Mittelmeerkrankheiten

MittelmeerkrankheitenDie meisten Hundebesitzer werden irgendwann mit Mittelmeerkrankheiten konfrontiert – zum Glück meist nur theoretisch. Sich über Infektionswege und Heilungschancen zu informieren, hilft eventuelle Symptome früh zu erkennen und dem Tier qualvolle Leiden zu ersparen, sei es bei der Vorsorge, wenn das Haustier mit in den Urlaub fliegt, oder für Tierfreunde, die einen Hund aus Südeuropa adoptieren möchten.

Die wichtigsten caninen Mittelmeerkrankheiten im Überblick

Babesiose

Die Infektion mit Babesiose wird durch den Biss einer kontaminierten Zecke übertragen. Die in den Organismus des Hundeseingeschleusten Erreger, Einzeller mit Namen Babesien, setzen sich in den roten Blutkörperchen fest, vermehren sich dort und zerstören diese. Die Inkubationszeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Babesiose liegt zwischen ein bis drei Wochen. Eine vorhandene Erkrankung muss allerdings nicht automatisch zum Ausbruch führen.

Ist das doch der Fall, treten Symptome auf: blasse Schleimhäute, Gewichtsverlust, schwere Atmung, Apathie und Fieber. Vergrößerte Milz und Leber sowie Kreislaufstörungen sind weitere Begleiterscheinungen, die einzeln oder gemeinsam mit allen anderen Anzeichen bemerkt werden. Eine sichere Diagnose bringt ein Bluttest, der die Babesien nachweist. Bei positivem Befund ist eine Behandlung mit verschiedenen Medikamenten erfolgreich. Bewährt hat sich unter anderem das Mittel Imizol, das über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen verabreicht, die Babesien abtötet.


Ehrlichiose

Diese Erkrankung wird ebenfalls durch einen Zeckenbiss übertragen und tritt oft zusammen mit der Babesiose auf. Es handelt sich auch hier um Einzeller, die jedoch die weißen Blutkörperchen zerstören. Bis zum Ausbruch dauert es von sieben Tagen bis zu drei Wochen. Trotz Infektion muss der Krankheitsverlauf nicht in dieser Zeitspanne offen ausbrechen. Als Symptome zu werten sind blasse Schleimhäute (innere Augenlider, Zahnfleisch), Durchfall, Erbrechen, Ausfluss an Augen und Nase, vergrößerte Lymphknoten, Gelenkentzündungen und Fieber. Ein Bluttest erbringt den Nachweis auf Ehrlichiose. Die Behandlung erfolgt medikamentös als 14-Tage-Kur mit dem Antibiotikum Doxycyclin sowie Imizol.

Borreliose

Auch in bestimmten Regionen Deutschlands kommt es öfter durch Bisse infizierter Zecken zu Borreliose. Borreliose als reine Mittelmeerkrankheit zu bezeichnen, trifft daher nicht zu, denn in bekannten Gebieten Süddeutschlands sind bis zu 20% der Zecken infiziert. Es wird eine Schutzimpfung für Mensch und Tier angeboten, die allerdings zu den Non-Core-Präparaten zählt und darum selten angewandt wird. Das Spektrum der Infektionsarten so vielfältig, dass es schwierig ist, den passenden Wirkstoff auf die benötigte Variante herauszufinden, und ein Breitbandmittel so gut wie wirkungslos ist. Stattdessen wird zur Behandlung ein Antibiotikum verwendet.

Leishmaniose

Dies ist die am häufigsten genannte Mittelmeerkrankheit. Der Stich einer Sandmücke kann schädliche Einzeller übertragen, die sich in Knochenmark, Milz und Leber ansiedeln und diese zerstören. Gleichzeitig bilden sich Geschwüre auf der Haut. Bleibt eine Therapie aus, tritt bei Ausbruch der Krankheit nach 6 Monaten bis 2 Jahren der Tod ein. Allerdings gibt es viele Hunde, die zwar mit Leishmaniose infiziert sind, aber die Krankheit entweder gar nicht ausbricht oder es können bis zu sieben Jahre bis dahin vergehen. Es zeigen sich vielfältige Symptome, die einzeln oder zusammen auftreten können: Durchfall, Entzündungen an Gelenken, trotz Appetit fortschreitender Gewichtsverlust, viel Durst, Nervenschmerzen, Nasenbluten, geschwollene Lymphknoten, übermäßig schnelles Wachsen der Krallen, Pigmentstörungen und noch weitere Auffälligkeiten. Leishmaniose tritt vor allem mit schlecht heilenden geschwürartigen Hautveränderungen, schuppenden Hautstellen sowie Haarausfall im Augenbereich auf. Besonders bei diesen Symptomen ist ein Test angeraten.

Der Leishmaniose-Test
Mit einem Bluttest lassen sich anhand des Titer-Wertes Antikörper nachweisen, jedoch nicht direkt die Leishmanien. Nur wenn die Krankheit vormals ausgebrochen war, ist der Bluttest zuverlässig, bei infizierten Hunden ohne Krankheitsausbruch leider nicht. Ein direkter Nachweis der Leishmanien gelingt über die Knochenmarkpunktur. Eine vorbeugende Schutzimpfung gibt es noch nicht. Eine weitere Möglichkeit ist das Tragen eines Scalibor-Halsbandes, das neben vielen anderen Ektoparasiten auch Sandmücken abtötet. Hinzu kommt noch, dass Sandmücken ein warmes Klima und Süßwasser zum Überleben benötigen.
Ist eine canide Leishmaniose festgestellt, so bedeutet das nicht, dass die Infektion sofort vom Tier auf den Menschen übergeht. Dies ist ausschließlich über eine Schmierinfektion möglich, die durch direkten Kontakt von einem Blutkreislauf in den anderen gelangt. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn aus einer Wunde des Hundes Sekret oder Blut in eine offene Wunde des Menschen gelangt. Hautleishmaniose ist in Deutschland biser nicht nachgewiesen.
Die Behandlung des erkrankten Hundes verläuft mit unterschiedlichen Medikamenten, die dem Tier über Jahre hinweg ein beschwerdefreies Leben ermöglichen. Erfolgreich werden Tabletten mit dem Wirkstoff Allopurinol angewendet, die gegen Gicht in der Humanmedizin eingesetzt werden. Weitere Medikamente werden momentan erprobt.

Dirofilariose – Filaria – Herzwürmer

Stechmücken, die im westlichen Mittelmeerraum von Südfrankreich bis Griechenland beheimatet sind, übertragen als Zwischenwirt beim Blutsauen die Larven parasitärer Würmer. Diese Mikrofilarien wandern nach zwei bis drei Monaten von der Unterhaut über die Muskulatur in die Blutgefäße, wo die inzwischen voll entwickelten Würmer (1 mm dick und bis zu 30 cm lang) die herznahen Arterien und Hohlvenen besiedeln. Nach sechs Monaten produzieren die weiblichen Parasiten zum Abschluss ihres Lebenszyklus´erneut Wurmlarven, die von Stechmücken aufgenommen und weiter verbreitet werden.
Ein halbes Jahr nach der Infektion kommt die Krankeit zu tragen. Befallene Hunde ermüden schnell, verlieren Gewicht, das Herz ist überlastet und bildet eine erweiterte rechte Herzseite aus, um das Blutdruckniveau zu halten. Daraus kann Nieren- und Leberversagen entstehen. Die Tiere leiden unter Atemnot, Ödemen und Husten.
Mit Medikamenten können die Würmer abgetötet werden. Die abgestorbenen Makrofilarien schwimmen bis zu ihrer Zersetzung in den Blutbahnen. Dabei können Verschlüsse entstehen, die Thrombosen und Lungenembolien verursachen. Vorbeugend gegen verschiedene Wurmerkrankungen, wie die einheimischen Giardien, Spulwürmer oder Bandwürmer wirken die Medikamente Stronghold von Pfizer und Proramm Plus von Novartiseen Herzwürmer.

 

Bild: © Depositphotos.com / Iryna_Rasko

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