Warum attackiert ein kleiner Hund doppelt so große Artgenossen?

Warum attackieren kleine Hunde größere HundeMan freut sich auf einen angenehmen Spaziergang mit seinem Chihuahua, und das nächste, was passiert, ist, dass er wie verrückt an seiner Leine zieht – Zähne gebleckt – und will auf den entgegenkommenden Deutschen Schäferhund losgehen.

Ein tierischer Napoleon-Komplex

Dieses fast selbstmörderische Verhalten ist anscheinend ein gemeinsames Merkmal kleiner Rassen.

Offensive ist die beste Verteidigung, denken sich diese vielleicht. In der Regel finden die Kleinen die Großen schon wegen der körperlichen Masse unheimlich. Schnell wird ein Spiel zu grob oder die großen Vertreter rempeln die Kleinen einfach um. Wenn die Kleinen Angst bekommen, ist es ihr Instinkt, aggressiv zu reagieren. Einige kleinere Rassen, wie Terrier, zeigen von Natur aus eine Neigung zu heftigen Reaktionen.
Es fehlt ihnen eine ausgeprägte Impulskontrolle bzw. eine höhere Reizebene und sie neigen bei Angst zur Überreaktion.


Wie richtige Sozialisierung helfen kann

Die Halter sollten ihre Welpen im Alter von acht Wochen, sprich der Prägephase, sozialisieren und vielleicht in einer Hundeschule zur Welpengruppe anmelden. Es ist sehr wichtig, den Welpen zu sozialisieren, bevor er das Erwachsenenalter erreicht. Sie müssen lernen, wie man mit Artgenossen spielt – und entsprechend aus dem Spiel abgerufen werden, wenn die Situation beginnt zu eskalieren. Doch auch für einen erwachsenen Hund ist es nie zu spät, mit der Sozialisierung zu beginnen. Dazu kann man ihn während der Woche mit zwei oder drei gut erzogenen Hunden in Kontakt bringen.

Warum Impuls-Steuerung funktioniert

Wenn der Hund immer hochspringt, um Leckerlis zu bekommen und jammert, weil er nach draußen möchte oder schon aus der Haustür stürmt, um ins Auto zu kommen, dann fehlt ihm Impulskontrolle. Manche Besitzer bringen ihren Hunden bei, bis zum Startkommando geduldig sitzen zu bleiben. Dies hilft dem Hund auf zwei Arten: Er lernt, seinen impulsiven Instinkt zurückzustellen. Der Blick wird stattdessen auf ihre Besitzer gerichtet, der die Führung übernimmt, wenn plötzlich ein großer Hund auftaucht.
Wenn er auf Kommandos gut reagiert, darf er einen neuen Hund für ein paar Sekunden begrüßen, danach ruft man ihn bei Fuß. Der Hund wird verstehen, dass sein Besitzer die Kontrolle hat und es nichts zu befürchten gibt. Und der Rückruf kommt schon, bevor der kleine Hund beginnt, sich zu fürchten.

Die Ruhe bewahren

Was man auch immer in einer kritischen Situation tut, auf keinen Fall darf man an der Leine reißen und mit lauter Stimme „NEIN!“ schreien, wenn der Hund beginnt, auf ein größeres Tier zuzugehen. Das erhöht nur seine nervliche Anspannung. Es ist so, als wenn zwei Kontrahenten sich hoch konzentriert in einem Kampf gegenüberstehen, und man will einen von ihnen zurückhalten. Das erhöht im Endeffekt die Angriffslust.

 

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