Yorkshire Terrier

„YorkshireDer Yorkshire Terrier schaut auf eine einzigartige Karriere in seiner Heimat Großbritannien zurück. Er stieg vom Rattenbeißer armer Leute zum verwöhnten Luxushund der Oberschicht auf. Heute sind die hübschen Begleithunde in der ganzen Welt beliebt.


Die Herkunft der Yorkshire Terrier

Sicher ist, dass die Vorläufer der späteren Yorkshire Terrier ursprünglich aus Schottland stammen. Dort lebten sie bei Webern, Spinnern Bergleuten oder Fabrikarbeitern als Gebrauchshunde, die zur Jagd auf Mäuse und Ratten eingesetzt wurden. Da die Hunde wesentlich größer als die heutigen Yorkshire Terrier waren, brachten sie zur Freude der einfachen Leute ab und zu sogar ein Kaninchen mit nach Hause. Das Aussehen war bis dato uneinheitlich und ihre Ohren wurden kupiert.

Beginn der gelenkten Zucht

Zur Zeit der Industrialisierung in Großbritannien zogen viele Arbeiter aus dem Norden in die Grafschaften Yorkshire und Lancashire, um Arbeit in den großen Fabriken zu finden, die ihrem bisherigem Leben in Armut ein Ende setzte. Die Hunde nahmen sie mit sich und aus Aufzeichnungen geht der Beginn einer gelenkten Zucht mitte des 19. Jahrhunderts hervor. Der Überlieferung nach wurden Scotch Terrier, Clydesdale Terrier, Waterside Terrier, Dandie Dinmont Terrier und der Paisley Terrier, eine Linie des Skye Terriers, eingekreuzt. Das lange seidige Haar soll von Maltesern stammen, die britische Seefahrer von ihren Reisen ins Mittelmeer mitbrachten. Auch die aufstehenden Ohren wurden in dieser Zeit gezüchtet. Ihren Namen erhielt die neue Rasse 1886 nach der neuen Heimat, der Grafschaft Yorkshire.

Anerkennung der Rasse

Die Reinzucht der Yorkshire Terrier aus den verschiedenen Terrier-Arten hatte eine Verkleinerung zur Folge. In der Anfangszeit wurden diese Hunde noch unter verschiedenen Namen, z.B. Halifax-Terrier, auf den Ausstellungen geführt. Die offizielle Anerkennung erhielt die neue Rasse vom Kennel Club um 1860, wobei der Name nach der neuen Heimat, der Grafschaft Yorkshire, benannt wurde. Schon bald erfreuten sich die hübschen, kleinen „Yorkies“ großer Beliebtheit bei der reichen Oberschicht, die die kleinen Hunde als Statussymbol entdeckten. Bei jeder Gelegenheit wurden sie als Schoßhund mitgenommen und in den heimischen Salons als lebende Dekoration gehalten – ein Trend, der sich bis in die heutige Zeit erhalten hat. Die Beliebtheit der Yorkshire-Terrier in den USA begann ab ca. 1930 und Kontinentaleuropa eroberte die Kleinrasse ebenso im Handstreich.

Modehund „Yorkie“

Seit 1912 werden in Deutschland Zuchtbücher geführt, doch der erste Boom erreichte Anfang der 1970er Jahre seinen Höhepunkt. Damals war diese Rasse noch relativ unbekannt, im Jahr 1960 wurden 250 Welpen registriert. Die Zahl des VDH belief sich auf 606 Geburten im Jahr 2011 bei einer Gesamtpopulation von 36.000 registrierten Tieren in Deutschland. Viele zukünftige Halter, die so einen kleinen süßen Hund sehen, sind oftmals der Übererzeugung, das sich ein Yorkshire Terrier aufgrund seines Formats auch entsprechend weniger Ansprüche als ein großer Hund habe und pflegeleichter ist. Das ist höchstens bezüglich der Futtermenge der Fall, ansonsten gibt es keine Unterschiede: Bei andauernder Unterforderung und fehlendem Kontakt zu anderen Hunden entlädt er oftmals seinen Frust mit Dauerbellen oder schnappt blitzschnell mit seinen nadelspitzen Zähnen zu, was ihm aus seiner Vergangenheit als Jagdhund im Blute liegt. Auch was die Pflege des Fells anbelangt, ist der Aufwand nicht zu unterschätzen.

Hände weg von „Minis“

Ein bedenklicher Trend führt zu immer kleineren Hunden, auch bei anderen Zwerg-Rassen als dem Yorkshire Terrier. Geschäftemacher, die sich oft auch noch als Züchter ausgeben, verdienen zurzeit das schnelle Geld mit „Minis„. Die meist aus osteuropäischen oder britischen Hundefabriken billigst importierten Welpen werden schon oft nach sechs oder sieben Wochen von der Mutter getrennt, um dann so schnell wie möglich als Minis teuer verkauft zu werden, bevor das einsetzende Wachstum die Welpen finanziell uninteressant macht. Die Kunden erfahren nichts über die Herkunft der Hundebabys, züchterisch herbeigeführte Erkrankungen werden verschwiegen. Der Kiefer kann zu klein für nachwachsende Zähne sein und eine aufwendige Zahnbehandlung wird fällig oder die Tiere leiden ununterbrochen, weil das Gehirn zu groß ist für den klein gezüchteten Schädel, ganz zu schweigen von Atem-, Augen- und Skeletterkrankungen. Alles bringt neben immensen Kosten auch sehr viel Leid für den Halter mit sich, wenn dem Welpen trotz Behandlungen beim Tierarzt nicht mehr geholfen werden kann. Bei seriösen Züchtern hingegen können sich potenzielle Kaufinteressenten ein Bild von der Haltung und dem Zustand der Welpen machen.

Körperbau und Haarkleid

Der Kopf ist relativ klein und nicht besonders gerundet. Die relativ nahe zusammenstehenden Ohren sind mit kurzem Haar bedeckt und werden leicht v-förmig, aufrecht stehend getragen. Die mittelgroßen Augen weisen dunkle Lidränder auf und die Nase-Kieferpartie ist nicht zu lang gezogen. Der Körperbau wirkt mit schmalem Hals, mäßig gewölbtem Brustkorb und geradem Rücken kompakt, aber elegant. Die geraden Beine münden in runde Pfoten mit schwarzen Nägeln. Die üppig mit langem Haar befederte Rute wird halbhoch getragen. Die Farben des Yorkies sind nach Rassestandard Blue & Tan. Dunkel stahlblaues Haar reicht vom Nacken bis zum Ende der Kruppe, die Rute ist noch eine Nuance dunkler behaart. Dieser Bereich sollte nicht mit helleren oder dunkleren Strähnen durchsetzt sein. An Kopf, Fang und die Brust wachsen lange, strahlend goldbraune Haare, die an der Wurzel leicht dunkler gefärbt sind als an den Spitzen. Die Haarspange hat den Zweck, Augenreizungen vorbeugen. Die Pfoten weisen ebenfalls Tan-Färbung auf. Yorkshire Terrier kommen mit schwarzem Fell auf die Welt, dessen Farbe sich in den nachfolgenden Lebenswochen ändert. Ein durchgehender Scheitel teilt die mittellange, feine und seidige Behaarung am Körper. Da kein Haarwechsel auftritt, verliert der Yorkie relativ wenige Haare und ist daher für viele Hundehaarallergiker eine geeignete Rasse. Da sich kaum lose Hautschuppen im Fell befinden, wird bei Feuchtigkeit der typische Hundegeruch weitgehend vermieden.

Der Charakter des Yorkshire Terriers

Als Wohnungshund meldet er jeden Besuch unüberhörbar an und schon bei dem kleinsten Geräusch an der Haustüre kommen seine Qualitäten als Wachhund richtig zur Geltung, eben typisch Terrier. Der Yorkie ist kein Schoßhund, sondern ein temperamentvoller Jäger mit einem gewissen Hang zur Dickköpfigkeit, daher ist von Anfang an eine feinfühlige, aber konsequente Erziehung erforderlich. Schüchtern ist er bei Kontakt mit anderen Hunden nicht, sondern tritt sehr selbstbewusst auch gegenüber großen Artgenossen auf. In seiner Familie ist er freundlich und anpassungsfähig, Fremden begegnet er mit anfänglichem Misstrauen. Mit größeren Kindern kommt er gut aus, jedoch sollten Erwachsene das Zusammensein mit Kleineren immer im Auge behalten, da ein Yorkie sehr fragil gebaut ist. Seine täglichen Spaziergänge liebt er und zeigt Ausdauer beim Laufen. Abwechslungsreiche Sportarten wie Agility oder Obedience lasten den quirligen Yorkie konditionsmäßig und mit Kopfarbeit gut aus, sodass er zu einem anhänglichen Begleiter mit ausgeglichenem Wesen wird.

Die Gesundheit

Einige rassespezifische Erkrankungen sind bei Yorkshire Terriern bekannt. Die Verdauung ist sensibel, daher sollte ausschließlich hochwertiges Futter gegeben werden und bei guter Verträglichkeit möglichst nicht gewechselt werden (auch wenn der Yorkie ein mäkeliger Fresser ist). Richtige Ernährung, dazu zählen auch Lekkerlis wie Hundekekse oder Trockenfleischprodukte, können später auftretender Nierendysplasie und Blasensteinen vorbeugen. Daneben können unverträgliche Futterbestandteile Hautallergien auslösen. Die Augen können altersbedingt Katarakte, Progressive Retina Atrophie (PRA) ausbilden, ferner kann Keratokonjunktivitis sicca, ein „trockenes Auge“ auftreten. Vor allem im mittleren Lebensabschnitt kann es zu einem Trachealkollaps kommen, dem Zusammenfallen der Luftröhre. Die Ursachen hierfür können genetisch bedingt sein und durch Allergien oder Infektionen ausgelöst werden. Die Erweichung der knorpeligen Aufhängung der Luftröhre wird zudem durch fortdauerndes Ziehen an der Leine begünstigt, daher ist ein Geschirr anstelle eines Halsbandes empfehlenswert.

 

Der Yorkshire Terrier im Überblick
    • Herkunft: Großbritannien
    • FCI Rasse-Standard 86, Gruppe 3, Sektion 4: Zwerg-Terrier
    • Größe: klein
    • Widerristhöhe: ca. 20 cm
    • Gewicht: 2,5 – 3 kg
    • Fellfarbe: Rücken dunkles Stahlblau, Brust hellbraun
    • Augenfarben: Dunkelbraun
    • Einsatz: Gesellschafts- und Begleithund
    • Charakter: lebhaft, bellfreudig, selbstbewusst
    • Gesundheitsrisiken: Blasensteine, empfindliche Verdauung, Augenerkrankungen
    • Lebenserwartung: ca. 10 – 15 Jahre

 

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