West Highland White Terrier

„WestDer West Highland White Terrier mit seinem anmutigen Aussehen und den ausdrucksstarken Knopfaugen ist kein Schoßhund, auch wenn er das kleine Format hat. Schon vor Jahrhunderten schätzte man die energiegeladene Rasse als blitzschnellen Jagdhund und furchtlosen Wachhund mit ausgeprägtem Schutzinstinkt. Seine Intelligenz bringt der Westie heutzutage genau so ein, wenn er versucht, seinen Menschen mit Kunststückchen und göttlicher Unschuldsmine um den Finger zu wickeln – vielleicht ist das der Grund für seine große Beliebtheit?

Die Herkunft des West Highland White Terriers

Das Schottische Hochland und dessen vorgelagerte Inseln, die Hebriden, ist die Heimat der verzweigten Terrier-Familie. Bereits vor Beginn des Mittelalters hielten Scottish Terrier, Dandie Dinmont, Skye Terrier und Cairn Terrier die Vorratskammern und Viehställe frei von Ratten und anderen Schädlingen. Ebenso wurden die flinken Hunde für die Jagd auf Hasen und Dachse eingesetzt. Allen Arten gemeinsam war der kompakte Körperbau und die große Wachsamkeit.
Die rotbraune Fellfarbe stand in den Augen der Bauern und Edelleute als Attribut für Stärke und jagdliche Eignung, mit weißem Fell geborenen Welpen sprach man hingegen alle nützlichen Eigenschaften ab und ertränkte kurzerhand alle Nachkommen mit dem unerwünschten Aussehen. Erst dreihundert Jahre später sorgte ein schicksalhafter Vorfall für ein Umdenken, als Colonel Edward Donald Macolm bei der Jagd seinen eigenen Terrier erschoss, da er ihn für einen Fuchs im Unterholz hielt. Tief betroffen über den Verlust seines Lieblingshundes entschloss sich Macolm, aus den hellsten Cairn Terriern Hunde mit weißem Haarkleid zu entwickeln, um künftige Verwechslungen auszuschließen und die Sichtbarkeit im Gelände und bei Dunkelheit deutlich zu verbessern. Was das Temperament, die Fähigkeiten und Leistung betraf, stand Macolms neue Züchtung den braunen Terriern in nichts nach.

Die neue Rasse wird anerkannt

Malcoms Zucht war anfangs unter den Namen Roseneath Terrier und Poltalloch Terrier, nach dessen gleichnamiger Heimatstadt, bekannt. Auf einem früheren Gemälde von 1839 sind bereits Vorläufer der späteren West Highland White Terrier abgebildet, doch erst 1904 präsentierte der Schottische Kennel Club in Edinburgh den Besuchern seiner Hundeshow die neue Varietät. 1905 ist das Gründungsjahr des ersten West Highland White Terrier Clubs und der Rassestandard wird festgelegt. Als Präsident wird Colonel Macolm of Poltalloch, Begründer und Namensgeber der Rasse, ernannt. Das erste offiziell als West Highland White Terrier registrierte Exemplar war die 1906 in England geborene Hündin Sky Lady. Im Jahr darauf fand die Anerkennung als eigenständige Rasse im Englischen Kennel Club statt und der endgültige Name wurde festgelegt. Der Rassestandard ist bis heute fast unverändert, doch das Aussehen der Terrier hat sich enorm gewandelt.
Zur gleichen Zeit, um 1905, kamen die ersten Westies nach Amerika. Der Amerikanische Kennel Club erkannte 1908 die Rasse Roseneath Terrier als Mitglied der Terrier-Gruppe an. Im Mai 1909 änderte man die Bezeichnung in West Highland White Terrier. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts mauserten sich die kleinen, weißen Hunde mit dem freundlichen Blick zum Modehund und in den USA brachten sie es zur begehrtesten Rasse überhaupt.

Körperbau und Haarkleid

Die Kopfform ist rund, gewölbt und weist einen ausgeprägten Stopp auf. Dreieckig, recht klein und aufrecht getragen werden die Ohren. Von den weit auseinanderliegenden, nicht hervortretenden Augen bis zum relativ großen Nasenschwamm läuft der Fang schmal zu. Der kräftige Kiefer ist mit einem Scherengebiss bestückt, dessen Biss Raubzeugschärfe aufweist. Eine ausreichend lange, muskulöse Halspartie ermöglicht die erhobene Kopfhaltung im rechten Winkel zur Halsachse, der Übergang in die zurückliegenden Schultern verläuft übergangslos. Das kompakte Gebäude ist mit geradem Rücken und tiefer Brust wird von kräftigen Gliedmaßen getragen, wobei die Vorderläufe größer sind als die Hinterpfoten. Die Rute darf 13 – 15 cm lang sein und sollte so gerade wie möglich getragen werden. West Highland White Terrier besitzen ein doppeltes Haarkleid aus ca. 5 cm langen, harschen Deckhaaren und dichter, pelzartiger Unterwolle. Die Ohren und die Rute sind mit kurzem Haar bedeckt und sollten nicht befedert sein. Die Fellfarbe ist durchgehend reinweiß. Dunkle Verfärbungen am Maul, unter den Augen oder an den Pfoten werden durch karotinhaltiges Hundefutter hervorgerufen. Im Fachhandel gibt es spezielles Futter für weiße Rassen, oder man muss die Inhaltsstoffe anderer Sorten auf Karotten, Tomaten und rote Bete kontrollieren.

Trimmen oder Scheren?

Mit einer Schur für den Sommer möchten manche Westiebesitzer ihrem Tier die warme Jahreszeit erträglicher machen. Vor allem, wenn der Liebling gern ins Wasser geht, liegt der praktische Nutzen augenscheinlich auf der Hand, denn das mühselige Entwirren und Kämmen entfällt. Die gleichen Hundehalter trifft man wahrscheinlich später im Wartezimmer des Tierarztes wieder, wenn der Liebling an Ekzemen oder anderen Hautproblemen erkrankt ist. Vielleicht hat der Halter schon Allergikerfutter gekauft, das gegen den Juckreiz keine Besserung gebracht hat, denn die wahre Ursache der Beschwerden ist oftmals die Schur. Tote Unterwolle und Deckhaar verliert der Westi nicht, sie verbleiben in der Haut. Beim Scheren wird zwar das Haarkleid gekürzt, doch nicht ausgedünnt – infolge dessen verdichtet sich die Unterwolle immer mehr. Die Haut kann durch diesen Filz nicht mehr atmen, nachwachsendes Haar erstickt und bildet sich später gar nicht mehr. Das so erzeugte feuchtwarme Klima wird zum idealen Nährboden für Pilze und Keime aller Art. Die rassetypische Struktur des Fells wird ebenso zerstört, es kann plüschig weich und wellig werden.

West Highland White Terrier gehören zu den harthaarigen Hunderassen mit doppeltem Fell. Die Unterwolle wärmt, das harte Deckhaar schützt vor Umwelteinflüssen. Da kein Fellwechsel stattfindet, muss abbestorbenes Haar entweder von Hand ausgezupft oder mit einem speziellen Trimmmesser entfernt werden. Das tut nicht weh und die Technik ist sozusagen der Natur abgeschaut. Zu der Zeit, als der Westie in Schottland zur Jagd eingesetzt wurde, lief das Trimmen auf natürliche Art ab: Beim Durchstreifen des Geländes blieben oft ganze Fellbüschel im Unterholz oder an Dornenbüschen hängen. Heute ist etwa alle drei Monate der Besuch beim Hundesalon angesagt, wo der Westie fachmännisch getrimmt wird. Bei regelmäßiger Pflege haart der Terrier nicht, das soll heißen, tägliches gründliches Bürsten ist notwendig. Zu häufiges Baden ist eher nicht empfehlenswert, da die Shampoobestandteile den Säureschutzmantel der dünnen Haut angreifen und das Fell auflockern: Nur die geschlossene Haardecke schützt den Hund vor Regen und Kälte. Ebenso geht der Lotoseffekt verloren, denn entfettetes Haar verschmutzt viel schneller.

Wesen und Charakter des Westies

Diese kleine „große“ Persönlichkeit hat alles, was das Wesen eines Terriers ausmacht: Sie ist selbstbewusst, couragiert, neugierig, furchtlos und hartnäckig. West Highland Terrier sind für die Wohnungshaltung gut geeignet, doch brauchen sie viele Spaziergänge und interaktive Spielzeit. Sie sind sehr neugierig und lieben es, in alle Aktivitäten im Haushalt eingebunden zu werden. Überall kriecht der Westie herein (ein Relikt der Vorzeit, wo er in Hasen- und Dachsbauten eindrang) und nachdem er den gesamten Schrankinhalt ausgeräumt und inspiziert hat, springt er auf seinen Fensterplatz, um die Geschehnisse in der Nachbarschaft zu beobachten. Wie alle Terrier sind Westies ausgezeichnete Wachhunde, die das kleinste Geräusch durch Bellen melden und mit erhobener Stimme wird auch jeder Besuch empfangen. Als leidenschaftlich kann man den Jagdtrieb der Westies bezeichnen, der besonders bei Spaziergängen hervorkommt, wenn sich etwas in der Nähe bewegt. Familien, die auf dem Land wohnen, haben dafür garantiert keine Mäuse im Garten. Es kann jedoch durchaus passieren, das der Hund seinen Menschen die Beute ins Haus bringt und als Geschenk vor die Füße legt. Das Einfangen verbindet der Westie mit seiner zweiten Leidenschaft, dem Buddeln im Erdreich. Gartenbesitzer sollten das mit einkalkulieren und die heimische Anlage möglichst hundegerecht gestalten. Ballspiele und Apportieren lenken die Aufmerksamkeit des Westies auf angenehmere „Spielzeuge“. Mit anderen Hunden kommen die Terrier gewöhnlich gut aus und spielen gern mit etwas größeren Kindern. Er ist ein vielseitiger Hund, der für Einzelpersonen und Familien eine wahre Bereicherung ist.

Die Gesundheit

Der West Highland White Terrier besitzt grundsätzlich eine robuste Gesundheit, doch bei zwei seltenen Erkrankungen schafft nur eine Operation Abhilfe: Vor der Vollendung des ersten Lebensjahres kann die erblich bedingte Perthes-Calvé-Legg-Kranheit auftreten, die sich durch Lähmungserscheinungen am Bein bemerkbar macht. Die Cranio-mandibuläre Osteopathie, eine schmerzhafte Knochenerkrankung des Schädels, zeigt sich durch Unbeweglichkeit des Unterkiefers. Häufiger treten Fehlbildungen des Kiefers oder Fehlstellung der Zähne, Leberprobleme und Allergien auf. Zu den rassetypischen Erkrankungen gehören Hautprobleme mit Ausschlag und Juckreiz sowie die Kniescheibenluxation.

 

Der West Highland White Terrier im Überblick
    • Herkunft: Großbritannien
    • FCI Standard Nr. 85, Gruppe 3 Terrier Sektion 2: niederläufige Terrier
    • andere Namen: Westie, Weißer Hochlandterrier, Roseneath Terrier, Poltalloch Terrier
    • Widerristhöhe: ca. 28 cm
    • Gewicht: Rüde und Hündin 7 kg – 10 kg
    • Haarkleid: ca. 5 cm langes, glattes Deckhaar mit dichter Unterwolle
    • Fellfarbe: einfarbig reinweiß
    • Augen: dunkelbraun
    • Ohren: klein, spitz zulaufend, aufrecht getragen
    • Körperbau: kräftig, kompakt
    • Einsatz: Begleithund, früher Jagdhund
    • Charakter: aktiv, selbstbewusst, freundlich, wachsam
    • Gesundheitsrisiken: Cranio-mandibuläre Osteopathie, Kniescheibenluxation, Lebererkrankungen, Kiefermissbildungen, Allergien
    • Lebenserwartung: ca. 13 – 15 Jahre

 

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