Warum frieren Hundepfoten nicht ein?

Warum frieren Hundepfoten nicht einSobald es schneit, weigern sich manche Hunde, ins Haus zu kommen. Kein Rufen, kein Leckerli oder das neue Spielzeug können sie von der weißen Pracht trennen. Sie würden sogar das demütigende Jingle-Bell-Halsband tolerieren, wenn es mehr Spielzeit im Schnee bedeutet.


Der natürliche Wärmetauscher

Wetterfeste, pelzige Haarkleider halten die Hunde schön warm, aber ihre Pfoten bieten nicht viel Isolierung. Wie können Hunde „barfuß“ in Eis und Schnee laufen, wenn Menschen dicke Wollsocken und Stiefel brauchen? Wenn Menschen Kälte ausgesetzt sind, verengen sich ihre Blutgefäße und ziehen zirkulierendes Blut von der Haut weg zum Körperkern.
Mit weniger warmem, sauerstoffreichem Blut, dass an die Hautoberfläche geht, werden unsere Füße zuerst weiß, danach taub und frieren schließlich ein.
Das scheint bei Hunden nicht der Fall zu sein. Die Forschung zeigt, dass das Herz-Kreislauf-System in Hundepfoten individuell angepasst werden kann, womit Kälte besser vertragen wird. In den 1970er Jahren fragten sich die Forscher, wie Füchse und Wölfe für längere Zeit trotz der bitteren Temperaturen jagen konnten. Sie fanden heraus, dass die Temperatur der Pfoten bei über -1 °C blieb. Das ist warm genug, um das Gewebe vor dem Einfrieren zu bewahren und kühl genug, um den Verlust von Körperwärme über die Pfoten einzugrenzen. Forscher nehmen an, dass eine erhöhte Blutzufuhr dazu beiträgt, dass die Pfoten so stark abkühlen.


Der Körperkern muss warm bleiben

Kürzlich erforschten japanische Wissenschaftler der Azabu Universität, ob die heutigen Hunde ähnliche Pfoten wie ihre arktischen Kollegen besitzen, da die Herkunft vieler domestizierter Hunde auf Wölfe zurückgeführt wird. Mithilfe des Elektronen-Mikroskops entdeckten die Forscher, dass die Blutgefäße in den Pfoten (in diesem Fall Beagles) ein Wärmetausch-System bilden. Sie sind in der gleichen Art angeordnet wie in Enten- und Pinguinfüßen sowie Walfisch- und Seehundflossen. So werden schlecht isolierte Körperteile unempfindlich gegenüber Kälte, während die Körperwärme konstant erhalten bleibt. Um es einfach zu erklären: Die Venen verlaufen dort parallel zu den Arterien. Die Arterien transportieren warmes Blut aus dem Herzen in die Pfote und geben die Wärme an die benachbarten Venen ab. Da das arterielle Blut abgekühlt ist, wenn es die Pfoten erreicht, geht weniger Wärme über die Pfoten an die Umwelt verloren. In der gleichen Weise, wie sich kühles Blut der Venen in der Pfote erwärmt, erhält es bei der Rückkehr zum Herzen die nötige Körperkerntemperatur. In anderen Worten, Hunde haben kalte Pfoten, aber auch ein warmes Herz. Dieses einzigartige Kreislauf-Design ist nicht in Katzenpfoten vorhanden, sodass man davon ausgehen kann, dass diese empfindlicher auf kalte Temperaturen reagieren.

Und natürlich sollten auch die Winterhund-Rassen (Alaskan Malamute, Alaskan und Siberian Husky) nicht für längere Zeit in der Kälte gelassen werden, weil alle Hunde anfällig für Unterkühlung und Erfrierungen sind.


Sind Hundeschuhe im Winter sinnvoll?

Trotz der Forschungsergebnisse bedeutet es aber nicht, dass jeder Hund geeignet ist, längere Zeit mit seinen Pfoten auf dem Eis zu laufen. Da muss man vorsichtig zu sein. Winterschuhe mögen viele Hunde nicht gern tragen. Doch die praktischen Schützer dienen mehreren Zwecken, angefangen von zusätzlicher Isolierung, sie vermeiden das sich Eisklumpen und Schmutz zwischen den Ballen festsetzen und als Schutz gegen Streusalz auf Gehwegen. Auch die Hunde in den zermürbenden Iditarod-Hundeschlitten-Rennen quer durch Alaska tragen Booties, um durch Eis und Schnee verursachte Abschürfungen zu vermeiden.

 

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