Die Familienplanung beim Hund

„HundIn der Diskussion von Risiken gegenüber dem Nutzen bei einer frühen Kastration, bzw. Sterilisation, stehen sich Vor- und Nachteile gegenüber.
Warum sollten Besitzer ihr Haustier überhaupt kastrieren? Wann ist der richtige Zeitpunkt für den nicht unerhelblichen Eingriff und welche Gefahren sind damit verbunden? Tierärzte setzen sich mit diesen Fragen jeden Tag auseinander und kommen darüber zwangsläufig zu unterschiedlichen Ergebnissen. Dieser Zwiespalt ist ein umstrittenes Thema, da ständig neue Forschungsergebnisse und Erfahrungen hinzukommen.

Über die Risiken der Frühkastration

In einer aktuellen Studie der University of California, einem renommierten Forschungsinstitut für Veterinärmedizin, tritt bei männlichen Golden Retrievern, die vor dem ersten Lebensjahr kastriert wurden, doppelt so häufig Hüftdysplasie auf. Die Studie verknüpft auch Probleme der vorderen Kreuzbänder (CCL, ACL) und bestimmte Formen von Krebs mit einer Frühkastration. Diese Resultate macht die Diskussion über Kastration noch komplizierter.

Seit vielen Jahren hat die Mehrheit der Kleintierpraxen den meisten ihrer Patienten frühes Kastrieren / Sterilisieren empfohlen; dies betrifft in der Regel Tiere unter einem Jahr. Eine ganze Reihe von Vorteilen, sowohl vom angeborenen Verhalten als auch medizinischer Art, wurden angeführt. Der Tierschutz und das Vermeiden unerwünschter Haustiere waren und sind jedoch die wichtigsten Gründe, Hunde und andere Haustiere zu neutralisieren.
Dies sind allerdings keine Belege dafür, dass die Kastration unschädlich sein kann und das wird insbesondere Tierschützer und Hilfsorganisationen auf den Plan rufen.


Mögliche negative Auswirkungen der frühen Kastration

Fachleute haben die Vor- und Nachteile sowie den optimalen Zeitpunkt zur Durchführung des Eingriffs lange Zeit diskutiert. Die oben angeführte Studie liefert starke Hinweise, dass die Kastration vor Vollendung des ersten Lebensjahres das Risiko gewisser orthopädischer Probleme erhöht. Kritiker dieser Studie führen an, dass es sich um eine kleine Auswahl (759 Hunde) in einem Krankenhaus in einem geographischen Gebiet, mit einer bestimmten Art von Kundschaft handelt. Mit anderen Worten, könne dies nicht eine repräsentative Stichprobe aller Golden Retriever draußen sein.

Die beteiligten Forscher führten aus, dass dabei vornehmlich zu bedenken ist, dass verschiedene Rassen verschiedene Anfälligkeiten für Erkrankungen aufweisen. Darüber hinaus können die Auswirkungen der frühen oder späten Kastration auch von Rasse zu Rasse unterschiedlich sein. Hüftdysplasie, Risse der vorderen Kreuzbänder und Tumore sind beispielsweise bei Golden Retrievern überrepräsentiert. Kastration verursacht diese Probleme nicht, aber diese Studie bestätigt, dass eine Kastration in jungen Jahren das Risiko erhöht.

Wenn Hoden oder Eierstöcke eines Hunde entfernt werden, wird die Produktion der Hormone unterbrochen, die das Knochenwachstum betreffen. Da sich die Wachstumsfugen bei sehr jung neutralisierten Hunden früher schließen, können orthopädische Probleme, wie Hüftdysplasie und vorderer Kreuzbandriss, verstärkt auftreten.

Kastrierte Hunde neigen auch dazu, Übergewicht zu erwerben – eine weitere Belastung der Gelenke. Aber Kastration ist nicht gleich Übergewicht. Es ist schwieriger, kastrierte Hunde in Form zu halten, aber es kann mit angepasster Ernährung und genügend Bewegung durchaus getan werden.

Dialog zwischen Tierarzt und Tierbesitzer

Die ausführliche Beratung zwischen dem Veterinär und dem Eigentümer sollte stattfinden, um das Risiko im Vergleich zum Nutzen abzuwägen. Das gilt vor allem für andere große Rassen, wie Labrador Retriever, da Hüftdysplasie und CCL-Risse in dieser beliebten Rasse überdurchschnittlich oft auftreten.

Der richtige Zeitpunkt?


Grundsätzlich sollte man einen Hund nicht zu früh kastrieren lassen. Je nach Rasse ist der frühst mögliche Zeitpunkt zwischen 18 und 24 Monaten. Aber bedenken Sie: Ist die Kastration wirklich nötig? Man ist inzwischen von der vorsorglichen Kastration wieder abgerückt und zieht die Kastration heute häufig nur dann in Erwägung, wenn es massive Verhaltensauffälligkeiten gibt, die sich zweifelsfrei auf den Hormonhaushalt zurückführen lassen. Die Kastration ist dagegen nicht sinnvoll, wenn lediglich die Erziehung versäumt wurde. Bitte wägen Sie die Entscheidung für oder gegen eine Kastration gründlich ab!

Es gibt zwei Hauptbereiche, was eine Kastration des Hundes bewirkt: Seine Gesundheit und das Verhalten. Was die Gesundheit betrifft, verringert der Eingriff die Wahrscheinlichkeit späterer Prostataprobleme, verwandte urologische Probleme, Hodenkrebs und unerwünschte Würfe.
Vorteile, die das Verhalten beeinflussen, gibt es viele. Intakte Rüden zeigen Testosteron abhängige Verhaltensweisen. Dazu gehören Aggression gegenüber anderen Hunden oder Menschen, Streunen und das Markieren mit Urin. Das sind die typischen Dinge. Wann beginnen diese Verhaltensweisen? Faustregel ist seit jeher, den Hund vor 18 Monaten oder 2 Lebensjahren zu kastrieren, um die meisten dieser Angewohnheiten erst gar nicht entstehen zu lassen.

Streunen ist ein sehr starker Instinkt bei intakten Hunden. Wie es in dieser Studie heißt, kommt einem Hundebesitzer vielleicht der Gedanke auf: Okay, diese Operation reduziert später im Leben einmal das Risiko eines Kreuzbandrisses, aber was ist, wenn der Hund mit 10 Monaten ausbüchst und vor ein Auto läuft, weil der Besitzer sein Tier nicht unter Kontrolle hatte? Oder, bei wie vielen intakten Hunden kapitulieren die Eigentümer, können nicht mit den Verhaltensweisen umgehen und geben das Tier ab? Der Hund wird als verhaltensauffällig abgestempelt und verbringt den Rest seines Lebens in einem Tierheim oder wird gar eingeschläfert. Wo ist der Vorteil nun?

Für den durchschnittlichen Golden Retriever oder Labrador Besitzer könnte als ein logischer Kompromiss die Kastration zwischen 18 und 24 Monaten stattfinden, auf einer Fall-zu-Fall-Basis. Wenn die Halter vor schwierigen Verhaltensproblemen stehen, kann der Termin früher angesetzt werden.

Verantwortung zeigen

Ob ein Hund kastriert werden sollte, ist immer eine individuelle Entscheidung, je nach dem wie sich Ihr Hund verhält. Ist eine Hündin beispielsweise nach jeder Läufigkeit schein-schwanger, könnte man zur Entlastung beider Seiten über eine Kastration nachdenken. Oder frisst Ihr Rüde regelmäßig nichts mehr, nur weil in der Nachbarschaft eine Hündin läufig geworden ist? Womit man leben und umgehen kann, muss jeder selbst wissen und ob eine Kastration unbedingt notwendig ist, sollten Sie gut abwägen. Wenn Sie sich dazu entscheiden, bei Ihrem Hund aufgrund einer beliebigen Anzahl triftiger Gründe mit dem Kastrieren zu warten oder die Kastration komplett ausschließen, müssen Sie ein noch wachsamerer und verantwortungsvollerer Besitzer sein, um ungewollte Verpaarungen ausschließen zu können.

 

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