Deutscher Spitz

„DeutscherDer Deutsche Spitz, eine der ältesten und bis heute ursprünglichsten Hunderassen, gehörte auf dem Lande zum täglichen Straßenbild. Sein angezüchtetes Verhalten im Arbeitseinsatz als Wachhund kollidierte allerdings zu Unrecht mit dem als Familienhund, sodass aufgrund hartnäckiger Vorurteile momentan zwei der fünf Spitz-Varietäten auf der Liste gefährdeter Rassen stehen.

Die Herkunft der Deutschen Spitze

Spitzartige Rassen lebten schon in der Steinzeit in menschlichen Siedlungen. Dieses belegen die rund 5000 Jahre alten Hundeskelette, die mittelgroßen Spitzen in Körperbau und Größe nahe kommen. Theophil Studer, Zoologe und Kynologe, stellte nach intensiver Untersuchung der Funde 1901 seine Abstammungstheorie über die Ähnlichkeit mit den modernen Spitzen auf. Man sprach von „Pfahlbauspitzen“, die aufgrund spezifischer Schädelformen als direkte Vorläufer von Schnauzer, Spitz und Terrier angesehen wurden.
Im Mittelmeerraum sieht man auf antiken Mosaiken, Tonwaren und Münzen spitzähnliche Hunde, und auch außerhalb Europas im pazifisch-asiatischen Raum bis hin nach Madagaskar existieren entsprechende Darstellungen, die schätzungsweise 4.000 v.Chr. entstanden.
Eine andere Theorie besagt, dass der Spitz aus Skandinavien stamme und die Wickinger ihn mit den Schiffsreisen durch Europa verbreiteten. Grundlegende Indizien hierfür sind das witterungsunempfindliche Fell mit der dicken Unterwolle sowie Felszeichnungen aus der Bronzezeit in Dänemark und Norwegen. Es scheint Verwandtschaft mit Samojeden, norwegischen Elchhunden und den niederländischen Keeshonden zu geben.
Aufsehen erregte 1953 Hermann Albers Fund einer prähistorischen Hundemumie im Moor bei Burlage Niedersachsen. Die erste Untersuchung des Körpers mittels der C14-Methode ergab ein Alter von rund 3000 Jahren. Der Begriff „Torfspitz“ entstand. Eine erneute Radiokarbonbestimmung im Jahre 2009 datierte die Lebenszeit dieses Torfhundes um 1600. Sein Körperbau ähnelt eher dem Hovawart, das Haarkleid hingegen entspricht einer spitzartigen Rasse. Das Fossil befindet sich im Geomuseum der WWU Münster.
Ebenso im Jahre 2009 erarbeitete die Wissenschaftlerin Heidi Parker eine Landkarte, auf der anhand der Genetik abzulesen ist, wie nahe eine Hunderasse mit Wölfen verwandt ist. Demnach gibt es kaum Übereinstimmungen, was den angeblich Jahrtausende alten Torfhund betrifft. Die Forscherin schlussfolgert daraus, das die bekannten europäischen Hunderassen allesamt nach 1800 durch züchterische Auswahl entstanden sind.


Der niederländische Nationalhund

Die Vorfahren verschiedener Spitz-Schläge wurden seit dem Mittelalter überall gehalten, um Haus und Hof zu bewachen, denn sie blieben ohne angebunden zu sein an ihrem Platz und streunten nicht in der Gegend herum. Größte Anerkennung fand die Rasse in den Niederlanden. Um 1781 kam es zu politischen Unruhen, bei der sich die Patrioten „Keezer“ gegen die konservative, königstreue Oranier-Partei stellte. Anführer der Patrioten war Cornelius de Gyselaar. Er hatte einen grauen Spitz als ständigen Begleiter an seiner Seite. Das Wort „Kees“ ist ein Spitzname für Cornelius und auch der Ursprung des Namens Keeshond. Kees de Gyselaars Hund war ein Symbol der niederländischen Rebellen. Die Niederlage im politischen Kampf traf die Züchter hart, denn nach dem, was alles passiert war, wollte niemand mehr so einen Spitz haben. Viele Keeshonde wurden getötet und die wenigen Überlebenden verbrachten lange Zeit unter schweren Bedingungen als Hund der armen Leute.

Spitze im Laufe der Geschichte

Auch bei uns waren die großen grauen Spitze sehr verbreitet. Besonders häufig waren Wolfsspitze am Mittel- und Niederrhein vertreten, wo sie auf Bauernhöfen und als „Schifferspitze“ auf Frachtkähnen lebten. Im süddeutschen Raum hielten die großen, schwarzen „Weinbergspitzer“ Diebe fern und verscheuchten mit ihrem Gebell gleichzeitig die Vögel. Weiße Spitze bevorzugte man in Pommern: Pomeranian nennt man diesen Schlag im Ausland. Fuhrmannsspitze begleiteten Händler auf dem Wagen und bewachten die Ladung während der Abwesenheit ihres Herrn. In dieser Zeit verfasste Wilhelm Busch die Abenteuer von Max & Moritz, wo auch ein Spitz vorkam: Im 2. Streich weis die Witwe Bolte anscheinend ganz genau, wer der Übeltäter war: „Alle Hühner waren fort, „Spitz!“ das war ihr erstes Wort„. Meist waren Betitelungen in Zusammenhang mit dem Spitz verächtlich oder negativ gemeint. Auch die Hunde selbst bekamen die wenig schmeichelhaften Beinamen „Mistkläffer“ oder „Wadenbeißer“. Das Erste kam daher, weil Bauernhof-Spitze bevorzugt oben auf dem warmen Misthaufen saßen, um von dem erhöhten Standort die beste Übersicht übers Revier zu haben und jeden Ankömmling mit durchdringendem Bellen anzukündigen, so wie es ein guter Wachhund eben tut. Das Zweite hört sich hinterlistig an, doch es war eine effektive Strategie, fehlende Körpermasse auszugleichen. Falls ein Eindringling sich zur Wehr setzen sollte, minimiert der Biss von hinten das Verletzungsrisiko für den kleinen, höchst pflichtbewussten Hund erheblich.
Vorsicht, Wachsamkeit und blitzschnelle Reaktion: Das Familienspiel „Spitz pass auf“ ist ebenfalls eine Hommage an diese Hunderasse.

Die älteste Hunderasse Mitteleuropas

In kynetischen Büchern fanden die Spitze trotz ihrer großen Anzahl und Varietäten lange Zeit keine Beachtung. Der Adel konnte Spitze nicht für die Jagd abrichten und bevorzugten andere Rassen als Gebrauchshund. Ihre erste Erwähnung finden die Spitze 1450 in einem Erlass des Grafen Eberhard von Sayn, wo er das unter den Bauern gängige Schimpfwort „Spitzhund“ verbot. Ebenso wurde im Wien Anfang des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung für Kleinkriminelle, „Spitzbube“, von der enormen Wachsamkeit des Spitzes hergeleitet.
Der Wiederaufbau der Rasse Anfang des 20. Jahrhunderts ist größtenteils zwei engagierten Damen zu verdanken: Der Niederländerin Miss van der Blom und der Britin Mrs. Wingfield Digby. Beide Züchterinnen standen miteinander in Kontakt und tauschten Zuchttiere aus. Das Interesse an der Rasse erwachte langsam wieder und immer mehr ernsthafte Züchter im In- und Ausland fanden sich ein.

Deutsche Spitze in fünf Varietäten

Spitzähnliche Rassen findet man auf der ganzen Welt: den Akita, den Japan-Spitz, den Volpino Italiano, den American Eskimo Dog oder den Samojeden. Die Deutschen Spitze gibt es in fünf Varietäten und die Anerkennung der Rasse durch den FCI erfolgte am 01.01.1957 unter der Sektion Europäische Spitze. Hierzulande führt der 1899 gegründete Verein für Deutsche Spitze e.V. das Zuchtbuch und verfasst den weltweit gültigen Rassestandard, der zuletzt am 17.01.2013 aktualisiert wurde.

Der Wolfsspitz (Keeshond)

Seinem üppigen, silbergrauen Fell mit den schwarzen Haarspitzen verdankt die größte Ausführung Deutscher Spitze ihren Namen. Besondere Merkmale sind dabei die helle Augenumrandung, helle Läufe und ein heller Streifen, der hinter dem üppigen Kragen beginnend, auf der Rückenlinie verläuft. Deutsche Wolfsspitze waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa sehr verbreitet, so hielten auch die britischen Könige George III. und George IV. ihre Exemplare. Der erste Rassestandard für den Deutschen Wolfsspitz wurde 1880 auf der Berliner Hundeausstellung aufgestellt. In der ersten Anpassung 1901 erfolgte die Festlegung der typischen graugewolkten Fellfarbe. Das erste Zuchtbuch des VDH von 1913 verzeichnete 215 Deutsche Wolfsspitze, später gingen die Registrierungen rapide zurück: 1932 waren es 59 und 1936 nur 85 Welpen. Während und nach dem 2. Weltkrieg erfuhren die Deutschen Wolfsspitze wiederum einen rasanten Zuwachs, so erfolgten 1948 schon 1583 Neuzugänge. Es hat wohl damit zu tun, dass zu damaliger Zeit die Jägerschaft Ostpreußen Deutsche Wolfsspitze an Hundehalter abgab, deren Hunde beim Wildern erschossen wurden. Somit erholte sich der Wildbestand, da Deutsche Spitze keinen Jagdtrieb besitzen. Die Familien waren sehr zufrieden mit ihren neuen Hunden, da sie vielseitige und freundliche Begleit- und Wachhunde erhielten. Aktuell führt der Deutsche Wolfsspitz zusammen mit dem Kleinspitz die Welpenstatistik der fünf Varietäten an.
Im Ausland hat sich die Bezeichnung „Keeshond“ durchgesetzt. Es gab jahrelangen Streit unter europäischen Züchtern, die den kleiner und zierlicher gezüchteten Keeshond als eigenständige Rasse etablieren wollten. 1933 wies der FCI den niederländischen Standard ab, da dieser mit dem Deutschen Wolfsspitz größtenteils übereinstimmte. Ein Kompromiss wurde 1997 gefunden, wonach der Verein für Deutsche Spitze den Keeshond und den Deutschen Wolfsspitz in einem neu formulierten Standard zusammenfasste.

Der Großspitz

Der Großspitz ist fast so groß wie der Wolfsspitz und die seltenste Spitz-Varietät. Er steht seit 2003 auf der Liste gefährdeter Haustierrassen und ist auch in den traditionellen Züchternationen Großbritannien und USA unbekannt. Tschechien, die Slowakei und die Niederlande weisen als einzige europäische Staaten noch Bestände an Großspitzen auf. Der an Ost- und Nordsee beheimatete Pommer hat ein weißes Haarkleid, schwarze Großspitze sind in Baden-Württemberg beheimatet. Die braune Variante war schon ausgestoben, bis 2008 die Verpaarung eines schwarzen Großspitzes mit einem braunen Mittelspitz von den Züchterverbänden genehmigt wurde. Der Wurf brachte braune Großspitze hervor, sodass der Rassestandard heute wieder drei Farben beinhaltet. Früher gab es den Deutschen Großspitz hingegen in allen erdenklichen Farben und Zeichnungen. Verpaarungen von verschiedenfarbigen Großspitzen wurden zwar erfolgreich durchgeführt, doch eine Weiterzucht mit den Nachkommen ist aufgrund der strengen Auflagen ein fast unmögliches Unterfangen. Seit dem Mittelalter hat sich der Großspitz als verlässlicher und reviertreuer Gebrauchshund bewährt. Er lebte auf Bauernhöfen, half beim Fischfang, der Jagd oder zog im Winter Schlittengespanne. Seine Bekanntheit als Begleithund von Postkutschen oder Reisenden öffneten dem Großspitz bald die Türen zu gutbürgerlichen Häusern, wo er mit seiner eleganten Erscheinung als Gesellschaftshund gehalten wurde. Unter den Großspitz-Liebhabern finden sich bekannte Namen wie Mozart, die Ehefrau Napoleons Kaiserin Josephine, Sir Isaac Newton, Chopin, Emile Zola und Michelangelo.

Der Mittelspitz

Spitze mittlerer Größe bildeten um die Jahrhundertwende die zahlenmäßig stärkste Gruppe aller Haus- und Wachhunde. Da ihm zeitgenössische Schreiber teilweise ein negatives Image anhängten, waren diese Spitze unter damaligen Hundevereinen regelrecht verpönt und wurde offiziell gar nicht gezüchtet. Obwohl der Mittelspitz den wahren Urtyp darstellt und der Vorstellung, die jedermann von einem Spitz im Kopf hat, maßgeblich entspricht, wurde dieser Schlag erst 1969 als Rasse anerkannt. Sie sind somit die jüngsten Mitglieder der fünf Varietäten. Neben den Standardfarben findet man bei Deutschen Mittelspitzen auch andersfarbige Varianten (siehe Körperbau und Haarkleid). Diese Farbenvielfalt ist ein Grund, dass trotz moderater Welpenzahlen die Zuchtauswahl stark eingeschränkt ist. Manchmal müssen Züchter sogar ins Ausland reisen, um die passenden Partner zu „vermählen“. Seit 2003 stehen sie wie die Großspitze auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Der Kleinspitz

Bis in die 1950er Jahre hinein war der Kleinspitz der beliebteste aller Spitz-Unterarten, vielleicht weil dieser kompakte und leichte Begleithund mühelos überall mitgenommen werden konnte und die Haltung auch für ältere Menschen problemlos möglich war. In den Folgejahren sank die Welpenrate von jährlich 500 Stück auf seinen Tiefststand 1989, wo nur 102 Geburten registriert wurden. In den letzten Jahren hat sich der Bestand mit jährlich 200 Eintragungen ins Zuchtbuch wieder deutlich erholt und in manchen Jahrgängen wurden bisweilen mehr Kleinspitze als Wolfsspitze registriert. Trotz dieser positiven Entwicklung ist die Weiterführung der Reinzucht schwierig, da der Standard den Kleinspitz in den gleichen vielfältigen Fellfarben erlaubt, wie den Mittelspitz. Die Verpaarung gemäß den Vorschriften gestaltet sich daher dementsprechend schwierig. Die Zahlen rein schwarzer und brauner Kleinspitze sind rückläufig und noch seltener sind inzwischen reinweiße Exemplare.

Der Zwergspitz (Pomeranian)

In den vergangenen zwei Jahrhunderten hielt der europäische Adel und die gesellschaftliche Oberschicht Zwergspitze als exklusiven Modehund. Sie waren damals mit einer Schulterhöhe um die 30 cm noch weit größer als heute. Es existiert eine schriftliche Überlieferung aus dem Jahre 1767, dass sie bis an den englischen Königshof gelangten, wo an der Seite von König George III. Königin Sophie-Charlotte, geborene Prinzessin zu Mecklenburg-Strelitz, residierte. Die deutschstämmige Adelige brachte die „Pomeranian Dogs“ Phoebe und Merkur aus ihrer Heimat mit. Das waren jedoch nicht die ersten Zwergspitze auf der Insel. In einem Brief vom 18.10.1760 berichtete die Malerin Mary Grandville, dass sie in Tedbury ihren Bekannten Mr.Smith traf, der seinen Pommeranian-Welpen dabei hatte. Vier Jahre später, 1764, erwähnt der bekannte Richter und Autor Richard Boswell in einem seiner Reisetagebücher „Pomer“, den Zwergspitz seines französischen Mitreisenden.
Der erste britische Standard wurde 1870 verfasst.Im Jahr 1888 ging ein Pomeranian namens Marco die Reise von Italien nach England, um der erste Hund Königin Victorias zu werden. Die Monarchin engagierte sich intensiv als Züchterin der Rasse, sie soll um die 30 Pommern in ihrem königlichen Kennel gehalten haben. Die durchschnittliche Größe der Pomeranians sei zu ihren Lebzeiten um 50 Prozent zurückgegangen, berichteten Zeitzeugen. Der erste britische Pomeranian Zuchtverein wurde 1888 gegründet, 1900 erkannte der American Kennel Club die Rasse an. Zwei dieser Hunde kamen 1912 in die Schlagzeilen, da sie zu den Überlebenden des gesunkenen Luxusdampfers Titanic gehörten. In Deutschland hingegen wurde die Bezeichnung Zwergspitz verworfen und Tiere mit bis zu 28 cm Widerristhöhe den Kleinspitzen zugeordnet. Der deutsche Standard bezog sich auf die maximale Schulterhöhe, der britische und amerikanische Standard hingegen auf das Körpergewicht. Etwa 1970 brachte Herr Joachim Weinberg von einer Reise nach Großbritannien den Zwergspitz wieder nach Deutschland zurück. Nach anfänglicher massiver Kritik auf Ausstellungen konnte der Zwergspitz durch die Unterstützung des VDH und des Vereins für Deutsche Spitze seinen Platz in der Gruppe der Spitze wieder einnehmen. Dafür fand 1974 eine Änderung des Standards statt, der den Zwergspitz als eigenständige Varietät der Spitze beschreibt.

Körperbau und Haarkleid

Der keilförmige Kopf geht über einen mäßig ausgeprägten Stopp in den nicht zu langen Fang über. Die kleinen, dreieckigen Ohren sind nahe beieinander hoch angesetzt und werden aufrecht mit steifen Spitzen getragen. Mandelförmige, leicht schräg stehende Augen von dunkler Farbe weisen bei allen Fellfarben eine schwarz pigmentierte Umrandung auf, bei braunem Fell ist sie dunkelbraun. In gleicher Weise sind die straff anliegenden, faltenlosen Lefzen schwarz oder braun pigmentiert. Bei allen Varietäten ist ein Scherengebiss oder ein Zangengebiss zulässig, bei Klein- und Zwergspitzen wird das Fehlen der Prämolaren akzeptiert. Klein, schwarz und rund ist der Nasenschwamm, bei braunen Spitzen ist er dunkelbraun. Der breit aufgesetzte Hals besitzt keine Wamme und verläuft leicht gewölbt über den Nacken zum geraden, möglichst kurzen Rücken. Gut gewölbt und weit zurückreichend ist der Brustkorb, der Bauch ist mäßig aufgezogen. Hoch angesetzt auf der breiten, nicht abfallenden Kruppe liegt die mittellange Rute nach vorn gerollt fest auf dem Rücken. Am Rutenende ist eine doppelte Schleife zulässig. Die vorderen Gliedmaßen sind kräftig und mittellang. Parallel gerade verlaufend, mittellang und muskulös ist die Hinterhand ausgebildet. Die möglichst kleinen, runden Vorder- und Hinterpfoten (Katzenpfoten) besitzen schwarze Nägel und Ballen, bei braunen Spitzen ist beides ebenfalls braun. Das doppelte Haarkleid am Rumpf bildet sich aus dicker, watteartiger Unterwolle und abstehendem, geradem, langen Deckhaar. An Brust und Nacken bildet es eine üppige Mähne. Das Haar sollte auf dem Rücken nicht gescheitelt und ansonsten auch nicht gekräuselt, struppig oder wellig sein. Am Kopf, an der Brust und an den Vorderseiten der Beine ist das Fell kurz, dicht und samtig. Die Rückseiten der Vorder- und Hinterläufe sind üppig befedert/behost und die Rute ist buschig behaart. Der Standard schreibt folgende Farben vor: Wolfsspitz/Keeshond: graugewolkt – Großspitz: Schwarz, braun, weiß – Mittelspitz, Kleinspitz, Zwergspitz: Schwarz, braun, weiß, orange, graugewolkt, andersfarbig.
Unter andersfarbig versteht man black&tan, creme, creme-sable, orange-sable, und Schecken. Bei Schecken muss die Grundfarbe weiß sein und sich die Farbflecken über den gesamten Körper verteilen.

Wesen und Charakter der Deutschen Spitze

Die Deutschen Spitze sind gelehrig, kinderfreundlich und sehr anhänglich, wenn es um ihre Familie geht – Fremden gegenüber zeigen sie jedoch ihr Misstrauen. Spitze bellen bestimmt nicht mehr als andere Hunderassen und hinterhältig sind sie auch nicht – Wachen, Melden und Verteidigen stammen aus früherer Zeit, wo vor allem Wolfs- und Großspitze als Hofhunde gehalten wurden. Auf moderne Spitze treffen diese Wesenszüge in der ehemaligen Intensität nicht mehr zu, doch gruben sich dahin gehend Vorbehalte fest bei den Menschen ein. Seine sprichwörtliche Neugier erkennt man an den Ohren, die sich flink bewegen. Der Spitz ist jedoch zu vorsichtig, um sofort loszurennen – er ist ja kein Jagdhund. Das ist eine angenehme Sache bei Spaziergängen, denn der Spitz wird nicht beim kleinsten Rascheln im nächsten Gebüsch verschwinden, sondern auch abgeleint ruhig an der Seite seines Halters weiterlaufen. Bei Hundesport wie Agility oder Obidience wird er mit Feuer und Flamme Einsatz zeigen, auch bei ruhigen und anspruchsvollen Aufgaben als Therapiehund oder Blindenbegleithund ist „der lachende Holländer“ vertreten. Dieser liebenswerte Name spielt auf das bekannte Lachen der Spitze an, wobei sie verschmitzt schauen und die Zähne hervorblitzen lassen, was aber nicht agressiv, sondern ausgesprochen schelmisch herüberkommt. Mit der gemächlichen Runde um den Häuserblock sind Deutsche Spitzen genau so zufrieden, als wie neben dem Rad zu traben oder Jogger zu begleiten. Ausdauer ist bei allen Varietäten ein großes Thema, nur bei extremer Wärme im Sommer schaltet er einen Gang zurück oder geht auch gern schwimmen. Der Deutsche Spitz ist witterungsunempfindlich, Kälte und Nässe machen ihm nichts aus. Die Fellpflege ist weniger aufwendig, als man vermuten mag. Falls sich doch einmal Schmutz festsetzt, wird dieser trocken ausgebürstet. Das Haarkleid ist von Natur aus selbstreinigend, so entfallen häufiges baden, trocken fönen oder scheren auch.

Die Gesundheit

Spitze zählen zu den Rassen vom Urtyp und von daher sind sie recht robust und sollten bei verantwortungsvoller Zucht kaum mit Erbkrankheiten belastet sein. Beim Zwergspitz (wie auch bei anderen Zwergrassen) kann es zu vergrößertem Herzen oder Fehlfunktion des Gaumensegels (Trachea) kommen. Das führen Fachleute auf die unnatürliche Kleinzüchtung zurück, bei der sich innere Organe nicht entsprechend mitverändert haben. Alopezie X bedeutet Verlust des Haarkleides, die mit Dunkelfärbung der Haut einhergeht. Der Auslöser dieser Krankheit ist unbekannt, bzw. verschiedene Ursachen könnten dieses bewirken. Momentan versuchen Forscher an der Universität Bern, mithilfe zahlreicher Blutproben das auslösende Gen zu isolieren. Primäre Hyperparathyreoidose ist eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, bei der ein gestörter Kalziumstoffwechsel zu Nierenversagen und damit zu einem frühen Tode führt. Die bei Wolfsspitzen häufiger auftretende Erbkrankheit kann mit einem Gentest nachgewiesen und bei der Erkennung in jungen Jahren therapiert werden. Hüftgelenksdysplasie kann bei Wolfs- und Großspitzen vorkommen, so ist vor der ersten Verpaarung ein Test dahin gehend vorgeschrieben.

 

Der Deutsche Spitz im Überblick
    • Herkunft: Deutschland
    • FCI Standard Nr. 97, Gruppe 5 Spitze und Hunde vom Urtyp Sektion 4 Europäische Spitze
    • Wolfsspitz (Keeshond): Widerristhöhe 43 cm – 55 cm, Fellfarbe: silbergrau mit schwarzen Spitzen (graugewolkt)
    • Großspitz: Widerristhöhe 42 cm – 50 cm, Fellfarbe: schwarz, weiß, braun
    • Mittelspitz: Widerristhöhe 30 cm – 38 cm, Fellfarbe: schwarz, weiß, braun, graugewolkt, orange, andersfarbig
    • Kleinspitz: Widerristhöhe 23 cm – 29 cm, Fellfarbe: schwarz, weiß, braun, graugewolkt, orange, andersfarbig
    • Zwergspitz (Pomeranian) 18 cm – 22 cm, Fellfarbe: schwarz, weiß, braun, graugewolkt, orange, andersfarbig
    • Gewicht: der Körpergröße entsprechend
    • Haarkleid: doppelt, mit dicker Unterwolle und gerade abstehendem langem Deckhaar
    • Augen: mandelförmig, dunkel
    • Ohren: hoch angesetzte, dreieckige kleine Stehohren
    • Körperbau: quadratisches Gebäude
    • Einsatz: Begleithund, Wachhund, Therapiehund, Blindenbegleithund
    • Charakter: wachsam, lebhaft, gelehrig, kein Jagdtrieb
    • Gesundheitsrisiken: HD, Patellaluxation, Primäre Hyperparathyreoidose (PHPT) beim Wolfsspitz, Alopezie X, Herzprobleme
    • Lebenserwartung: ca. 12 – 15 Jahre

 

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