Bernhardiner

„Bernhardiner"Bernhardiner beeindrucken zuerst durch ihre imposante Erscheinung – allein ihre Anwesenheit verschafft ihnen allerseits Aufmerksamkeit und Respekt. Doch das Besondere dieser Rasse ist ihr Wesen, einer perfekten Mischung aus Stärke, Sanftmut und Treue. Ihre hochsensible Wachsamkeit, die einzigartige Orientierungsfähigkeit und ihre überdurchschnittliche Ausdauer sind legendär: Bernhardiner brachten es als Lawinenhunde zu Weltruhm. Heute haben sie ihren Platz als Familienhund, der Kinder über alles liebt. Und jeder erinnert sich doch gern an den erfolgreichen Kinofilm „Ein Hund namens Beethoven„, in dessen Hauptrolle ein stattlichen Bernhardiner glänzte!

Die Herkunft der Bernhardiner

Bevor der Bernhardiner zum Schweizer Nationalhund ernannt wurde, haben seine Vorfahren einen weiten Weg zurückgelegt. Der bekannteste aller Sennenhunde stammt einer Theorie zufolge von Molossern ab, die in der Antike als Kriegshunde eingesetzt wurden. Auf Darstellungen phönizischer, sumerischer, assyrischer und babylonischer Kulturen sind diese massigen Hunde mit den ausladenden Kiefern häufig zu sehen.
Ebenso führten griechische Armeen molossoide Hunde mit, deren Heimat im Grenzgebiet zu Armenien lag. Im Zeitraum von 25 v.Chr. bis 15 v.Chr. eroberte Caesar das Zentral- und Voralpengebiet. Im westlichen Abschnitt stellten die Pässe über den Kleine Sankt Bernhard und den Großen Sankt Bernhard strategisch wichtige Verbindungswege nach Gallien dar, womit sich der Import der Ur-Bernhardiner in ihre neue Heimat begründet. Die gegenüberstehende Theorie allerdings weist darauf hin, dass in der Schweiz keine vorrömischen molossoiden Knochen gefunden wurden. Die Herkunft des Alpenhundes wäre stattdessen der asiatische Raum, aufgrund der engen Verwandschaft mit der Tibetdogge. Der Bernhardiner wird im heutigen FCI-Standard den doggenartigen Rassen zugerechnet.


Das Hospiz auf dem Grossen Sankt Bernhard

Im Hochmittelalter, um das Jahr 1050, gründeten Augustiner Chorherren das Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard. In der Bergstation fanden Reisende Unterkunft und ortskundige Bergführer. Zum Ende des 17. Jahrhunderts begannen sie der Überlieferung nach mit der Zucht der ersten St. Bernhardshunde. Das geht aus Bilddarstellungen und Aufzeichnungen des Ordens aus den Jahren 1695 und 1707 hervor. Die Mönche holten kurzhaarige Hirten- und Bauernhunde aus der Umgebung, die darauf trainiert wurden, das Hospiz vor Räubern zu schützen. Die kontinuierliche Entwicklung der Zucht gelang den Mönchen jedoch noch nicht zufriedenstellend. Bedingt durch den zu kleinen genetischen Pool waren viele Tiere nicht lebensfähig oder erreichten eine maximale Lebensspanne von 6 – 8 Jahren, sodass der sinkende Bestand des öfteren durch neue Tiere aufgefüllt werden musste. Die Hunde hatten bis dahin weder in der Größe noch im Aussehen wenig mit dem Bernhardiner, wie wir ihn heute kennen, gemeinsam. Sie waren kleiner und leichter, doch für den Einsatz als Begleithund bei Bergwanderungen und zum Aufspüren vermisster Personen im Nebel und in Schneegebieten hervorragend geeignet. Die guten Taten der Hunde publizierte man in zahlreichen Chroniken und mündliche Berichte der Soldaten Napoleons, die 1800 den Alpenpass überquerten, trugen zum Bekanntwerden der alpenländischen Hospizhunde in ganz Europa bei. Ins gleiche Jahr fiel die Geburt des wohl berühmtesten Bernhardiners „Barry“, der über 40 Menschenleben gerettet haben soll.

Vom Klosterhund zum Rassehund

Im 19. Jahrhundert entstand durch Einkreuzung des Neufundländers der langhaarige Schlag, doch für die Arbeit im Schnee geeignet waren nur die kurzhaarigen Exemplare. Die schön anzusehenden langhaarigen Hunde verkauften oder verschenkten die Mönche an hochgestellte Persönlichkeiten wie die russische Großfürstin Anna Feodorovna, den Oberst Ris zu Bern oder die Grafen von Rougemont in Löwenburg bei Murten. Dieser gräflichen Nachzucht entstammt das stockhaarige Zuchtpaar, mit dem 1867 der schweizer Gastwirt und Metzger Heinrich Schuhmacher die Reinzucht des Bernhardiners vom Hospiztyp beginnt. Als erster Züchter stellt Schuhmacher für seine Tiere Ahnentafeln aus. Um diese Zeit bekam die imposante Rasse den einheitlichen Namen Bernhardiner – zuvor nannte man sie Hospizhunde, Barryhunde, heilige Hunde, Alpenmastiffs, Klosterhunde oder St. Bernhard´s Mastiff. Das Schweizerische Hundestammbuch von Februar 1884 enthielt als ersten Eintrag den Bernhardiner Léon, dem noch 28 seiner Rasse folgten. Der Schweizerische St. Bernhardsclub wurde am 15. März in Basel gegründet und am 2. Juni 1887 erkannte der internationale Kynologenverband den Bernhardiner als schweizerische Hunderasse an. Den gleichzeitig festgelegten Rassestandard übernahm auch der erste Züchterverein in Deutschland, zu dessen Gründung sich 1891 in München 60 Liebhaber und Züchter zum St.Bernhards – Klub e.V. zusammenschlossen. Heinrich Schumacher, Begründer der Bernhardinerzucht, beendete seine Tätigkeit 1890, da sich das Kaufinteresse auf den schweren, langhaarigen Typus mit dem massigen Körperbau verlagert hatte. Die Hospizmönche betrieben die Hauptzuchtstätte auf dem Großen St. Bernhard weiter und erschlossen mit dem Souvenirverkauf eine lukrative Einnahmequelle. Aufgrund zu niedriger Mitgliederzahlen konnten die Ordensleute die Zucht nicht mehr betreiben. So entschloss man sich 2005 zum Verkauf an die Stiftung Fondation Barry du Grand-St-Bernarder unter der Auflage, dass in den Sommermonaten die Hälfte des Hundebestandes auf der Station anwesend sein muss. Dank einer weiteren Privatstiftung konnte im Kanton Wallis das Bernhardinermuseum eröffnet werden. Im Obergeschoss sind Exponate aus Werbung, Kunst und Literatur ausgestellt, unter anderem der präparierte „Barry“ mit dem weltberühmten Fässchen am Halsband. Im Erdgeschoss mit angrenzenden Außengehegen wird die Bernhardinerzucht und -haltung fortgeführt. Die Hunde nehmen an landesweiten Events teil und können auch zu privaten Anlässen gebucht werden.

Körperbau und Haarkleid

Kaum eine andere Rasse weist so einen massiven Kopf auf: Im Profil stark und breit, mit ausgeprägtem Stopp und leicht gewölbtem Oberkopf. Die hoch angesetzten, hängenden Ohren in dreieckiger Form sind breit angesetzt und mittelgroß. Mäßig tief liegende Augen in nussbrauner bis schwarzbrauner Farbe sind von komplett pigmentierten Lidern umgrenzt. Der gerade verlaufende Fang weist stark entwickelte, straffe Lefzen auf. Eine mäßig entwickelte Halswamme kleidet den kräftigen Hals. Der harmonisch proportionierte Körperbau zeigt einen gut ausgeprägten Widerrist und eine horizontale Rückenlinie, die in einer wenig abfallenden Kruppe endet. Die untere Profillinie verläuft von dem mäßig tiefen Brustkorb zu einem leicht aufgezogenem Bauch. Lang und kräftig ist die Rute. Sie reicht bis zum Sprunggelenk und wird in Ruhe herabhängend getragen. Starkknochige Gliedmaßen münden in breiten Pfoten mit stark gewölbten Zehen. Es gibt zwei gleichberechtigte Haarkleider. Das Deckhaar der kurzhaarigen Varietät (Stockhaar) ist derb, anliegend und glatt mit dichter Unterwolle. Der langhaarige Schlag hat ebenfalls gerades Deckhaar mit viel Unterwolle, doch Ohren und Gesicht sind kurz behaart. Die Läufe sind befedert, die Rute ist buschig und oftmals wellt sich das Haar an der Hüfte und an der Kruppe. Bei der Fellfarbe sind rotbraune Platten oder ein sogenannter Mantel auf weißer Grundfarbe erlaubt, ebenso wird Braungelb und gestromtes Rotbraun toleriert. Am Kopf ist eine schwarze Verbrämung erwünscht, ansonsten werden noch weiße Abzeichen an Brust, Pfoten, am Nasenband und eine Blesse vorgegeben. Dazu kommt eine symmetrische dunkle Maske. Als Fehler zählen unter anderem mangelhafter Lidschluss, zu kurze oder krumme Läufe, gebogener Rücken und helle Augen.

Wesen und Charakter des Bernhardiners

Es hat den Anschein, dass ein Bernhardiner genau weiß, welchen Respekt er mit seiner beeindruckenden körperlichen Größe ausstrahlt. Wenn er den Eingang bewacht und gleichzeitig die spielenden Kinder seiner Familie im Blick hat, ist er keineswegs ein träger Zeitgenosse, sondern immer noch der zuverlässige Arbeitshund, wie es seine Vorfahren im Hospiz waren – nur die Aufgaben haben sich geändert. Heute wird der Bernhardiner kaum noch als Rettungshund ausgebildet, sondern absolviert Arbeitsprüfungen als Zug- und Begleithund. Die Erziehung sollte möglichst früh beginnen, um einen gewissen Eigensinn zu unterbinden, sonst wird es später schwer, einen ausgewachsenen 90-Kilo-Hund sicher zu führen. Bernhardiner sind nicht gern allein und sie brauchen liebevolle Fürsorge ihres menschlichen Rudels. Ebenso zeigt die Rasse ein ausgeprägtes Revierverhalten. Fremden gegenüber reagieren sie mit Misstrauen bis hin zu Aggressivität. Die großen Hunde brauchen ausreichend Platz, ideal ist ein Haus mit Garten, um sich frei bewegen zu können. Dazu kommen noch ausgiebige Gassirunden, die allerdings bei großer Sommerhitze kürzer ausfallen. Für die reine Wohnungshaltung ist diese Rasse nicht geeignet.

Die Gesundheit

Bernhardiner sind eine robuste Rasse, jedoch sind sie wie viele andere große Hunde für Magendrehungen anfällig. Bei ersten Anzeichen muss schnellstens eine Not-Operation durchgeführt werden, da dieser Zustand unbehandelt zum Tode führt. Es ist daher gesünder, die Fütterung auf zwei Mahlzeiten zu verteilen, um den Magen nicht zu überlasten. Weitere Erkrankungen sind Fehlbildungen des Hüftgelenks, die teils genetisch bedingt sind und teils durch falsche Ernährung deutlich begünstigt werden können. Ebenso überdurchschnittlich treten bösartige Knochentumore auf, daneben können Herzprobleme und Augenentzündungen auftreten.

 

Der Bernhardiner im Überblick
    • Herkunft: Schweiz
    • FCI Standard Nr. 61, Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde, Sektion 2: Molossoide Berghunde
    • lternative Namen: St. Bernhardshund, Saint Bernard Dog, Perro San Bernardo, Chien du Saint-Bernard
    • Widerristhöhe: Rüde 70 cm – 90 cm, Hündin 65 cm – 80 cm
    • Gewicht: 80 kg – 90 kg
    • Haarkleid: Langhaar und Kurzhaar (Stockhaar)
    • Fellfarbe: Grundfarbe Weiß mit rotbraunen Platten oder Mantel, Gelbbraun, rotbraun gestromt, weiße Abzeichen
    • Augen: dunkelbraun bis nussbraun
    • Ohren: mittelgroß, hängend, dreieckige Form
    • Körperbau: molossoid, muskulös, massig
    • Einsatz: Begleithund, Wachhund, Hofhund
    • Charakter: gelassen, ausgeglichen, freundlich, kinderlieb
    • Gesundheitsrisiken: Magendrehung, Knochenkrebs, Hüftgelenksdysplasie, Augenleiden
    • Lebenserwartung: 5 – 10 Jahre

 

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