihn und in vielen Fällen zu Recht: Die tierischen Hausgenossen haben eine riesige Palette von Emotionen. Wenn wir glücklich sind, und das Leben lieben, sind unsere Hunde glücklich für uns. Wenn wir allerdings schlechter Stimmung sind, reagieren die Vierbeiner uns gegenüber entweder aggressiv oder sie ziehen sich zurück und verstecken sich vor der lauten und gereizten Stimme.

  • Hunde pinkeln, wenn sie Angst haben.
  • … , wenn sie ein emotionales Problem haben.
  • … , wenn sie Welpen sind.
  • … , wenn sie zu lange allein gelassen werden.
  • … , weil sie eine Stelle markieren.
  • … , weil sie älter sind und es nicht halten können.
  • … , weil sie ein Gesundheitsproblem haben.
  • Hunde werden nicht aus Rache gezielt Pfützen machen.

Kein Hund verdient es, geschlagen oder geohrfeigt zu werden, die Nase „darin“ gerieben zu bekommen oder einem ähnlichen Verhalten ausgesetzt zu sein. Dies dient nur dazu, Angst zu schüren, von denen die letztere unhygienisch und ekelhaft ist – und dazu noch ein Ammenmärchen, das in Häusern auf der ganzen Welt bekannt zu sein scheint. Wenn man so etwas tut, verbessert man dadurch gar nichts, sondern schadet dem Tier beträchtlich.

Wenn der Hund im Haus Wasser lässt, liegen verschiedenste Ursachen oder Gründe vor. Das sieht die wissenschaftliche Forschung genau so. Einige Meinungen vermuten, Fehlverhalten, bzw. Schuld ist eine komplizierte Sache. Wir glauben allerdings, das Hundewesen an sich ist unkompliziert: Er liebt uns über alles und handelt nicht aus Rache oder mit Absicht, um dafür noch bestraft zu werden. Das gilt vor allem für die Punkte „eins“ und „zwei“ in der obigen Aufzählung.

 

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