Impfungen beim Hund: So viel wie nötig, so wenig wie möglich

„Impfungen
Zuviel ist ungesund – diese alte Volksweisheit trifft auch zu, wenn es um die medizinische Versorgung geht: Impfungen sind ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit, doch zu häufige und unnötige Injektionen können unsere Haustiere krank machen.


Die jährliche Impfroutine ist überholt

Den Tierärzten vertraut man und nimmt in der Regel alle Indikationen an, ob der Hund krank oder gesund ist, Nebenwirkungen der Impfstoffe werden in Kauf genommen. Doch seit dem Bekanntwerden gesundheitlicher Störungen nach Impfungen informieren sich immer mehr Tierhalter und entscheiden dann in gewissem Rahmen selbst. Grundsätzlich unterscheiden sich Pflichtimpfstoffe (Core-Impfungen) und Wahlimpfstoffe (Non-Core-Impfungen). Es dürfen nur gesunde Hunde dem Alter entsprechend geimpft werden.
Der erste Blick fällt auf den gelben nationalen oder den blauen EU-Heimtierausweis, der jedes Tier identifiziert und Einträge über verabreichte Impfung mit Datum, Gültigkeit und Praxis-Stempel enthält. Die Mindestvoraussetzung für grenzüberschreitende Reisen ist der gültige Schutz gegen Tollwut, nicht zwingend vorgeschrieben sind Impfungen gegen Staupe und Hundepanleukopenie. Das Paul-Ehrlich-Institut hat dazu im September 2014 eine Übersicht über die Immunitätsdauer der Tollwutkomponente in Impfstoffen veröffentlicht. Junge Hunde, die noch nicht geimpft werden dürfen, können gegebenenfalls nach den jeweiligen Einreisebestimmungen ohne Impfung einreisen. Etliche Kleintierpraxen suggerieren allerdings auch Hundehaltern, die zu Hause bleiben, immer noch die Notwendigkeit jährlicher Auffrischungs-Impfungen. Das wirtschaftliche Wohl ist der treibende Faktor, weniger die Sorge um die Tiere. Impfroutinen bei Hunden, Katzen und Frettchen (für diese Tiere ist der Heimtierausweis vorgeschrieben) ist nämlich die bedeutendste Einkommensquelle. Dabei wird verschwiegen, dass die Häufigkeit und die Vielfalt der Impfstoffe der Gesundheit schaden – traurig aber wahr, kranke Tiere sind die besten Kunden.


Impfschaden durch giftige Inhaltsstoffe?

SpritzeDie Pharmakonzerne haben natürlich kein Interesse an Aufklärung, so finden sich kaum Sponsoren, die Studien zu Impfschäden ermöglichen. Die verfügbare Datenmenge ist sehr gering, obwohl Veterinärpraxen Impfschäden aufzeigen sollen. Ein Zusammenhang mit dem Medikament wird nur innerhalb der ersten drei Tage nach Verabreichung in Erwägung gezogen, später nicht. Mediziner finden jedoch eine Menge andere mögliche Auslöser, wie beispielsweise Futtermittelallergie oder organische Erkrankungen, deren Behandlung wiederum Einnahmen sichern.
Impfstoffe für Menschen und Tiere sind in vielen Punkten identisch zusammengesetzt. Sie enthalten starke Giftstoffe wie die Quecksilberverbindung Thiomersal, die das Nervensystem schädigen kann. Aluminiumhydroxid, ein weiteres Nervengift, kann sich von der bekannten Gewebeverhärtung an der Einstichstelle aus zu tödlichem Krebs entwickeln. Fremdproteine, Antibiotika, Formaldehyd finden sich ebenso wie Öladjuvantien (Wirkungsverstärker), die im Krankheitsbild Lupus erythematodes das Immunsystem gegen körpereigene Zellen richtet und Rheuma sowie Arthritis auslösen. Der eigentliche Zweck, eine erwünschte Bildung von Antikörpern, schlägt ins Gegenteil um. Schon auffällig ist die Häufung von Autoimmunkrankheiten, die verursacht werden durch das aus der Balance gebrachte natürliche Abwehrsystem. Typische Symptome werden mit Impfungen in Verbindung gebracht:

  • Hautallergien, Haarausfall an der Injektionsstelle, Juckreiz
  • Entzündung der Blutgefäßwände, Verfärbungen des Fells
  • Koordinationsstörungen, Unruhe, Benommenheit
  • Durchfall, Erbrechen, Atemnot
  • Anschwellen des Kopfes, Schockzustände
  • absterbendes Gewebe, Anämie, Entzündung mehrerer Gelenke
  • bakterielle Infektionen, Schilddrüsenerkrankungen
  • Entzündungen an Harnwegen, Darm und Ohren

Weitere Impfungen

Nach einer Impfung gegen Canine Distemper Virus, kurz CDV werden zwei spezielle Nebenwirkungen bis zu 2 Wochen später beobachtet: Innere Blutungen, die sich durch Nasenbluten bemerkbar machen, können mit Glück medikamentös zum Stillstand gebracht werden, doch eine Gehirnentzündung aufgrund dieser Viren verläuft meist tödlich. Die Grundimmunisierung gegen die nach ihrem Entdecker benannte Carrésche Krankheit ist sinnvoll, doch die jährliche Wiederholungsimpfung ist absolut überflüssig. Zu Impfungen gegen Borreliose, die durch infizierte Zecken übertragen wird, heißt es im Leitfaden des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte: „Der verfügbare Impfstoff enthält einen in Europa isolierten Stamm von Borrelia burgdorferi sensu stricto. In Deutschland gibt es jedoch vorwiegend andere Borrelien-Spezies, gegen die keine ausreichend schützende Kreuzimmunität induziert werden kann.“Ebenso verhält es sich mit der Schutzimpfung gegen Leptospirose und Zwingerhusten, die Erreger mutieren kontinuierlich und das Serum wird schlecht von den Tieren vertragen. Daher sollte nur bei echtem Risiko gegen diese beiden geimpft werden. Und eine Tetanus-Impfung empfehlen Veterinäre besorgten Haltern, wohlwissend, dass bei Carnivoren Tetanus so gut wie gar nicht vorkommt. Es kommt auch vor, dass ein Hund sich gerade die Krankheit zuzieht, gegen die er geimpft wurde. Wie kann das sein? Es gibt verschiedene Erregerstämme, die sich gegen Impfstoffe immunisiert haben und sich dauernd verändern. Ein Impfstoff wirkt also gegen Erreger, die gar nicht vorhanden sind. Vor der Injektion sollte das Blut auf bereits vorhandene Antikörper untersucht werden, denn bei Immunität kann das Serum eine Erkrankung auslösen, die ohne Impfung nicht ausgebrochen wäre. Ein weiteres Risiko besteht bei der Produktion von Lebendimpfstoffen. Gelangt eine Charge mit zu stark „verdünnten“ Impfstoff in den Verkehr, ist er wirkungslos. Zu stark dosierter Impfstoff hingegen führt zu Erkrankungen des Hundes.

Welpen impfen

Welpen impfenWenn Welpen mehrmals nacheinander geimpft werden, bauen sich die Abwehrstoffe immer weiter auf, glauben viele Besitzer. Das ist leider nicht der Fall. Der wahre Grund ist, man kann nicht eindeutig sagen, wie lange der Welpe mit den natürlichen Antikörpern ausgestattet ist. Der sogenannte Nestschutz wird vom Muttertier an die Jungen weitergegeben. Sind noch ausreichend körpereigene Abwehrstoffe vorhanden, wird der Impfstoff neutralisiert. Es werden keine neuen Antikörper gebildet und das Immungedächtnis bildet sich nicht aus. Jeder kann sich im Internet über die Wirkungsdauer des Präparats anhand des Beipackzettels informieren. In unserem Beispiel geht es um Novibac SHPPi der Firma Intervet.
Trotz der bekannten, starken Belastung des Organismus, werden Hunde mehrfach mit den heute üblichen Kombipräparaten gespritzt. Einzelne Impfungen wären weitaus verträglicher. Einer britischen Studie zufolge können besonders die dreimal nacheinander verabreichten Sechsfachimpfungen für Welpen chronische Krankheiten, Epilepsie und Autismus auslösen. Die Buchstabenfolgen der im Heimtierausweis eingeklebten Etiketten geben genauen Aufschluss über die Präparate. Routinemäßig verabreicht wird beispielsweise SHPPI/LT, entschlüsselt heißt das (S) Staupe, (H) Hepatitis, (P) Parvovirose, (PI) Parainfluenza = Zwingerhusten, (L) Leptospirose und (T) Tollwut. Die Schutzdauer einer Impfung mit Lebendimpfstoff gegen SHP/Pi hält 15 Jahre vor, also die gesamte Lebensspanne eines Hundes. Wen wundert es noch, dass der Hund nach diesem Cocktail den Rest des Tages nur noch schlafen will. Die Geschichte des kleinen Goli wird so manchem Hundehalter ans Herz gehen…doch man sollte sie lesen, denn schlimmstenfalls kann man eines Tages selbst betroffen sein.

Neue Richtlinien des WSAVA

Der Weltverband der Kleintierärzte (World Small Animal Veterinary Association, WSAVA) hat im Mai 2013 neue Richtlinien zur Welpenimpfung veröffentlicht. Grundsätzlich wird die Grundimmunisierung gegen CDV, Hepatitis und das Canine Parovirus empfohlen, die Tollwutimpfung (am besten nach dem Zahnwechsel) ist Pflicht. Im Alter von 14-16 Wochen sollte die letzte Impfung erfolgen, wobei danach 98% der geimpften Welpen eine jahrelange, wahrscheinlich lebenslange Immunität aufweisen.
ACHTUNG


Falls ein Hund ohne gültige Tollwutimpfung einen Menschen beißt oder mit anderen Hunden aneinandergerät, kann die Einschläferung gerichtlich angeordnet werden – auch wenn er sich nur gewehrt hat oder provoziert wurde.

Sämtliche nachfolgenden Auffrischungsimpfungen wären damit wirkungslos und überflüssig. Und der Vermerk des Herstellers „alle drei Jahren empfohlen“ bedeutet mindestens drei Jahre lang garantierter Schutz, jedoch nicht alle drei Jahre eine Wiederholungsimpfung. Die tatsächliche Schutzdauer geben die Hersteller weit länger an. Um sicherzustellen, dass der eigene Welpe nicht zu den ungeschützten 2% gehört, können CDV/Parvovirose-Antikörper über Titerbestimmungen (Bluttest) nachgewiesen (Hepatitis kommt so gut wie nie vor) werden oder alternativ ein Jahr nach der Verabreichung die Impfung aufgefrischt werden. Medizinische Studien ergaben, dass auch Tiere mit niedrigem oder nicht nachweisbarem Antikörperspiegel (Titer) bei Kontakt mit Erregern nicht erkrankten. Das bedeutet, ein Immunsystem erinnert sich auch viele Jahre nach einer Impfung an den Krankheitsauslöser und wird mit ihm fertig.


Schonende Immunisierung

Es ist unbestritten, die altersgerechte, ausgewogene Ernährung und artgerechte Haltung bilden zusammen mit richtiger Stärkung der Abwehrkräfte die beste Voraussetzung für ein langes und gesundes Hundeleben. Gut informierte Welpenbesitzer können den Veterinär daher bereits vor dem Impftermin um zwei Dinge bitten: Erstens, ein Kombipräparat aus zwei Impfstoffen gegen Parvovirose und Carrésche Krankheit zu verabreichen. Kann dieses nicht beschafft werden, ist die Kombination CDV, Parvovirose und Hepatitis geeignet. Und zweitens: Bei dem Eintrag (auch für den Tollwutschutz) muss in den Heimtierausweis entsprechend der Wirkungsdauer drei oder mehr Jahre eingetragen werden. Möchte der Veterinär nur eine einjährige Frist vermerken und den Beipackzettel des Präparats nicht zeigen, steht wohl ein Wechsel der Praxis an – nur nicht ins kalte Wasser springen und sich wider besseren Wissens überreden lassen.

 

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