Bearded Collie

„BeardedDer Bearded Collie hat eine steile Karriere hingelegt: Seit jeher schätzte man seine Qualitäten als zuverlässiger Hütehund und bald darauf hielt der gutmütige Naturbursche Einzug in die Häuser der Tierfreunde. Die Rasse verzauberte als Shaggy Dog und „Zotti das Urviech“ in erfolgreichen Walt-Disney-Komödien ein Millionenpublikum rund um die ganze Welt. Der Beardie ist ein intelligentes Powerpaket, das nur in die Hände erfahrener Hundehalter mit viel Zeit gehört.

Die Herkunft des Bearded Collie

Die Geschichte des Bearded Collie beginnt ungefähr zu Anfang des 16. Jahrhunderts in Europa. Im Rahmen damaliger Handelsbeziehungen reiste ein schottischer Schäfer nach Polen. Da es unüblich war, mit Geld zu bezahlen, tauschte man Naturalien und Waren miteinander aus, beispielsweise Schafe und Getreide. Bei den Geschäftsverhandlungen fielen dem Schäfer die polnischen Hütehunde auf, wie gewandt und selbstständig sie ihre Arbeit verrichteten. Er entschloss sich, zwei Hündinnen und einen Rüden nach Schottland mitzunehmen, um die Rasse zu entwickeln.
Mit der Einkreuzung regionaler Rassen wie Deerhound und Otterhound entstanden so die Vorläufer des Bearded Collies. Unempfindlich gegen das raue nordische Klima und mit selbstständigem Tun verrichteten die begabten Treib- und Hütehunde das ganze Jahr über ihren Dienst auf den Weiden des schottischen Hochlands.


Der weitere Werdegang

Der Bearded Collie rückte im 19. Jahrhundert ins Interesse der gehobenen europäischen Gesellschaft, sodass 1912 der erste Rassehunde-Club in Edinburgh gegründet wurde. Eine Züchterin kam schon bald auf die Idee, das Aussehen des Ur-Typs durch Kreuzung mit einem Bobtail zu ändern. Das Resultat endete jedoch in einem Misserfolg, zudem brachte der Beginn des Ersten Weltkriegs sämtliche Zuchtaktivitäten vorerst zum Erliegen. Erst 1944 gelang es einigen Hundefreunden, die fast ausgelöschte Rasse wieder zu beleben. Das Schicksal hat Mrs. Willison aus Ayrshire, Inhaberin der Tierhandlung von Bothkennar, zur Retterin der Rasse ausgewählt: Der bestellte Shetland Sheep-Dog Welpe entpuppte sich als Bearded Collie. Da Mrs. Willison von der tierischen Persönlichkeit so beeindruckt war, behielt sie die junge Hündin und widmete sich in den 1950er Jahren der Reinzucht und dem Wiederaufbau der Rasse. Dazu suchte sie im ganzen Land nach geeigneten Kandidaten. Die Arbeitshunde sahen jedoch noch recht unterschiedlich aus. Besonders die natürliche Länge des Fells war schwer ersichtlich, da die Schäfer ihre Hunde zusammen mit den Schafen im Frühjahr geschoren haben. Der praktische Nutzen des kürzeren Haarkleides beim Arbeitseinsatz draußen sowie die Auswahl nach Hüte-Talent standen im Vordergrund. Das Kurzhaar-Gen ist zwar bei der Vererbung dominant, doch aufgrund rezessiver Vererbung oder Mischung mit langhaarigen Rassen wie Shetland Sheep Dogs kamen in den Würfen allerdings auch Welpen mit wolligem Fell vor. Die Schäfer hatten keine Verwendung für langhaarige Bearded Collies, denn das dicke Fell behinderte die Hunde in der Bewegung, es staut Sommerhitze und natürlich war auch für tägliches Kämmen und Bürsten keine Zeit. Genau entgegengesetzt hielt es eine Großzahl von Züchtern, die sich aufgrund der großen Nachfrage von Welpenkäufern entschieden, mit „schönen“ langhaarigen Exemplaren die Rasse (und den Profit) voranzubringen. Die Aufmerksamkeit für die Arbeitshunde mit schlichterem, aber standardgerechtem Aussehen ging demzufolge stark zurück.

Der Weg teilt sich

Offiziell gibt es keine unterschiedlichen Linien innerhalb der Rasse Bearded Collie, doch es haben sich durch züchterischen Einfluss drei Gruppen gebildet.
Dem heute gültigen Rassestandard entspricht der Bearded Collie vom „alten Typ„, so wie ihn Mrs. Willison zur Perfektion gebracht hat. Innerhalb der ersten Würfe kamen Welpen hervor, deren Aussehen Border Collies oder Bearded Collies entsprach, da teilweise Ahnen ohne Abstammungsnachweis mitgewirkt hatten. Die Rassebegründerin legte Wert auf korrekten Körperbau mit harschem Haarkleid, robuster Gesundheit und aufgewecktem Wesen, das weder aggressiv noch ängstlich war. Bei allen Arbeitsqualitäten eigneten sich diese ausgeglichenen Tiere ebenso gut als Familienhunde. Mit der Zeit erlangte das Wunschziel vieler Züchter die Oberhand, immer kleinere Beardies zu züchten. Letztendlich wurde der alte Rassestandard 1964 angepasst, anstatt die Züchter anzuhalten, standardgerecht zu züchten. Verantwortungsvolle Züchter bemühten sich jedoch immer, den alten Schlag in seiner Reinform zu erhalten, wobei manche Tiere durchaus etwas größer als der Standard ausfielen. Das wichtigste Zuchtziel, die Ähnlichkeit zum Border Collie aufzuheben, wurde erreicht. Da immer weniger Beardies vom alten Typ zur Verfügung standen, kam es zu Verpaarungen mit dem modernen Typen. Eine andere Möglichkeit bestand in der Mischpaarung mit Arbeitshunden, die an der Herde ihre Arbeit verrichten. Für diese nur noch vereinzelt in Großbritannien lebenden Tiere wird ein spezielles Zuchtbuch geführt. Amerikanische Working Beardies legen eine Arbeitsprüfung ab, sind ansonsten ganz anders als die britischen Verwandten.
Der moderne Bearded Collie als Showtyp taucht ab ca. 1970 auf. Sein auffälligstes Merkmal ist ein gedrungenes, quadratisches Gebäude, dessen Augen und Körperkontur von üppigem, langem Fell verdeckt sind: Moderne Beardies sehen fast wie Mini-Bobtails aus und bewegen sich auch so. Der Preis dieses fragwürdigen, äußerlichen Schönheitsideals sind, neben den glänzenden Pokalen, veränderte Wesenszüge sowie verschiedenste organische Erkrankungen, die u.a. auch mit dem Merle-Faktor zusammenhängen. Trotz gravierender Abweichungen zum aktuellen Rassestandard bewerten Ausstellungsrichter diese überzüchteten Modelinien momentan bevorzugt und stellen damit den zur zahlenmäßigen Minderheit reduzierten echten Beardie bewusst in ein schlechtes Licht.
Die dritte Art Bearded Collies entstammt Mischpaarungen aus alten und modernen Linien. Sie tragen die Erbanlagen beider Elterntiere, sodass die äußere Erscheinung dem alten Typ mit kürzerem Fell entsprechen kann, aber die Wesenszüge oder gesundheitliche Probleme der modernen Linie aufweist. Im gleichen Wurf können gleichzeitig auch langhaarige Welpen geboren werden. Nur anhand genauen Studiums der Ahnentafel und namentlicher Kenntnis der Zuchttiere kann bestimmt werden, ob ein Welpe tatsächlich von reinem, alten Schlag ist.

Körperbau und Haarkleid

Der FCI-Standard fordert einen flachen, breiten Kopf mit mäßigem Stopp. Die mittelgroßen Hängeohren werden bei Aufmerksamkeit an der Wurzel angehoben, sodass der Kopf noch breiter wirkt. Sanft blickende Augen liegen weit auseinander und sind vom Farbton her der Fellfarbe angepasst. Sie dürfen nicht von den nach oben gewölbten Augenbraun verdeckt werden. Einfarbig ohne Flecken und Tupfen sollen der Nasenschwamm und die Lippen sein. Ein kräftiger Fang birgt ein Scheren- oder Zangengebiss. Ein mäßig langer Hals setzt sich in nach hinten liegenden Schultern und einer geraden Rückenlinie fort. Gut gewölbten Rippen bilden einen tiefen, geräumigen Brustkorb. Der letzte Wirbel der tief angesetzten Rute sollte mindestens bis zu den Sprunggelenken reichen. Kräftig bemuskelte Gliedmaßen ermöglichen die typische, weit ausgreifende und fließende Gangart. Das doppelte Haarkleid ist zottig und kräftig, doch nicht wollig. Es besteht aus glattem Deckhaar mit dichter pelzartiger Unterwolle. Unter mäßig langer Haarlänge ist die Körperform erkennbar. Der typische Bart entsteht aus den längeren Haaren an der Wange, der Unterlippe und dem Kinn. Erlaubte Fellfarben sind schwarz, schiefergrau, falbfarben, blau sowie alle grauen, sandfarbenen und braunen Nuancen. Nicht zu große weiße Abzeichen dürfen an den Pfoten, am Bart, am Kragen und der Rutenspitze vorkommen. Der weiße Kragen sollte nicht über die Schulterblätter hinausgehen, da bekannterweise zu großer Weißanteil mit erblicher Taubheit in Verbindung steht. An den Übergängen zwischen Grundfarbe und Weiß können lohfarbene Abzeichen sein. Welpen werden dunkel geboren. Die Fellfarbe ändert sich von schwarz nach grau, von braun zu hellbraun, von blau zu hellgrau, von fawn (cremefarbig) zu fast weiß. Merle (verdünnte Grundfarben) sieht der Standard nicht vor.

Wesen und Charakter des Beardies

Die sensiblen und anhänglichen Bearded Collies brauchen engen Kontakt zu ihren Menschen. Ein Haus mit freiem Zugang zum Garten wäre ideal, doch mit einer Wohnung ist er auch zufrieden, wenn ständig jemand zu Hause ist, um mindestens zwei Stunden täglich mit ihm Gassi zu gehen und auch ohne Leine frei rennen lassen; Spielzeit, Schmusen und Fellpflege gehört ebenso zum festen Tagesablauf. Wenn Kinder da sind, empfiehlt sich vor der Anschaffung der Besuch bei einem Züchter, um die Hunde kennenzulernen und zu sehen, ob der Nachwuchs mit dem manchmal etwas stürmischen Temperament des Hundes „klar kommt“. Bearded Collies lieben Kinder und sind geduldige und aufmerksame Spielkameraden. Jagdtrieb hat er keinen, aber seiner Veranlagung zum Hüten kommt am besten die Haltung in einer mehrköpfigen Familie entgegen, wo es nicht so hektisch zugeht und die sterile Sauberkeit nicht das oberste Gebot ist. Die Grundkommandos sollte er früh befolgen lernen, denn die Hüteleidenschaft wird sonst auf fahrende Autos übertragen, und das kann gefährlich werden. Beardies tragen viel Schmutz herein, da sie ihre große Ausdauer in viel Bewegung umsetzen. Ein Gartengrundstück sollte daher mit einem Zaun (1,80 m hoch) und mit eingegrabenem Kaninchendraht entlang der Gartenmauer ausgestattet werden, um der Leidenschaft zum Buddeln und Springen Grenzen aufzuzeigen. Verschrecken laute Musik oder unbekannte Geräusche den Hund, Beardies haben ein sehr empfindliches Gehör, zieht er sich entweder zurück. Bei mangelnder Prägung kann er durchaus aggressiv werden oder aus Angst zuschnappen. Kritische Situationen bei übermäßiger Sensibilität sind Silvesterknallerei und plötzliche Geräusche, wenn z. B. in der Küche etwas auf den Fliesenboden herunterfällt oder im Straßenverkehr – am besten gewöhnt man den Welpen von früh an an Umweltgeräusche, indem man ihn überall mitnimmt. Die Rasse fühlt sich auf dem Land sichtlich wohler als in der Stadt. Mit anderen Haustieren arrangiert sich der Beardie und auch als Zweithund ist er gut geeignet. Vertreter des alten Schlages sind belastbar und lernen schnell, die Mehrzahl der Modebeardies gelten als überempfindlich und ängstlich.

Die Gesundheit

Bearded Collies der modernen Linie sind aufgrund des relativ kleinen Genpools oft krankheitsanfälliger als die des alten Schlages. Halter berichten von Nierenproblemen, die Schilddrüsen-Fehlfunktionen nach sich ziehen, die wiederum für Stressanfälligkeit und Angst verantwortlich sind. Diese seelische Erkrankungen führen oft zu Magen-Darm-Beschwerden, Aggressivität, Ersatzhandlungen wie Pfotenknabbern oder erschweren die Erziehung allgemein. Häufig treten durch den schmaler gezüchteten Kiefer Zahnfehlstellungen auf und die übermäßige Fellmenge verursacht Ekzeme und Schreckhaftigkeit, wenn das Haar wie eine Gardine über die Augen hängt. Es liegt eine Anfälligkeit für Herz- und Krebserkrankungen vor. Hohe Behandlungskosten beim Tierarzt müssen einkalkuliert werden, wobei viele Besitzer dieser Tiere die unterdurchschnittliche Lebensdauer von 2 – 6 Jahren beklagen. Beardies des alten Typs sind in jeder Hinsicht robuster und erreichen ein weit höheres Alter. Die Fellpflege ist bei Beardies vom alten Typ mit einmal wöchentlichem Bürsten erledigt, denn das mittellange, harsche Haar bleibt von allein sauber. Besonders aufwendig ist die Fellpflege bei den Langhaarigen. Das manchmal bodenlange, seidige Haar der Modebeardies ist nicht selbstreinigend und verfilzt schnell. Allerlei Blätter, Stöckchen oder sonstige Souvenirs von den Spaziergängen müssen mühselig abgesammelt werden, sodass mancher überforderte Hundebesitzer in letzter Konsequenz das Fell abscheren lässt. Dabei sollte zumindest die Unterwolle verbleiben, die als Klimaschutz bei Wärme und Kälte dient. Ein interessanter Artikel des Magazins Beardie-Revue hinterfragt die momentane Auslegung des Rassestandards.

 

Der Bearded Collie im Überblick
    • Herkunft: Großbritannien
    • FCI Standard Nr. 271, Gruppe 1 Hütehunde u. Treibhunde, Sektion 1 Schäferhunde
    • andere Namen:Hairy Mou ed Collie, Highland Collie, Mountain Collie
    • Widerristhöhe: Rüden ca. 53 – 58 cm, Hündinnen ca. 49 – 53 cm
    • Gewicht: Rüde ca. kg, Hündinnen ca. kg
    • Haarkleid: harsches,glattes Deckhaar mit dichter Unterwolle
    • Fellfarbe: Schwarz und alle Nuancen von Braun, Sandfarben, Grau. Mit oder ohne weiße Abzeichen.
    • Augen: sanft und groß, Farbton der Fellfarbe angepasst
    • Ohren: hängend und mittelgroß
    • Körperbau: kräftig, schlank und drahtig
    • Einsatz: Begleithund, Schäferhund
    • Charakter: lebhaft, aktiv, aufmerksam, gelassen
    • Gesundheitsrisiken: Nebennieren (Morbus Addison), stressbedingte Beschwerden, Herz, Schilddrüse
    • Lebenserwartung: ca. 13 – 15 Jahre

 

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