Chinesischer Schopfhund

„ChinesischerDer Chinesische Schopfhund, auch Chinese Crested Dog genannt, ist mit seiner außergewöhnlichen Erscheinung der exotische Paradiesvogel unter allen Hunderassen. So extravagant er mit seiner wallenden Mähne und dem nacktem Körper auch aussieht, sein Wesen ist ausgesprochen unkompliziert und liebenswert.

Der Ursprung des Chinesischen Schopfhundes

Abbildungen haarloser Hunde sind auf archäologischen Funden zu sehen, die auf der südlichen Welthalbkugel gefunden wurden, in Ländern, die weit voneinander entfernt liegen. Die ältesten Darstellungen wie Wandmalereien, Keramiken, Figuren oder Gravuren sind 4000 Jahre alt. Als Fundorte werden Afrika, Portugal, Indien, die Türkei, Süd- und Zentralamerika, die Phillipinen sowie China genannt. Wo die ersten Chinese Crested Hunde auftauchen, ist nicht sicher.
Eine Theorie spricht von afrikanischer Herkunft, wo eine Mutation die Haarlosigkeit des Canis Africanis bewirkt haben soll. Höchste Verehrung erfuhren die Chinesischen Schopfhunde im alten Ägypten. Zahlreiche Statuen und Abbildungen aus der Zeit der Pharaonen zeigen haarlose Hunde. Das ganze Volk liebte diese anmutige Rasse, doch der Besitz war nur den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten. Die sogenannten Afrikanischen haarlosen Terrier sollen zur Zeit der Han-Dynastie (202 v.Chr. – 220 n.Chr) mit Handelsschiffen nach China gelangt sein. In Fernost züchtete man aus dem größeren Jagd- und Wachhund einen 2 – 3 Kilo leichten Kleinsthund für das Leben in vornehmem Hause. Von Asien aus soll der Chinesische Schopfhund an Bord von Teeschiffen Amerika erreicht haben, denn ab dem 13. Jahrhundert wird in beiden Ländern von der haarlosen Rasse berichtet. In Mittel- und Zentralamerika verehrte eine vor-azthekische Indiokultur den Chinesischen Schopfhund, da er so loyal und menschenbezogen war. Und man sagte ihm mystische Kräfte nach, die Asthma, Rheuma, Arthritis heilen konnten (was bei den beiden letzteren Krankheiten wohl auf den Einsatz als Wärmflasche zurückzuführen ist). Starb ein Besitzer, wurde sein Hund mit ihm begraben, damit er auch jenseits des Todes seinem Herrn zur Seite sein solle. Der Einsatz als Grabbeigabe und als Begleiter der Seele wird auch vom Chihuahua überliefert, der ebenfalls aus Mexiko stammen soll. Daher stammt auch eine weitere Abstammungstheorie, wonach Chinese Crested Dogs aus der Kreuzung mit Chihuahuas hervorging. Beide Rassen erfuhren die gleiche zweifelhafte Ehre, zu besonderen Anlässen als Delikatesse auf der Speisekarte zu stehen.


Zurück nach Europa

In den Reiseberichten des Christoph Kolumbus, der 1492 Amerika entdeckte, werden haarlose Hunde erwähnt. Dem zufolge besteht die Möglichkeit, dass die Chinesischen Schopfhunde aus Mittelamerika und Mexiko, wiederum auf dem Seewege, nach Europa kamen. Während der monatelangen Schiffsreisen nutzte man die Hunde als Rattenfänger und vielleicht auch als lebenden Nahrungsvorrat. Zurück in Spanien verkaufte man die seltenen Tiere an reiche Adelige. Auf Gemälden im Besitz des Vatikans, die Straßenszenen während des Römischen Reiches darstellen, sind ebenfalls haarlose Hunde zu sehen. Trotz der Fülle an Überlieferungen gibt es keine gesicherten Aufzeichnungen über den Chinesischen Schopfhund. Europäische Seefahrer berichten im 17. Jahrhundert übereinstimmend von der haarlosen Rasse in Asien. Der britische Ausstellungsrichter und Hundeliebhaber W.K. Taunton brachte von seinen Weltreisen zwischen 1850 und 1860 seltene Hunderassen mit, so auch den Chinese Crested Dog. Er begann mit der Zucht und präsentierte auf einer Ausstellung seinen Rüden „Chinese Emperor„. Das Komitee reagierte allerdings befremdet und lehnte eine Bewertung ab. Ein Platz im Londoner Zoo schien den Preisrichtern eher angemessen.

Anerkennung als Rasse in der Neuzeit

Als echte Kuriosität sah man Chinesische Schopfhunde um die Jahrhundertwende auf amerikanischen Ausstellungen, danach verschwanden sie für fast 50 Jahre von der Bildfläche. Die Anerkennung als Rasse in Großbritannien sollte bis 1965 dauern, 1991 schloss sich der Amerikanische Kennel Club an. Seit es die offiziellen Rassestandards gibt, stieg auch die Zahl der Züchter langsam an. In Deutschland etablierte Herr Joachim Weinberg den Chinesischen Schopfhund. Er sah das erste Exemplar bereits 1943 auf einer Ausstellung in Wien und war von dem einzigartigen Aussehen überaus fasziniert. Mit dem Import erster Tiere aus den USA 1967 begann die erste deutsche Zucht und der Eintrag im VDH. 1978 gründete der ebenfalls erste deutsche Aussteller den CER im VDH. Aufgrund wachsender Bekanntheit und Beliebtheit gründete sich später der Chinese Crested Club in Lübeck, dem Herr Weinberg als Ehrenmitglied und Richter angehört. Trotz der Rassebezeichnung „Chinesisch“ ist eine asiatische Herkunft umstritten, denn es gibt mit den mexikanischen und peruanischen Nackthunden vom FCI anerkannte, sehr ähnliche
Rassen. Die Frage, wie die Hunde nach Amerika gekommen sind, versucht eine weitere Theorie zu erklären: Die ersten Einwanderer sollen von Asien über die Behringstraße über Alaska bis hin nach Mittelamerika die haarlosen Hunde mitgebracht haben.

Körperbau und Haarkleid

Der edle, leicht gerundete Kopf erscheint ohne übermäßige Faltenbildung. Die auf Augenhöhe tief angesetzten große Ohren werden aufgestellt getragen, bei der Powder Puff Varietät sind Hängeohren erlaubt. Die Ohrmuscheln dürfen mit oder ohne Befransung sein. Ein mäßiger Stopp und fast schwarze, weit auseinanderliegende, mandelförmige Augen schauen aufmerksam in die Welt. Der sich leicht verjüngende Fang endet in schmalem Nasenschwamm sowie straffen und dünnen Lefzen. Ebenso gleichen sich die fein gemeißelten Backen den Gesichtskonturen an. Der kräftige Kiefer beherbergt ein regelmäßiges Scherengebiss mit senkrecht stehenden Zähnen. Dem langen, schlanken Hals ohne Wamme fügen sich kräftige Schultern und ein gerader Rücken an. Der geräumige Brustkorb reicht bis zum Ellbogen hinab, anschließend verläuft die untere Profillinie zum Bauch hin leicht aufgezogen. Die lange, gerade Rute wird bei Bewegung seitlich oder hoch getragen. Gerade und am Körper anliegend verlaufen die Läufe. Die schmalen Vorder- und Hinterpfoten haben die Form ausgestreckter Hasenpfoten und sind überaus beweglich. Das Haarkleid besteht beim Powder Puff aus einem weichen Haarschleier mit Unterwolle, die Hairless Varietät besitzt einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Schopf langer Haare, der am Stopp beginnen und bis zum Hals reichen sollte. Eine mittellange Pfotenbehaarung sollte als „Socken“ höchstens bis zum Sprunggelenk reichen. Die unteren zwei Drittel der Rute sind mit langem und dichtem Haar befedert.

Wesen und Charakter des Chinese Crested Dog

Der Chinese Crested Dog wird seine Menschen mit Freundlichkeit überschütten ist dank seines gutmütigen Wesens und seiner hohen Intelligenz leicht zu erziehen. Die bis ins hohe Alter hinein verspielte und aktive Rasse ist genau so gut für Familien mit Kindern wie für Einzelpersonen geeignet. Eine Etagenwohnung ist ihm Recht, er bellt wenig, doch Besuch wird gebührend angemeldet. Die Rasse benötigt viel Beschäftigung und Zuneigung, längeres Alleinsein sollte möglichst vermieden werden. Drinnen passt er seinen Bewegungsdrang den räumlichen Verhältnissen an, doch seine gute Ausdauer will der Chinesische Schopfhund regelmäßig und auf nicht zu kurzem Auslauf auspowern. Bei Sonne und Schnee toben sie gern draußen, doch Wind und Regen mögen sie nicht gern. Auch Hundesportarten wie Agility sollten zum festen Ablauf gehören.

Unterarten und Varietäten

Das Gewicht und die Fellfarben sind im FCI-Standard nicht näher bestimmt, da es bei den noch relativ seltenen Chinesischen Schopfhunden eine natürliche Vielfalt des Erscheinungsbildes gibt. Beim Körperbau gibt es zwei Gruppen: den kräftigen Cobby-Typ und den zierlichen, kleineren Deer-Typ. Vom Fell her unterscheidet man je nach Behaarungsgrad fünf Schläge. Am Bekanntesten ist wohl der Hairless mit üppigem Kopfhaar, Söckchen und lang behaarter Rute. Der Powder-Puff hat fein-seidiges, langes Deckhaar mit Unterwolle, auch Rauhaar oder Kurzhaar
ist vertreten. Bei der Verpaarung müssen immer voll behaarte Tiere eingekreuzt werden, da bei reinen Nackthund-Kreuzungen häufiger Totgeburten auftreten. Außerdem vererben die Vollbehaarten die spektakulären Haarschöpfe. Die haarlose Variante trägt allerdings beide Gene, für Haarlosigkeit und Fellwuchs, in sich. Daher kommen in einem Wurf Welpen beider Behaarungsarten vor.

Die Gesundheit

Beim Chinesischen Schopfhund können genetisch bedingte Probleme an den Augen auftreten. So kann es zum langsamen Absterben der Netzhaut kommen (PRA) oder die Linse verlagert sich (Linsenluxation). Manchmal fehlen die vorderen Backenzähne (Prämolaren). Seit 2008 weis man, dass dafür das Gen für Haarlosigkeit und Zahnbildung verantwortlich ist. Ein positiver Aspekt der fehlenden Haare ist die Eignung der Rasse für Allergiker, denen somit die Hundehaltung möglich wird. Die Haut der „CC“ fühlt sich samtig, warm und weich an. Im Winter geht die Pigmentierung zurück, bei Sonneneinstrahlung dunkelt ihre Farbe aufgrund des hohen Melaningehalts nach. Die Hautfarben variieren in braun, rosa, lavendel, blau und mahagoni, groß gefleckt oder wie ein Leopardenmuster. Helle Typen benötigen dann zusätzlich eine leichte Sonnenschutzcreme, die für normale Pflege wird nach dem Bad eine Körperlotion verwendet. An Kälte gewöhnt sich diese Rasse durchaus, wenn sie nur in Bewegung bleibt. Durch frühzeitiges Anziehen eines Hundemantels wird der Organismus empfindlicher. Chinesische Schopfhunde benötigen dann etwas mehr Futter, um die zugeführte Energie in Körperwärme umzusetzen.

 

Der Chinesische Schopfhund im Überblick
    • Herkunft: China
    • Patronat: Großbritannien
    • FCI Standard Nr. 288, Gruppe 9 Gesellschafts- und Begleithunde Sektion 4 Haarlose Hunde
    • Widerristhöhe: Rüden ca. 28 – 33 cm, Hündinnen ca. 23 – 30 cm
    • Gewicht: nicht festgelegt
    • Varietäten Körperbau: Deer Type, Cobby Type
    • Varietäten Fell: Powder Puff, Hairless
    • Fellfarben: Alle Farbkombinationen und Farben zulässig
    • Augen: mandelförmig, mittelgroß, fast schwarz, weit auseinanderliegend
    • Ohren: groß und aufrecht getragen, bei Powder Puff sind Hängeohren erlaubt
    • Körperbau: mittellang, geschmeidig
    • Einsatz: Begleithund
    • Charakter: wachsam, fröhlich, gefühlvoll
    • Gesundheitsrisiken: unvollständiges Gebiss, Progressive Retina-Atrophie, Patellaluxation
    • Lebenserwartung: ca. 13 – 15 Jahre

 

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