Die Logik der Hunde

HunderudelHunde sind weder mechanische Kreaturen, noch sind sie Menschen. Ihr Gehirn funktioniert anders als unsere Denkstrukturen.
Ihnen fehlen die menschliche Vernunft und einige unserer komplizierten Emotionen, doch diese sind mit ihren tierischen, einzigartigen Fähigkeiten ausgeglichen, die wiederum in unserem Dasein nicht vorgesehen sind. Diese Unterschiede machen Tiere so besonders. Sich die die Zeit zu nehmen und zu lernen, wie es denkt und wie es tickt, ist eine große Hilfe, erfolgreich mit dem Hund zu kommunizieren. Geben Sie Ihrem Hund, was er braucht, und nehmen nicht nur immer von ihm, was Sie wollen. Diejenigen, die etwas für andere zu tun, sind in der Regel glücklicher als diejenigen, die sich nur auf sich selbst konzentrieren.

Hunde reagieren auf Ereignisse

Hätten Sie eine Schlange als Haustier, würden Sie das Reptil wohl eher als Tier ansehen und ihm geben, was es von Natur aus benötigt, beispielsweise eine Höhle im Terrarium, zum sich zu verstecken. Leider neigen viele Menschen zum Vermenschlichen ihrer Hunde und interpretieren humane Tendenzen in sie hinein. Der Hund jedoch leidet darunter, weil seine instinktiven Bedürfnisse unerfüllt bleiben.

Hunde sind nicht „vernünftig“, sondern sie reagieren. Hunde planen ihre Aktionen nicht im Voraus, das heißt, sie denken niemals: „Ich werde zubeißen, wenn der Briefträger heute kommt.“ Ein Hund beißt sehr wahrscheinlich, weil der Mensch nicht richtig mit dem Hund kommuniziert. Es gibt bestimmte Dinge, die unsere vierbeinigen Freunde brauchen, um zufrieden und glücklich zu sein. Wenn sie diese nicht bekommen, fallen die Reaktionen entsprechend aus.

Non-verbale Kommunikation

Hunde und Tiere im Allgemeinen bedienen sich einer universellen Sprache. Sie lesen einander Energie und Emotionen ab. Der Mensch kann auch Energie deuten, aber die meisten von uns lassen diese Fähigkeit ungenutzt schlummern. Wenn Sie gereizt sind, wird Ihr Hund es wissen. Wenn Sie den Raum betreten, spürt er Ihren Zorn und spürt die Energie, die diese Emotionen erzeugt. Hunde begreifen nicht, dass der Grund Ihrer Verärgerung die zerkaute Couch oder die Urinlache dem Boden ist. Der einzige Weg, dass ein Hund unerwünschtes Verhalten wirklich versteht, ist, ihn direkt bei der Tat abzufangen oder den Bruchteil einer Sekunde vorher.

Hunde sind Gesellschaftswesen. Warum das Alpha-Tier sie rügt, wissen viele Rudelmitglieder nicht, sie erkennen nur die Unzufriedenheit. Sich zu ducken und umherzuschleichen ist eine verallgemeinerte Bitte um Verzeihung für die Überquerung einer Grenze, die der Rudelführer gesetzt hat – und nicht das Bewusstsein, etwas Bestimmtes falsch gemacht zu haben.

Ein Beispiel: Wenn Ihr Hund etwas zerkaut, haben Sie ihn in der Vergangenheit angeschrien oder korrigiert, nachdem er gekaut hatte, beispielsweise den Müllbeutel. Ihr Hund denkt jetzt, auf dem Boden verstreuter Müll ist etwas Schlechtes. Weil Ihre Korrektur nicht zur richtigen Zeit kam, kann Ihr Hund nicht verstehen, dass das Fressen des Mülls unerwünschte Verhalten ist. So kann er nur denken, dass es schlecht ist, dass der Müll auf dem Boden liegt. Daher frisst der Hund den Müll – doch auf einmal ist gerade DAS schlecht. Er schleicht sich weg oder zeigt devote Anzeichen, weil er weiß, dass Sie böse sind und er bestraft wird. Doch wird er den Müll immer wieder kauen, weil er nicht weiß, dass das FRESSEN unerwünscht ist. Bis der Halter ihn auf frischer Tat ertappt, weiß er nicht, warum. Folglich, wenn Sie ein Stück Papier zum Papierkorb werfen, diesen nicht treffen und das Papier auf den Boden fällt, wird der Hund bellen, um Sie zu warnen, dass etwas fehl am Platz ist. Wenn Sie das Papier holen und in den Papierkorb werfen, ist die Welt wieder in Ordnung und das Tier beruhigt sich.

Tipp: Verwenden Sie nie den Namen Ihres Hundes, wenn Sie ihn korrigieren. Sein Name sollte nur für die positive Verstärkung verwendet werden.

Hunde brauchen Orientierung

Damit Hunde erfolgreich mit Menschen zusammenleben, müssen die Menschen die Rudelführer sein. In freier Wildbahn geben Alphas niederen Mitgliedern nur Zuneigung, wenn es vorher verdient wurde. Anführer setzen die sozialen Regeln fest, stecken Grenzen, die einzuhalten sind. Diese Struktur macht der Hund sicher und er fühlt sich wohl. Wenn Hunde mit den Menschen leben, erfahren sie eine menschliche Eigenschaft namens Zuneigung. Liebe ist eingebettet in allen tierischen Lebewesen und Zuneigung ist Ausdruck dieser Liebe. Aber Zuneigung wird nicht so häufig in der Hundewelt angezeigt, wie in der Menschenwelt. Beispielsweise zeigen Hunde ihre Zuneigung durch Lecken, wie wenn eine Gruppe nach der Jagd zurückkehrt und von den Welpen und anderen Mitgliedern, die nicht an der Jagd teilnahmen, begrüßt werden. Zuneigung zwischen zwei verschiedenen Arten haben Menschen den Hunden gezeigt. Tierhalter müssen die richtigen Zeichen lernen, Zuneigung zu geben, um richtig zu kommunizieren.

Zuneigung ist wunderbar und Hunde lieben diese menschliche Eigenschaft. Doch zu oft geben wir unseren Hunden nur liebevolle Hinwendung und blicken nicht auf ihre wichtigen caninden Instinkte. Disziplin ist der Schlüssel zu Sicherheit und Zusammenhalt im Rudel. Wenn einem Hund Disziplin fehlt, wird er seine Richtung verlieren, instabil, verwirrt, unsicher und unglücklich werden. Die unterrangingen Hunde erwarten vom Leittier Führung. Ihre Instinkte sagen ihnen, dass sie ohne einen starken, konsistenten Rudelführer nicht überleben werden. Daher ist es ein natürlicher Trieb des Hundes zu versuchen, die Führung zu übernehmen, wenn sie Sie nicht als einheitliche, starke Führungspersönlichkeit anerkennen.

Eine Anmerkung: Verwechseln Sie beim Hund nicht Aufregung mit glücklich sein. Dies ist nämlich eine andere Art, wie wir tierisches Verhalten vermenschlichen. Ein Hund, der wie wild herumrennt, fehlt mentale und körperliche Auslastung und meistenfalls auch Führung. Hunde sprechen nicht mit Worten. Sie können uns nicht sagen, was sie wirklich brauchen.

Natürliche Instinkte ausleben lassen

Hunde brauchen auch täglich genügend Auslauf. Wie der berühmte Hundepsychologe Cesar Millan sagt: „Von Natur aus fliegen Vögel, Fische schwimmen und Hunde laufen.“ Für einen Hund ist ein Ausflug zu Fuß purer Instinkt. Wild lebende Rudel wandern, um Nahrung zu finden. Der Leiter weist den Weg und die unteren Ränge folgen ihm. Für den Hund ist ein Spaziergang nicht nur Bewegung, sondern auch geistige Erfüllung seiner Instinkte. Im Garten laufen lassen, mit einem anderen Hund spielen, einem Ball nachjagen, oder ein Besuch im Hundepark können diesen Instinkt nicht befriedigen.

Der größte Fehler, den Hundebesitzer machen können, ist zu vergessen, dass Hunde Tiere sind. Wir vermenschlichen Hunde, weil es unserem Gemüt schmeichelt. Interessante Literatur zum Thema, wie Hunde denken, gibt es als Buch oder in elektronischer Ausgabe bei Amazon, eine kleine Auswahl finden Sie unten. Zu oft benutzen wir Menschen Hunde, um unsere eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Dass Hunde, den wir den besten Freund des Menschen nennen, auch ihre eigenen Ansprüche haben, wird dabei oft übersehen. Die Leute wissen nicht, was das „Tier“ in ihrem Hund braucht. Hunde helfen Menschen, und es ist höchste Zeit, dass die Menschen einen Schritt zurückgehen und beginnen, ihren Haustieren entgegenzukommen. Nur dann können auch wir der beste Freund unseres Hundes sein.

 

Bild: © Depositphotos.com / Madrabothair